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01. Oktober 2026 · Ausgabe 10/26 Immer aktuell
Finanzierung

DHDL-Deals: Warum nach der Sendung viele Verträge platzen

Ein Handschlag vor der Kamera bedeutet noch kein Investment. Was zwischen TV-Zusage und echtem Vertragsabschluss schiefläuft, erklärt zwei der bekanntesten Juroren.

DHDL-Deals: Warum nach der Sendung viele Verträge platzen
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

Ein Deal bei "Die Höhle der Löwen" ist kein Vertragsabschluss. Er ist ein Versprechen unter Sendebedingungen. Was danach passiert, entscheidet sich im Verborgenen. Und dort scheitern viele Investments, die auf dem Bildschirm noch wie sichere Sache aussahen.

Was nach der Kamera beginnt

Seit 2014 haben mehr als 1.300 Gründerinnen und Gründer ihre Unternehmen bei der Vox-Sendung "Die Höhle der Löwen" vorgestellt. In der laufenden 20. Staffel schauen bis zu 1,5 Millionen Menschen pro Folge zu. Doch die Zahlen, die auf dem Bildschirm genannt werden, sind erst der Anfang.

"Der Deal in der Sendung ist im Grunde der Startschuss für die eigentliche Due Diligence", sagt Investorin Janna Ensthaler. Due Diligence bezeichnet die gründliche Prüfung eines Unternehmens vor einer Investition. Dabei schauen sich Investoren Zahlen, Patente, Verträge, Lieferketten und Teams im Detail an. Manchmal bestätigt sich das Bild aus der Show. Manchmal nicht.

Ein VOX-Sprecher hat das bereits bestätigt: Bei der Prüfung nach der Sendung kommen teils Unwahrheiten in den Aussagen der Gründer ans Licht. Oder Investor und Gründer einigen sich bei einzelnen Vertragspunkten schlicht nicht.

Zu wenig Zeit für echte Entscheidungen

Frank Thelen bringt es auf den Punkt. Zwischen 30 und 60 Minuten bleiben ihm in der Sendung, um ein Startup und ein Team kennenzulernen. Das reicht für einen ersten Eindruck. Für ein Investment mit echtem Geld reicht es nicht.

Manchmal entwickle sich ein Startup nach der Aufzeichnung in eine andere Richtung. Manchmal stellten sich Gründer die Zusammenarbeit ganz anders vor als die Investoren. Thelen nennt konkrete Punkte: Wie schnell soll gewachsen werden? Welche Rolle spielt der Investor im Unternehmen? Konzentration auf Deutschland oder sofort international?

Thelen selbst will mitgestalten. Wer das nicht will, bekommt von ihm kein Kapital. "Lieber fair und im Guten auseinandergehen, als eine Partnerschaft einzugehen, die von Anfang an knirscht", sagt er.

Wenn die Sendung zum Marketingkanal wird

Ein weiteres Problem kennen beide Juroren: Manche Gründer kommen nicht wegen des Kapitals. Sie kommen wegen der Reichweite. Die Sendung hat Millionen Zuschauer. Ein Auftritt kann den Umsatz kurzfristig steigen lassen, auch ohne echten Deal.

Für Thelen ist das eine klare Grenze. Wer die Bühne sucht statt das Investment, fliegt raus. Ensthaler sieht es differenzierter. Die große Mehrheit der Gründer sei ernsthaft an einer Zusammenarbeit interessiert. Und grundsätzlich sei es legitim, die Reichweite der Sendung zu nutzen. "Unternehmertum bedeutet schließlich auch, Chancen zu erkennen", sagt sie.

Was das für Gründerinnen und Gründer bedeutet

Wer ernsthaft mit DHDL als Finanzierungsweg plant, muss verstehen: Der TV-Moment ist nicht das Ziel. Er ist der Beginn eines echten Investmentprozesses. Zahlen müssen stimmen. Aussagen müssen belegbar sein. Und die Vorstellungen über Wachstum, Kontrolle und Strategie müssen auf den Tisch.

Wer das nicht vorbereitet, riskiert nicht nur den geplatzten Deal. Er riskiert auch, öffentlich als unglaubwürdig dazustehen. Frank Thelen hat im laufenden Herbst 2026 einem Gründer ins Gesicht gesagt, er zeige eines der schlechtesten Produkte, die je in der Sendung zu sehen waren. Der Gründer des Produkts "SchaumPo" erlebte damit einen der schwierigeren DHDL-Auftritte der Staffel.

Fazit

Ein DHDL-Deal ist kein Abschluss, sondern ein Anfang. Für Gründerinnen und Gründer, die die Show als Finanzierungsweg ernstnehmen, gilt: Sorgfalt vor Euphorie. Wer mit falschen Zahlen oder unklaren Erwartungen in die Prüfung geht, verliert nicht nur das Investment. Er verliert Vertrauen. Und das ist schwerer zurückzugewinnen als Kapital.

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