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10. September 2026 · Ausgabe 09/26 Immer aktuell
Finanzierung

Lausanner Startup sichert sich 3 Mio. Franken für Fusionssteuerung

Fusionality will die Betriebsinfrastruktur für Fusionsanlagen standardisieren und damit Doppelentwicklungen in der Branche vermeiden. Das Kapital fließt zunächst in den Teamaufbau am Standort Lausanne.

Lausanner Startup sichert sich 3 Mio. Franken für Fusionssteuerung
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

Fusionality hat eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde über 3 Millionen Schweizer Franken abgeschlossen. Die Runde wird gemeinsam von den Venture-Capital-Fonds Founderful und Playfair angeführt. Das Lausanner DeepTech-Startup, 2026 gegründet, entwickelt Hard- und Software für den Betrieb von Fusionsanlagen. Hinter dem Unternehmen stehen zwei ehemalige Forscher von Google DeepMind.

Was Fusionality baut

Fusionsanlagen erzeugen extrem heißes Plasma, das durch starke Magnetfelder zusammengehalten wird. Ziel ist es, aus dem Prozess kommerziell nutzbare Energie zu gewinnen. Für den Betrieb solcher Anlagen müssen große Datenmengen in Echtzeit verarbeitet werden. Steuerungssysteme müssen auf Veränderungen im Plasmazustand innerhalb von Millisekunden reagieren.

Fusionality entwickelt dafür Diagnosesysteme, Plasmasteuerung, Datensysteme und Simulationswerkzeuge. Die Technologie soll auf unterschiedliche Reaktortypen übertragbar sein. Statt jedes Mal eine Komplettlösung von Grund auf zu entwickeln, sollen nur begrenzte Anpassungen nötig sein.

Das Problem in der Fusionsbranche

Mehr als 30 privat finanzierte Unternehmen weltweit arbeiten an eigenen Fusionsanlagen, hinzu kommen staatliche Forschungsprogramme. Viele dieser Organisationen bauen ihre Betriebs- und Steuerungsinfrastruktur bislang selbst. Das verursacht Kosten und verlangsamt die Entwicklung.

Fusionality sieht darin ein strukturelles Problem und positioniert sich als Zulieferer für die gesamte Branche. Das Modell ähnelt einer Infrastrukturplattform, auf der verschiedene Reaktorkonzepte aufsetzen können. Ob es sich in der Praxis durchsetzen lässt, hängt davon ab, ob die Kunden bereit sind, externe Technologie einzusetzen statt eigene Systeme zu betreiben.

Die Gründer

Federico Felici studierte Regelungstechnik und promovierte an der EPFL in Plasmaphysik. Er war Assistenzprofessor an der TU Eindhoven und arbeitete am Swiss Plasma Center der EPFL an der Steuerung von Fusionsanlagen. Danach verbrachte er zweieinhalb Jahre bei Google DeepMind.

Jonas Buchli ist Elektroingenieur. Er war an der ETH Zürich tätig und wechselte anschließend als Senior Research Scientist zu Google DeepMind, wo er sich mit Robotik, optimaler Regelung und Reinforcement Learning für physische Systeme beschäftigte.

Kennengelernt haben sich die beiden bei einem gemeinsamen Projekt von EPFL und Google DeepMind. Das Team trainierte eine KI zur Steuerung des TCV-Tokamaks der EPFL. Die Ergebnisse wurden 2022 im Fachjournal Nature zur magnetischen Steuerung von Tokamak-Plasmen mittels Deep Reinforcement Learning veröffentlicht.

Wohin das Geld fließt

Die 3 Millionen Schweizer Franken sollen zunächst in den Teamaufbau in Lausanne fließen. Fusionality sucht Regelungsingenieure, Computational Physicists, Spezialisten für Plasmamessungen und Softwareentwickler. Das sind Fachprofile, die auf dem Arbeitsmarkt selten sind.

Einordnung

Fusionality bedient eine Nische innerhalb einer noch jungen Industrie. Die Fusionsbranche hat bisher keine kommerziellen Kraftwerke in Betrieb. Das Marktpotenzial ist real, aber langfristig. Das Modell zeigt einen Ansatz, der in anderen DeepTech-Bereichen bekannt ist: Wer als Infrastrukturanbieter für eine wachsende Branche auftritt, muss nicht selbst das Endprodukt bauen. Das reduziert Risiko, schränkt aber die Zielgruppe stark ein. Ob dieser Markt schnell genug wächst, um das Unternehmen zu tragen, wird sich zeigen.

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