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10. September 2026 · Ausgabe 09/26 Immer aktuell
Personal & Team

Fachkräfte ohne Abschluss: Modul für Modul zur Stelle

Wer keine Bewerbungen mehr bekommt, muss Mitarbeitende selbst qualifizieren. Teilqualifikationen machen das möglich, auch für Betriebe ohne eigene Personalabteilung.

Fachkräfte ohne Abschluss: Modul für Modul zur Stelle
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

Der Fachkräftemangel trifft kleine Betriebe härter als große. Wer kein bekannter Name ist, keine hohen Gehälter zahlen kann und keine HR-Abteilung hat, findet kaum noch fertige Fachkräfte. Eine Bödenpresserei aus dem Westerwald zeigt, wie ein wenig bekanntes Qualifizierungsinstrument helfen kann: die Teilqualifikation, kurz TQ.

Was eine Teilqualifikation ist

Eine Teilqualifikation ist kein vollständiger Berufsabschluss. Sie deckt einen definierten Teil eines anerkannten Ausbildungsberufs ab. Wer mehrere Module eines Berufs absolviert, kann damit schrittweise einen vollständigen Abschluss erreichen. Die Module sind bundesweit standardisiert und bauen aufeinander auf.

Das Instrument richtet sich an Menschen ohne Berufsabschluss. Dazu zählen Quereinsteiger, Menschen mit Lücken im Lebenslauf, Personen mit Migrationshintergrund ohne in Deutschland anerkannten Abschluss oder Elternteile, die nach einer Pause wieder einsteigen wollen.

Für Betriebe bedeutet das: Sie können Menschen einstellen, die noch nicht voll qualifiziert sind, und sie gezielt auf betriebliche Anforderungen hin weiterbilden. Der Lernfortschritt ist dokumentiert und anerkannt.

Was das Pilotprojekt im Westerwald zeigt

Die Afflerbach Bödenpresserei GmbH und Co. KG hat das Instrument in einem Pilotprojekt erprobt. Partner waren die Agentur für Arbeit, das Bildungswerk der rheinland-rheinhessischen Wirtschaft und die Industrie- und Lehrwerkstadt Koblenz. Das Ergebnis: Mehrere neue Mitarbeitende haben eine Teilqualifikation zum Maschinen- und Anlagenbediener abgeschlossen.

Das ist kein großer Konzern, der sich ein aufwendiges Ausbildungsprogramm leisten kann. Es ist ein mittelständischer Produktionsbetrieb. Das zeigt, dass das Instrument auch für kleinere Unternehmen funktioniert, wenn die richtigen Partner eingebunden sind.

Was das für Gründer und kleine Betriebe bedeutet

Der Aufwand ist real

Teilqualifikationen funktionieren nicht allein. Der Betrieb braucht externe Bildungspartner, oft die Agentur für Arbeit oder regionale Bildungsträger. Die Koordination kostet Zeit. Wer fünf Mitarbeiter hat und selbst operativ arbeitet, muss das einkalkulieren.

Der Einstieg ist dennoch weniger aufwendig als eine klassische Ausbildung. Es gibt keine dreijährige Bindung, keinen Berufsschultag, keine Prüfungsverantwortung im vollen Umfang. Module können einzeln absolviert werden.

Finanzierung ist oft möglich

Die Agentur für Arbeit kann Teilqualifikationen über das Qualifizierungschancengesetz fördern. Für Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitenden ist eine vollständige Förderung der Lehrgangskosten möglich. Auch das Arbeitsentgelt während der Qualifizierung kann teilweise übernommen werden. Voraussetzung ist ein Beratungsgespräch mit der zuständigen Agentur für Arbeit.

Für welche Berufe es funktioniert

Teilqualifikationen gibt es für eine Reihe von Berufen, darunter Lagerlogistik, Verkauf, Metall, Elektro, Pflege und Gastronomie. Die Bundesagentur für Arbeit führt eine Liste anerkannter TQ-Module. Nicht jeder Beruf ist abgedeckt. Wer einen sehr spezifischen Bedarf hat, sollte früh prüfen, ob das passende Modul existiert.

Was Betriebe jetzt konkret tun können

Wer Stellen nicht besetzen kann und offen ist, Kandidaten selbst weiterzubilden, sollte zunächst die zuständige Agentur für Arbeit kontaktieren. Dort gibt es Beratung zur Förderung und zu regionalen Bildungsträgern. Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern sind weitere Anlaufstellen, da sie oft als Prüfungsinstanz für TQ-Module auftreten.

Nötig ist eine realistische Einschätzung des eigenen Aufwands. Wer den Prozess als reines Recruiting-Instrument betrachtet, wird enttäuscht. Wer bereit ist, einen Menschen über Monate zu begleiten und in die eigene Struktur einzubinden, hat eine reale Chance, eine Fachkraft aufzubauen.

Fazit

Teilqualifikationen sind kein schnelles Allheilmittel gegen Personalmangel. Sie sind ein strukturierter Weg, Menschen ohne Abschluss schrittweise zu qualifizieren. Das Pilotprojekt aus dem Westerwald zeigt, dass es funktioniert, wenn Betrieb, Bildungsträger und Agentur für Arbeit zusammenarbeiten. Für kleine Betriebe ist das machbar, aber nicht ohne Aufwand. Wer die Förderoptionen kennt und den richtigen Partner findet, kann auf einem Bewerbermarkt punkten, auf dem klassische Stellenanzeigen immer seltener reichen.

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