Nur 24 Prozent: Was Startups für die Series A brauchen
Eine Analyse des Wagniskapitalgebers Antler zeigt: Drei von vier deutschen Startups scheitern auf dem Weg zur Series-A-Runde. Fünf messbare Faktoren trennen die erfolgreichen von den gescheiterten.

Drei von vier deutschen Startups erreichen die Series A nie. Das zeigt eine Auswertung des Investors Antler, der dafür 27.602 Finanzierungsrunden von mehr als 3.000 Startups aus dem Zeitraum 2015 bis 2026 analysiert hat. Die Konversionsrate von der Seed- in die Series-A-Runde liegt in Deutschland bei 24 Prozent.
Was eine Series A bedeutet
Startups durchlaufen typischerweise mehrere Finanzierungsphasen. In der Pre-Seed-Phase geht es um erste Mittel für Prototypen und Idee. Die Seed-Runde finanziert den Nachweis, dass das Geschäftsmodell funktioniert. Die Series A ist die erste große Wachstumsfinanzierungsrunde; ab diesem Punkt muss ein Startup sein Modell skalieren. Institutionelle Investoren steigen ein, die Erwartungen steigen mit.
Die Finanzierungssummen sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Der Median einer Seed-Runde liegt laut Antler inzwischen bei 4,3 Millionen Euro. 2015 waren es noch 510.000 Euro. Eine Series A bringt heute im Median zwischen 10 und 14 Millionen Euro. Gleichzeitig sind die Chancen, diese Stufe überhaupt zu erreichen, gesunken.
Mehr Gründungen, weniger Anschlussfinanzierungen
Antler-Partner Christoph Klink beschreibt den Widerspruch so: Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 3.568 Startups gegründet, so viele wie noch nie seit Beginn der Erfassung. Gleichzeitig erreichten nur 71 davon die Series-A-Runde. Das Verhältnis: 50 Neugründungen auf jedes Unternehmen, das tatsächlich skalieren konnte.
Deutschland schneidet im europäischen Vergleich dennoch vergleichsweise gut ab. Die Konversionsrate für den Jahrgang 2022 liegt hierzulande bei 18,9 Prozent und damit vor anderen großen europäischen Märkten. Der Rückgang der Raten betrifft alle Regionen seit dem Höhepunkt 2019 und 2020.
Fünf Faktoren, die den Unterschied machen
Antler hat aus den Daten fünf Kriterien abgeleitet, die den Übergang in die Series A wahrscheinlicher machen. Startups, die alle fünf erfüllen, erreichen die Series A in 51,1 Prozent der Fälle. Die Kriterien gelten für die Seed-Runde.
Erstens: mindestens 2 Millionen Euro Finanzierungsvolumen in der Seed-Runde. Bei Runden unter 500.000 Euro liegt die spätere Series-A-Quote bei 10,6 Prozent, bei Runden ab 2 Millionen Euro bei 44,2 Prozent.
Zweitens: ein institutioneller Venture-Capital-Fonds als Lead-Investor. Ein institutioneller VC ist ein professioneller Fonds, der mit fremdem Kapital in Startups investiert, im Unterschied zu Business Angels, die ihr eigenes Geld einsetzen.
Drittens: mindestens drei Investoren in der Seed-Runde. Ein breiteres Konsortium erhöht die Glaubwürdigkeit gegenüber späteren Geldgebern.
Viertens: Ein Investor aus der Pre-Seed-Runde investiert erneut in die Seed-Runde. Das gilt als Signal, dass frühe Geldgeber dem Startup weiterhin vertrauen.
Fünftens: maximal zwölf Monate zwischen Pre-Seed und Seed.
Tempo als eigenständiger Indikator
Wer innerhalb von sechs Monaten nach der Pre-Seed-Runde eine Seed-Finanzierung abschließt, erreicht laut Antler in 47,2 Prozent der Fälle später eine Series A. Bei mehr als zwei Jahren Wartezeit zwischen den Runden sind es nur noch 16,3 Prozent. Gleiches gilt für den Start: Wer innerhalb von sechs Monaten nach der Gründung in die Pre-Seed-Phase kommt, hat deutlich bessere Chancen als Startups, die dafür drei Jahre brauchen.
Investoren werten das Tempo als Indikator für Klarheit und Ausführungsstärke.
Welche Branchen bevorzugt werden
Nicht jede Branche hat dieselben Chancen. Laut Antler schaffen es Startups aus den Bereichen Climate und Energy, FinTech sowie KI und Datenverarbeitung besonders häufig bis zur Series A. In diesen Sektoren sind mehr aktive institutionelle Investoren aktiv.
Zwischen Seed und Series A liegen im Median 21,5 Monate. Bei jüngeren Gründungsjahrgängen sind es inzwischen mehr als 30 Monate. Wer plant, sollte diese Zeitspanne in die eigene Liquiditätsplanung einrechnen.
Fazit
Die Daten zeigen: Wer eine Series A anstrebt, muss die Seed-Runde entsprechend aufstellen. Volumen, Investorenstruktur und Tempo sind messbare Faktoren mit nachweisbarem Einfluss auf die Erfolgswahrscheinlichkeit. Für Gründerinnen und Gründer in frühen Phasen heißt das konkret: Schon bei der Pre-Seed-Runde lohnt es sich, auf institutionelle Geldgeber zu setzen und die nächste Runde von Anfang an mitzudenken.


