Bewertungsstreit bei Ajambow: Wenn alle Löwen gleichzeitig aussteigen
Das Fitnessstartup Ajambow scheiterte in der Sendung "Die Höhle der Löwen" nicht am Produkt, sondern an der Firmenbewertung. Was Gründer aus diesem Eklat lernen können.

Drei Millionen Euro Firmenbewertung, zehn Prozent Anteile, 300.000 Euro gefordert: Mit diesen Zahlen betraten Susan Schmidt und Simon Werner aus Borsdorf bei Leipzig die Bühne von "Die Höhle der Löwen". Das Probetraining mit ihrem Fitness-Stab Ajambow lief gut. Die Stimmung kippte, als die Konditionen auf dem Tisch lagen. Alle fünf Investoren stiegen aus.
Was Ajambow ist und was die Gründer wollen
Ajambow ist ein mit Wasser gefüllter, wellenförmiger Stab. Die unregelmäßigen Schwingungen des Wassers beim Bewegen sollen die Tiefenmuskulatur beanspruchen. Das Gründerpaar hat eigene Choreografien dafür entwickelt und eigens Musik komponieren lassen. Das Konzept entstand vor mehr als zehn Jahren gemeinsam mit einem Mitentwickler. Der Name leitet sich aus dem Swahili-Wort "Ajambo" ab, was so viel wie "Wiedergeburt" bedeutet.
Schmidt und Werner betreiben seit Längerem ein eigenes Sportstudio. Der Stab war zunächst ein internes Trainingsgerät. Die Nachfrage aus dem Kursangebot heraus brachte sie zur Serienproduktion. Seit dem Markteintritt 2024 haben sie nach eigenen Angaben mehr als 1.500 Geräte verkauft. Rund 30 Studios nutzen das Konzept in ihren Kursen. Aquakurse mit dem Gerät sind bei Krankenkassen zertifiziert. Die Firma schreibt schwarze Zahlen, die Gesamtinvestitionen von rund 250.000 Euro sind aber noch nicht zurückverdient. Ein Gehalt zahlen sich die Gründer bislang nicht aus.
Warum die Investoren ausgestiegen sind
Die Bewertung von drei Millionen Euro bei einem noch jungen Unternehmen ohne ausgezahlte Gründergehälter und mit überschaubarem Umsatz war der Hauptkritikpunkt. Carsten Maschmeyer, Janna Ensthaler, Judith Williams, Ralf Dümmel und Frank Thelen lehnten das Angebot ab. Laut den Gründern eskalierte die Situation so stark, dass sie ihre inhaltlichen Argumente nicht mehr vermitteln konnten.
Ein Teil des Problems war die Kommunikation des Geschäftsmodells. Schmidt und Werner wollten gemeinsam mit einem Investor eine internationale Holding aufbauen. Diesen Plan erklärten sie in der Sendung offenbar nicht klar genug. Wenn Investoren die Strategie nicht verstehen, springen sie ab, bevor Zahlen überhaupt Gehör finden.
Was Gründer daraus ableiten können
Bewertung und Strategie müssen zusammenpassen
Eine Bewertung von drei Millionen Euro ist keine willkürliche Zahl. Sie muss sich aus dem Geschäftsmodell, dem Wachstumspotenzial und dem tatsächlichen Umsatz ableiten lassen. Wer eine hohe Bewertung fordert, muss sie im Pitch verteidigen können - mit konkreten Zahlen, nicht mit Vision.
Komplexe Strategien einfach erklären
Ein Holding-Modell mit internationalem Aufbau klingt ambitioniert, für Außenstehende aber schnell nach Ablenkung vom Kerngeschäft. Wer so etwas im Pitch einbaut, braucht einen klaren, kurzen Satz dazu. Keine Folie, kein Schaubild ersetzt das.
TV ist kein Investitionsprozess
"Die Höhle der Löwen" ist eine Unterhaltungssendung. Die Aufzeichnung fand im Mai statt, ausgestrahlt wurde die Folge Mitte Oktober. Wer dort pitcht, lebt monatelang mit dem Ergebnis, bevor es öffentlich wird. Das Format belohnt einfache Produkte, klare Zahlen und emotionale Geschichten. Komplexe Beteiligungsmodelle und erklärungsbedürftige Strategien sind strukturell benachteiligt.
Was Ajambow nach dem Scheitern macht
Die Gründer berichten, dass sie den Vertrieb seither stärker auf Geschäftskunden ausrichten. Fachmessen sind ein zentraler Kanal. Das direkte Online-Endkundengeschäft läuft weiter, ist aber schwieriger: Ein erklärungsbedürftiges Produkt verkauft sich im Netz schlechter als im direkten Kontakt. Neue Produkte wie Seile und Balance-Boards sind hinzugekommen.
Am Rande der Aufzeichnung machte Simon Werner seiner Partnerin Susan Schmidt nach 33 gemeinsamen Jahren einen Heiratsantrag. Das hatte mit dem Pitch nichts zu tun, sorgte aber für das stärkere Bild des Abends.
Fazit
Ajambow ist kein gescheitertes Unternehmen, sondern ein kleines, profitables Startup mit echten Kunden und einem Nischenprodukt. Der TV-Auftritt scheiterte, weil Bewertung und Kommunikation nicht zur Bühne gepasst haben. Wer in eine Investorenrunde geht, vor Kameras oder nicht, sollte drei Dinge klar haben: Was die eigene Firma heute wert ist und warum. Was der Investor konkret bekommt. Und wie die Strategie in zwei Sätzen klingt.


