Zum Inhalt springen
10. September 2026 · Ausgabe 09/26 Immer aktuell
Personal & Team

PISA-Tief: Was schwache Azubi-Grundlagen für kleine Betriebe bedeuten

Ein Drittel der 15-Jährigen in Deutschland kann nicht ausreichend lesen oder rechnen. Für Betriebe mit Ausbildungsplätzen bedeutet das: mehr Förderaufwand von Anfang an.

PISA-Tief: Was schwache Azubi-Grundlagen für kleine Betriebe bedeuten
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

Die PISA-Ergebnisse, die am 10. September 2026 veröffentlicht wurden, sind die schlechtesten für Deutschland seit dem Start der Studie vor 25 Jahren. In Mathematik erreichen Jugendliche 464 Punkte, im Lesen 465, in Naturwissenschaften 486. Alle drei Werte liegen unter den Ergebnissen von 2022. Rund ein Drittel der 15-Jährigen hat keine ausreichenden Basiskompetenzen in Lesen und Rechnen. Das sind dieselben Jugendlichen, die in den nächsten Jahren als Bewerber auf Ausbildungsplätze kommen.

Was die Zahlen konkret bedeuten

Deutschland liegt damit nur noch auf OECD-Durchschnittsniveau. Länder wie die Schweiz, Österreich, Estland und Kanada schneiden deutlich besser ab. Auch am oberen Leistungsende verschlechtert sich das Bild: Der Anteil der Jugendlichen mit besonders hohen Mathematikkompetenzen sank seit 2015 von 13 auf 8 Prozent. Im Lesen fiel er von 12 auf 7 Prozent. Nur noch 3 Prozent erreichen in allen drei Bereichen die höchsten Kompetenzstufen.

Das ist kein kurzfristiger Effekt. Samuel Greiff, Bildungsforscher an der Technischen Universität München und Leiter des deutschen Studienteils, spricht von einem eindeutigen Abwärtstrend über rund zehn Jahre. Die Verschlechterung zieht sich durch das gesamte Leistungsspektrum, nicht nur durch die schwächsten Gruppen.

Schon heute ein Problem auf dem Ausbildungsmarkt

Die Studie bestätigt, was Ausbildungsbetriebe schon länger beobachten. Friedrich Hubert Esser, früherer Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung, hatte bereits vor der Veröffentlichung gewarnt: Viele Jugendliche brächten die nötigen Kompetenzgrundlagen für eine Berufsausbildung nicht mehr mit. Schon jetzt haben laut früheren Erhebungen rund drei Millionen Menschen unter 35 Jahren keinen Berufsabschluss. Jährlich landen rund 260.000 Jugendliche im sogenannten Übergangssystem, einem schulischen Auffangnetz vor der eigentlichen Ausbildung.

Für kleine und mittlere Betriebe bedeutet das: Die Bewerbergruppe schrumpft demografisch ohnehin. Wer jetzt noch auf gut vorbereitete Azubis wartet, wird länger warten.

Was das für Betriebe mit bis zu 20 Mitarbeitern bedeutet

Grundkompetenzen prüfen, bevor Probleme entstehen

Viele kleine Betriebe führen kein strukturiertes Eingangsassessment durch. Das rächt sich: Schwächen im Rechnen oder Schreiben werden erst sichtbar, wenn Fehler in Aufträgen oder Berichten auftauchen. Ein einfacher Eingangstest zu Beginn der Ausbildung kostet wenig Zeit und schafft Klarheit darüber, wo Förderung nötig ist.

Förderung als Investitionsrechnung

Betriebe, die einen schwächeren Azubi durch gezielte Förderung in eine abgeschlossene Ausbildung führen, binden diesen Mitarbeiter oft stärker als jemanden, der problemlos drei Angebote hatte. Der Aufwand ist real: mehr Erklärungen, mehr Kontrolle, eventuell externe Unterstützung durch Nachhilfeangebote oder Berufsschulbegleitung. Der Nutzen ist ebenfalls real: eine besetzte Stelle, eine fertige Ausbildung, ein Mitarbeiter, der bleibt.

Förderprogramme kennen und nutzen

Die Bundesagentur für Arbeit und das BIBB finanzieren verschiedene Instrumente zur ausbildungsbegleitenden Hilfe, darunter Stützunterricht und sozialpädagogische Begleitung für Azubis mit Schwierigkeiten. Diese Programme sind für Betriebe kostenlos oder gering belastet. Viele kleine Unternehmen nutzen sie nicht, weil sie sie nicht kennen. Ein Anruf bei der zuständigen Arbeitsagentur oder Handelskammer reicht, um einen Überblick zu bekommen.

Erwartungen früh und klar kommunizieren

Wer Azubis mit Lücken einstellt, muss das intern klären: Wie viel Förderzeit kann der Betrieb leisten? Wer ist Ansprechperson? Was passiert, wenn Mindestanforderungen nicht erreicht werden? Diese Fragen vor Ausbildungsbeginn zu beantworten, verhindert Konflikte und Abbrüche. Die Abbruchquote in der dualen Ausbildung liegt in manchen Branchen bei über 30 Prozent. Das kostet jeden Betrieb bares Geld.

Fazit

Die PISA-Zahlen vom September 2026 sind ein Lagebericht über den künftigen Bewerbermarkt. Sie zeigen: Das Niveau der Schulabgänger sinkt, und dieser Trend ist nicht neu. Für Betriebe mit wenigen Mitarbeitern ist das kein abstraktes Bildungsproblem. Es ist eine operative Frage: Wie bildet man aus, wenn die Grundlagen fehlen? Wer das jetzt strukturiert angeht, hat einen Vorteil gegenüber Betrieben, die auf bessere Bewerber warten. Die kommen in dieser Zahl nicht mehr.

Ähnliche Beiträge