Fremde verbrauchen dein KI-Budget: Claude-Accounts gehackt
Angreifer verschaffen sich über gestohlene Session-Keys Zugang zu Claude-Accounts und verbrauchen dabei kostenpflichtige Rechenkapazität auf fremde Rechnung. Anthropic hat reagiert, doch die Schwachstelle liegt oft beim Nutzer selbst.

Wer Claude von Anthropic für die Arbeit nutzt, sollte seinen Token-Verbrauch prüfen. Mehrere Nutzer haben festgestellt, dass ihr Kontingent schrumpft, obwohl sie die KI nicht verwenden. Der Grund: Malware stiehlt Login-Daten und Session-Keys, über die sich Dritte Zugang zu fremden Accounts verschaffen.
Was genau passiert ist
Der KI-Berater Grant De Swardt aus Großbritannien nutzt einen Claude-Max-Account. Das Paket kostet 200 US-Dollar pro Monat und hat ein zwanzigfaches Token-Limit gegenüber dem Standardtarif. De Swardt bemerkte, dass sein Verbrauch von 45 auf 55 Prozent stieg, obwohl er alle eigenen Aufgaben gestoppt hatte und den Chatbot nicht nutzte.
Er wandte sich an Anthropic. Das Unternehmen stellte unberechtigte Aktivitäten fest, beendete alle aktiven Sessions, sperrte den Account und erstattete ihm 44,49 britische Pfund anteilig zurück. Bis sein Zugang wiederhergestellt war, vergingen zwei Wochen. Für einen KI-Berater, der auf das Tool angewiesen ist, ein spürbarer Ausfall.
De Swardt schilderte seinen Fall auf Reddit. Dort meldeten sich weitere Betroffene mit demselben Muster: Token-Verbrauch ohne eigene Nutzung. Anthropic bestätigte das Problem in einer direkten Nachricht an betroffene Nutzer: Seit einiger Zeit gibt es Malware-Angriffe, über die Login-Sessions gekapert werden.
Wie der Angriff funktioniert
Der Infostealer als Werkzeug
Anthropic identifizierte als Ursache einen sogenannten Infostealer. Das ist eine Schadsoftware, die gezielt Login-Daten und Session-Keys vom befallenen Rechner abgreift und an die Angreifer weiterleitet. Ein Session-Key ist ein temporärer Zugangscode, der nach dem Login gespeichert wird. Wer ihn hat, muss kein Passwort mehr eingeben.
Anthropic betont: Die Malware gelangt nicht über Claude selbst auf die Rechner. Sie wird über andere Wege eingeschleust, etwa durch Downloads von unseriösen Quellen oder manipulierte Dateien.
Was die Angreifer damit machen
Mit dem gestohlenen Session-Key melden sich die Angreifer an einem fremden Claude-Account an. Dort stoßen sie eigene Aufgaben an und verbrauchen das gebuchte Token-Kontingent. Wofür genau, bleibt für den eigentlichen Kontoinhaber unsichtbar. Claude zeigt nur den Gesamtverbrauch in Prozent an, nicht welche Aufgaben wie viele Token verbraucht haben.
Diese fehlende Transparenz war ein zentraler Kritikpunkt der Betroffenen. Ohne Aufschlüsselung fällt der Missbrauch erst auf, wenn der Verbrauch auffällig hoch ist.
Was das für kleine Unternehmen bedeutet
Wer Claude über die API oder einen bezahlten Tarif für die tägliche Arbeit einsetzt, trägt ein direktes finanzielles Risiko. Bei einem Monatsabo von 200 US-Dollar ist die Summe überschaubar. Bei API-Nutzung ohne festes Limit kann der Schaden größer ausfallen, je nachdem wie lange der Angriff unbemerkt bleibt.
Dazu kommt der Arbeitsausfall. De Swardt wartete zwei Wochen auf die Kontowiederherstellung. Wer Claude in Kernprozessen einsetzt, hat in dieser Zeit ein Problem.
Was Sie jetzt konkret tun sollten
Der erste Schritt ist der Blick auf den eigenen Token-Verbrauch. Steigt er, obwohl keine Aufgaben laufen, ist das ein Warnsignal. Dann sollten Sie sofort alle aktiven Sessions in den Account-Einstellungen beenden und das Passwort ändern.
Anthropic empfiehlt außerdem, keine Dateien von unbekannten oder dubiosen Quellen herunterzuladen. Infostealers gelangen häufig über manipulierte Software-Installer oder Raubkopien auf Systeme. Das gilt besonders für Rechner, auf denen auch API-Schlüssel oder andere Zugangsdaten gespeichert sind.
Wer die Claude-API nutzt, sollte API-Schlüssel regelmäßig rotieren und Nutzungslimits einrichten, sofern der Dienst das anbietet. So lässt sich zumindest der finanzielle Schaden begrenzen.
Fazit
Der Fall zeigt ein strukturelles Problem bei KI-Diensten: Viele Anbieter geben kaum Einblick darüber, was mit dem gebuchten Kontingent passiert. Wer bezahlt, sollte auch sehen können, wofür. Bis sich das ändert, bleibt die regelmäßige Kontrolle des Verbrauchs die einzige Möglichkeit, Missbrauch früh zu erkennen. Anthropic hat betroffene Konten gesperrt und Zahlungen anteilig erstattet. Den Arbeitsausfall hat niemand ersetzt.


