Companisto: Wie 6500 Angels die Frühphasen-Lücke füllen
Klassische VC-Fonds ziehen sich aus der Frühphase zurück. Companisto hat sich als größtes Business-Angel-Netzwerk der EU positioniert und will 2026 das Tempo weiter erhöhen.

Wer in der Frühphase Kapital sucht, hat es schwerer als noch vor einigen Jahren. Venture-Capital-Fonds konzentrieren sich auf spätere Finanzierungsrunden, der Zugang zu frühem Risikokapital wird enger. Companisto füllt diese Lücke, nach eigenen Angaben als größtes Business-Angel-Netzwerk der Europäischen Union, bestätigt durch die ECCL-Studie 2025.
Zahlen, die das Modell beschreiben
Im vergangenen Jahr investierte das Netzwerk 45 Millionen Euro in Startups. Das Unternehmen schrieb dabei schwarze Zahlen. Im ersten Quartal 2026 flossen 14,7 Millionen Euro in neun Finanzierungsrunden. Der Umsatz stieg in diesem Zeitraum um 39 Prozent.
Hinter diesen Zahlen stehen 6550 registrierte Investoren. Business Angels sind keine institutionellen Fonds. Sie investieren eigenes Kapital, bringen Branchenwissen mit und übernehmen unternehmerisches Risiko. Das unterscheidet sie von klassischen VC-Strukturen.
Die bisher größte Angel-Runde in der EU
Ein konkretes Beispiel: Gemeinsam mit Samsung Next leitete Companisto eine Finanzierungsrunde für DiaMonTech über acht Millionen Euro. Das war laut ECCL-Studie die größte Angel-Finanzierungsrunde in der EU im Jahr 2025.
Für Gründerinnen und Gründer bedeutet das: Über ein Angel-Netzwerk lassen sich auch größere Tickets strukturieren. Das war lange ein Vorteil institutioneller Fonds.
Was das für Startups in der Frühphase bedeutet
Kapital plus Netzwerk
Business Angels bringen neben Geld auch Kontakte und operative Erfahrung mit. Das unterscheidet sie von Crowdinvesting-Plattformen, bei denen viele Kleinanleger ohne strategischen Mehrwert beteiligt sind. Bei Companisto steht die unternehmerische Erfahrung der Investoren im Vordergrund.
Zugang zum Netzwerk
Wer sich als Startup bei Companisto bewirbt, durchläuft einen Auswahlprozess. Nicht jedes Unternehmen wird aufgenommen. Das Netzwerk entscheidet, welche Deals es seinen Mitgliedern vorstellt. Gründerinnen und Gründer sollten das einkalkulieren: Der Zugang ist kein automatischer Prozess.
Bildungsinitiative als zweite Säule
Companisto betreibt neben dem Investmentnetzwerk eine gemeinnützige Initiative namens Gründungsimpuls. Das Format bringt Entrepreneurship-Unterricht in Schulen. In 45-minütigen Einheiten arbeiten Schülerinnen und Schüler mit realen Startup-Pitches. Ergänzend gibt es Live-Gespräche mit aktiven Gründerinnen und Gründern.
Die Initiative entstand in Zusammenarbeit mit Lehrkräften und dem bundesweiten Schülerwettbewerb JUGEND GRÜNDET. Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert das Angebot.
Für das Kerngeschäft ist dieser Bereich nachrangig. Für Gründerinnen und Gründer, die Kontakt zu Schulen oder Bildungsakteuren haben, kann der Gründungsimpuls ein Anknüpfungspunkt sein.
Fazit
Companisto ist kein VC-Fonds und kein klassisches Crowdinvesting. Das Modell basiert auf einem Netzwerk erfahrener Privatinvestoren, die Kapital und Expertise bündeln. Die Zahlen aus dem ersten Quartal 2026 zeigen, dass das Netzwerk wächst. Für Startups in der Frühphase, die institutionelle Fonds nicht erreichen, ist das ein konkreter Finanzierungskanal. Wer diesen Weg prüfen will, sollte sich über die Aufnahmekriterien informieren, bevor er Zeit in eine Bewerbung investiert.


