Von Flink zu Blocks: Was Merkel aus dem Hyperwachstum gelernt hat
Oliver Merkel hat Flink zu einem Milliarden-Startup aufgebaut und gründet jetzt erneut. Mit Blocks will er Cloud-Kosten von Startups senken – und macht dabei vieles anders als beim ersten Mal.

Oliver Merkel hat Flink mitgegründet, das Berliner Unternehmen zur Milliardenbewertung geführt und dabei viel Lehrgeld gezahlt. Jetzt startet er ein zweites Startup: Blocks soll Unternehmen helfen, ihre Cloud-Kosten zu senken. Grundlage ist ein KI-Agent namens Major Tom. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben 6 Millionen Dollar eingesammelt.
Der Weg vom Berater zum Gründer
Merkel arbeitete als Partner bei Bain und BCG. Die Unternehmensberatung hat ihn geprägt, aber auch frustriert. Als Berater empfiehlt man Entscheidungen. Umgesetzt werden sie von anderen. Diesen Widerspruch wollte er nicht dauerhaft akzeptieren.
Seinen ersten Schritt ins Unternehmertum machte er während eines Garden Leave von BCG. In dieser Zeit half er dabei, Flaconi aufzubauen, einen Parfümversender, der später an ProSieben verkauft wurde. Danach war der Weg in die Selbstständigkeit klar.
Flink: Milliardenbewertung, aber keine Milliardensummen
Als Merkel 2020 mit Flink startete, war der Markt für Schnelllieferdienste bereits besetzt. Konkurrenten hatten schon Milliardensummen eingesammelt. Flink sammelte mehrere hundert Millionen. Das zwang das Team zu mehr Kapitaleffizienz als die Wettbewerber.
Das Wachstum war trotzdem rasant. Kunden gewöhnten sich schnell daran, Lebensmittel in zehn Minuten geliefert zu bekommen. Ihre Erwartungen stiegen dabei noch schneller als die Lieferzeiten sanken. Flink ist nach Unternehmensangaben heute cashflow-positiv und profitabel. Der Weg dorthin war, in Merkels eigenen Worten, schmerzhaft.
Was Gründer aus dem Hyperwachstum mitnehmen können
Hyperwachstum erzeugt Druck. Entscheidungen müssen schnell getroffen werden, oft ohne vollständige Informationen. Merkel beschreibt, dass man mitten im Sturm vieles nicht bewusst wahrnimmt. Das ist kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Merkmal schnell skalierender Unternehmen.
Für Gründer mit kleinen Teams ist das eine nüchterne Botschaft: Wachstum löst keine Probleme, es vergrößert sie. Wer die eigene Kostenstruktur nicht kennt, verliert die Kontrolle. Das gilt für Lieferdienste genauso wie für SaaS-Produkte oder Cloud-Infrastruktur.
Blocks: Ein Produkt aus eigener Erfahrung
Gemeinsam mit Mitgründer Andreas Schroeter hat Merkel in Berlin das Startup Blocks aufgebaut. Das Produkt adressiert ein Problem, das viele schnell wachsende Unternehmen kennen: die Kosten für Cloud-Dienste wie Amazon Web Services steigen, ohne dass jemand im Team den genauen Überblick hat.
Blocks entwickelt dafür einen KI-Agenten namens Major Tom. Er soll Cloud-Infrastruktur überwachen, verwalten und optimieren. Nach Angaben des Unternehmens können Kunden damit ihre AWS-Kosten senken. Wie groß die Einsparungen konkret ausfallen, hängt von der jeweiligen Infrastruktur ab.
Wer davon profitieren kann
Das Produkt richtet sich an Startups und Scaleups, also genau jene Unternehmen, die schnell wachsen und deren Infrastrukturkosten dabei oft unkontrolliert mitsteigen. Cloud-Kosten sind eine der wenigen Ausgabenpositionen, bei denen viele Unternehmen keine vollständige Transparenz haben.
Ob Major Tom hält, was Blocks verspricht, lässt sich von außen noch nicht beurteilen. Das Produkt befindet sich in einer frühen Phase. Die Finanzierung von 6 Millionen Dollar gibt dem Team Zeit, das zu beweisen.
Fazit
Merkels Geschichte liefert kein Erfolgsrezept. Sie zeigt, dass auch erfahrene Gründer mit guter Finanzierung schwierige Phasen durchlaufen. Flink ist heute profitabel, aber der Weg dorthin war lang. Blocks steht am Anfang. Was Merkel mitbringt: direkte Erfahrung mit dem Problem, das er lösen will. Das ist kein schlechter Ausgangspunkt, aber auch keine Garantie.


