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10. September 2026 · Ausgabe 09/26 Immer aktuell
Finanzierung

Wie ein Pitch scheitert: Die zwei Minuten, die Investoren entscheiden

Wer Investoren überzeugen will, hat am Anfang und am Ende des Pitches die meiste Wirkung. Was das konkret bedeutet und worauf Gründer achten müssen.

Wie ein Pitch scheitert: Die zwei Minuten, die Investoren entscheiden
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

Ein Pitch ist keine Präsentation. Er ist eine Entscheidungshilfe für jemanden, der sein Geld riskiert. Wer das versteht, bereitet sich anders vor. Carsten Maschmeyer, Investor und bekannt aus der VOX-Sendung Die Höhle der Löwen, bringt es auf eine knappe Formel: Start und Landung müssen sitzen. Alles dazwischen hat weniger Gewicht.

Warum die ersten Minuten alles verändern

Investoren hören viele Pitches. Ihre Aufmerksamkeit ist begrenzt. Wer in den ersten Minuten nicht liefert, kämpft den Rest der Zeit gegen ein bereits geformtes Urteil an.

Das ist kein psychologisches Konstrukt, sondern ein praktisches Problem. Ein Investor, der früh abschaltet, stellt andere Fragen. Er sucht nach Gründen, nicht zu investieren. Wer dagegen von Anfang an überzeugt, bekommt Wohlwollen für den Rest des Gesprächs.

Der Einstieg muss deshalb sitzen. Nicht sympathisch sein, nicht locker wirken, sondern klar machen: Was ist das Problem, wer hat es, wie groß ist der Markt und warum bin ich die richtige Person, das zu lösen. Das in zwei, maximal drei Minuten.

Keine Geschichte, sondern ein Argument

Viele Gründerinnen und Gründer beginnen mit einer persönlichen Anekdote. Das kann funktionieren. Es kann aber auch wertvolle Sekunden kosten, ohne etwas zu sagen.

Ein Investor hört nicht: "Ich war selbst betroffen und wollte etwas verändern." Er hört: Wie groß ist das Marktpotenzial, was sind die Zahlen, wer steht dahinter. Wer den Einstieg mit Emotion füllt, muss danach doppelt hart arbeiten, um auf Substanz umzuschalten.

Das schließt Persönlichkeit nicht aus. Aber sie muss dem Argument dienen, nicht umgekehrt.

Der Mittelteil: Rumpeln ist erlaubt

Maschmeyers Vergleich mit dem Flug ist präzise. Turbulenz in der Luft macht Passagiere nervös, entscheidet aber selten über das Ergebnis. Im Pitch ist das ähnlich.

Wer im Mittelteil über Zahlen stolpert, eine Folie zu schnell weiterschiebt oder eine Frage nicht vollständig beantwortet, verliert damit nicht automatisch das Gespräch. Vorausgesetzt, der Rahmen steht.

Im Mittelteil geht es um Substanz: Geschäftsmodell, Umsatz, Marktgröße, Wettbewerb, Team. Diese Inhalte müssen stimmen. Aber Perfektion in der Darbietung ist weniger wichtig als Klarheit in der Botschaft.

Was Investoren im Mittelteil wirklich prüfen

Erfahrene Investoren achten im Mittelteil auf Konsistenz. Passen die Zahlen zusammen? Kennt die Gründerin ihre Marge? Weiß der Gründer, was der nächste Finanzierungsschritt kostet und warum?

Ein Pitchdeck, also die Präsentation, die Gründer mitbringen, ist dabei nur ein Hilfsmittel. Es ersetzt kein Argument. Wer sich hinter Folien versteckt, wirkt unsicher. Wer die Folien als Gesprächsgrundlage nutzt, wirkt vorbereitet.

Die Landung: Der letzte Eindruck hält

Am Ende eines Pitches entscheidet sich, was hängen bleibt. Das menschliche Gedächtnis arbeitet nicht linear. Der letzte Eindruck ist oft stärker als alles, was davor kam.

Das Ende eines Pitches ist kein Abspann. Es ist der Moment, in dem der Gründer sagt, was er will. Konkret. Wie viel Kapital, wofür, in welchem Zeitraum und was der Investor dafür bekommt.

Wer am Ende vage bleibt, signalisiert Unsicherheit. Wer klar formuliert, zeigt, dass er das Gespräch führt, nicht der Investor.

Der Call to Action gehört ans Ende

In der Sprache der Finanzierung heißt das konkret: Welche Beteiligung am Unternehmen bietet der Gründer für welchen Betrag an? Diese Frage muss am Ende beantwortet sein, nicht irgendwo in der Mitte.

Wer 200.000 Euro für zehn Prozent der Unternehmensanteile sucht, sagt das klar. Wer hofft, dass der Investor das selbst ausrechnet, verliert Zeit und Glaubwürdigkeit.

Was das für Gründer bedeutet

Die Struktur eines Pitches ist kein Geheimnis. Das Problem liegt in der Umsetzung. Wer seinen Pitch nicht laut geübt hat, mindestens zehnmal, merkt erst vor Investoren, wo er hakt.

Einstieg und Abschluss sollten auswendig sitzen. Nicht abgelesen, nicht improvisiert. Wer zögert oder sucht, hat in diesen Minuten verloren.

Die Höhle der Löwen, seit 2014 auf VOX ausgestrahlt, macht diesen Mechanismus sichtbar. Welche Pitches dort scheitern, scheitern meist nicht an der Idee. Sie scheitern daran, dass die ersten Sätze das Interesse nicht wecken oder das Ende kein klares Angebot enthält.

Fazit

Ein guter Pitch ist kein Glück und keine Persönlichkeitsfrage. Er ist das Ergebnis von Vorbereitung. Start und Landung zu üben heißt: die ersten zwei Minuten und die letzten zwei Minuten so oft wiederholen, bis sie ohne Nachdenken funktionieren. Wer das tut, hat gegenüber den meisten anderen Gründern im Raum einen konkreten Vorteil.

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