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06. August 2026 · Ausgabe 08/26 Immer aktuell
Gründen

171.000 Gründungen 2025: Viele flüchten aus dem Arbeitsmarkt

Die Zahl der Firmengründungen in Deutschland ist 2025 auf rund 171.000 gestiegen. Doch fast vier von zehn Gründern treibt nicht Überzeugung, sondern Jobangst.

171.000 Gründungen 2025: Viele flüchten aus dem Arbeitsmarkt
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

In Deutschland wurden 2025 rund 171.000 neue Unternehmen gegründet. Das sind mehr als 20.000 mehr als im Vorjahr. Das zeigt der neue Gründungsreport der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Hinter der Zahl steckt jedoch ein Problem: Ein wachsender Teil der Gründungen entsteht nicht aus unternehmerischem Antrieb, sondern aus Mangel an Alternativen.

Jobangst als Gründungsmotor

36 Prozent derjenigen, die 2025 ein Unternehmen gründen wollten, taten das vor allem, weil sie keine anderen Berufsperspektiven sahen. Das ist der höchste Wert seit elf Jahren. DIHK-Präsident Peter Adrian formuliert es klar: Die Gründung sei für viele eher eine Ausweichstrategie als der feste Wunsch, Marktchancen zu erschließen.

Das verändert die Qualität der Gründungen. Wer aus Not gründet, plant oft kurzfristiger. Wer aus Überzeugung gründet, hat meist ein schärferes Konzept und einen längeren Atem.

Zahlen im historischen Vergleich

171.000 Gründungen klingen nach viel. Der Vergleich relativiert das. Zwischen 2010 und 2020 lag die Zahl der Firmengründungen im Durchschnitt bei rund 100.000 pro Jahr. Allerdings umfassten ältere Statistiken zum Teil andere Erfassungsmethoden. Die aktuelle Zahl zeigt also einen Aufwärtstrend, aber keinen historischen Höchststand.

DIHK-Präsident Adrian sagt dazu: Das steigende Gründungsinteresse sei kein breiter unternehmerischer Aufbruch. Der Report zeichnet ein differenzierteres Bild.

Konzeptmängel bei vielen Vorhaben

IHK-Berater melden bei einem wachsenden Teil der Businesspläne deutliche Lücken. Besonders häufig betreffen diese die Finanzplanung und die kaufmännische Grundstruktur. Wer nicht weiß, wie viel Geld er im ersten Jahr braucht, scheitert meist nicht an der Idee, sondern an der Kasse.

Das ist ein Signal für alle, die gerade planen: Ein tragfähiger Finanzplan ist keine Formalität für Banken. Er ist das Fundament des gesamten Vorhabens.

Bürokratie und Steuerrecht bremsen

73 Prozent der befragten Gründer wünschen sich einfachere bürokratische Regeln. 61 Prozent fordern ein simpleres Steuerrecht. Das sind die beiden meistgenannten Hürden im Report. Beide Themen sind nicht neu, haben aber offenbar nicht an Gewicht verloren.

Für Gründer mit wenig Zeit und wenig Kapital bedeutet das: Bürokratie kostet beides. Wer keine Ressourcen für externe Berater hat, ist besonders stark betroffen.

Was das für Neugründer bedeutet

Wer gerade über eine Gründung nachdenkt oder sich mitten im Aufbau befindet, dem lohnt sich eine ehrliche Selbstprüfung. Gründen Sie, weil Sie ein konkretes Problem lösen wollen, das andere bereit sind zu bezahlen? Oder gründen Sie, weil der bisherige Job unsicher wirkt?

Die Motivation bestimmt oft die Qualität der Vorbereitung. Notgründungen sind nicht per se zum Scheitern verurteilt. Aber sie neigen dazu, mit weniger solider Planung zu starten.

Finanzplan zuerst

Die IHKs bieten kostenlose Erstberatungen an. Das ist kein Marketing, sondern ein konkretes Angebot. Gerade wer die Finanzierungsseite noch nicht durchgerechnet hat, sollte das nutzen, bevor er kündigt oder investiert.

Steuerrecht ernst nehmen

Wer als Einzelunternehmer oder in einer UG (haftungsbeschränkt, also eine Mini-GmbH mit Stammkapital ab einem Euro) startet, muss von Anfang an verstehen, wie Umsatzsteuer, Einkommensteuer und Buchführungspflicht ineinandergreifen. Ein Steuerberater kostet Geld. Fehler im Steuerrecht kosten meist mehr.

Fazit

Mehr Gründungen sind grundsätzlich ein positives Signal. Der DIHK-Report zeigt aber, dass hinter der Zahl strukturelle Schwächen stecken. Viele Gründungsvorhaben entstehen aus Unsicherheit, nicht aus Stärke. Und viele scheitern an Planungslücken, nicht an der Idee. Wer jetzt gründet, sollte das nüchtern zur Kenntnis nehmen und entsprechend vorbereitet in den Start gehen.

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