Zum Inhalt springen
15. September 2026 · Ausgabe 09/26 Immer aktuell
Gründen

Bella&Bona: Wie aus Bürofrust ein profitables Foodtech wurde

Bella&Bona liefert täglich Mittagessen direkt ins Büro, kocht in eigenen Küchen und ist seit 2024 profitabel. Jetzt kommt die dritte Produktionsküche, finanziert ohne externe Investoren.

Bella&Bona: Wie aus Bürofrust ein profitables Foodtech wurde
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

Niccolò Lapini hat 2017 in München bei einem Tech-Startup gearbeitet. Der schlechteste Teil seines Tages war das Mittagessen. Dreißig Minuten Pause, teure Restaurants, lange Schlangen. Zwei Drittel der Zeit im Anstehen, ein Drittel beim Essen. Daraus hat er ein Unternehmen gebaut.

Die Lücke, die niemand geschlossen hat

Das Problem war nicht neu. Büros in deutschen Städten zahlen für gute Kaffeemaschinen, ergonomische Stühle und teure Software. Die Mittagspause überlassen sie dem Zufall. Lapini sah darin eine strukturelle Lücke.

Seine Antwort: frisch kochen, direkt ins Büro liefern, per App individuell bestellen lassen. Keine Sammelbestellung mehr, bei der eine Person für zwanzig Kolleginnen und Kollegen mit zwanzig verschiedenen Ernährungsweisen entscheidet.

Den wirtschaftlichen Hebel liefert das deutsche Steuerrecht. Arbeitgeber können Essenszuschüsse für ihre Belegschaft steuerlich begünstigt abrechnen. Der Arbeitgeber trägt einen Teil der Kosten, die Mitarbeitenden zahlen weniger als den vollen Restaurantpreis. Beide Seiten profitieren. Das Modell übersteht damit auch einen Wechsel im Management.

Gestartet mit eigenem Geld, ohne Investoren

2019 gründeten Lapini und Mitgründer Matteo Cricco Bella&Bona in München. Gebootstrappt, also ohne externe Finanzierung. Die erste Küche, die ersten Kunden, alles aus eigener Tasche.

Von Anfang an setzten sie auf eigene Produktionsküchen. Kein Marktplatz, keine Restaurantpartner. Das ist der teurere Weg. Es ist aber auch der einzige, auf dem sich Rezept, Portionsgröße, Anlieferungstemperatur und Kosten pro Teller kontrollieren lassen.

Lapini beschreibt den Unterschied so: Wer mit fremden Küchen arbeitet, betreibt einen Marktplatz mit einem Lieferproblem. Bella&Bona wollte eine Küche mit einem Logistikproblem sein. Denn eine Küche lässt sich messbar verbessern.

Rund 5 Millionen Euro Kapital, dann Schluss

Für die Expansion nach München und Berlin nahm das Unternehmen insgesamt rund 5 Millionen Euro auf. Das Geld finanzierte den Aufbau der Küchen und die Verlustjahre, bis die Kundenzahl die Fixkosten deckte.

Was Bella&Bona nicht tat: jede Finanzierungsrunde als automatische Folge der vorherigen behandeln. Seit 2024 ist das Unternehmen nach eigenen Angaben profitabel. Im Food-Delivery-Markt ist das keine Selbstverständlichkeit. Das Wachstum finanziert Bella&Bona seitdem aus dem laufenden Geschäft.

Die Zahlen, die Lapini nennt: mehr als 2 Millionen ausgelieferte Mahlzeiten, eine Pünktlichkeit von 99 Prozent, monatlich mehr als 20.000 Mitarbeitende aus über 300 Unternehmen als Kunden. Aus mehr als 50.000 Bewertungen ergibt sich ein Schnitt von 4,9 von 5 Punkten.

Dritte Küche in NRW, ohne neue Runde

Am 1. Oktober 2026 eröffnet Bella&Bona seine dritte eigene Produktionsküche in Nordrhein-Westfalen. Der Fokus liegt zunächst auf Düsseldorf und Köln. Finanziert wird die Expansion aus dem laufenden Geschäft, ohne neue Investoren.

Die Standortwahl hat einen rechnerischen Grund. Rund 25.000 Unternehmen in NRW passen nach Lapinis Angaben ins Zielprofil von Bella&Bona. Diese Dichte gibt es in Deutschland sonst nirgendwo. Kurze Lieferwege halten die Kosten niedrig und die Essenstemperatur bei der Ankunft stabil.

NRW als Vorlage für weitere Städte

NRW ist für Bella&Bona kein Endziel, sondern eine Blaupause. Berlin und München hat das Unternehmen beide von null aufgebaut. Lapini sagt rückblickend, keiner der beiden Märkte habe so viel gelehrt, wie er hätte können, weil niemand dokumentiert hat, was funktioniert hat und was nicht.

In NRW soll das anders laufen. Alle Entscheidungen, Abläufe und Ergebnisse werden aufgeschrieben. Das Ziel ist ein Playbook, das sich für weitere Städte wiederholen lässt.

Was das für Gründerinnen und Gründer bedeutet

Das Bella&Bona-Modell illustriert ein paar konkrete Punkte, die über Food-Delivery hinausgehen.

Externe Finanzierung ist kein Selbstzweck. Bella&Bona hat Kapital aufgenommen, weil es für den Aufbau der Infrastruktur notwendig war. Sobald das Geschäft die eigenen Kosten trug, hat das Unternehmen aufgehört, weitere Runden zu suchen.

Kontrolle über die eigene Leistungserbringung kostet mehr, gibt aber mehr Steuerungsmöglichkeiten. Wer früh auslagert, spart Kapital, verliert aber Einfluss auf Qualität und Marge.

Steuerliche Rahmenbedingungen können ein Geschäftsmodell tragfähig machen. Der Essenszuschuss ist in Deutschland seit Jahren bekannt, wird aber in vielen Unternehmen nicht genutzt. Das ist eine Marktlücke, die Bella&Bona systematisch adressiert.

Ob das Modell auf andere Branchen übertragbar ist, hängt vom Einzelfall ab. Der Grundmechanismus, ein bestehendes steuerliches Instrument als Vertriebsargument zu nutzen, war jedenfalls von Anfang an Teil der Konstruktion.

Ähnliche Beiträge