LegalTech aus Vilnius: 1,7 Mio. Euro für KI-gestützte Markenschutzdurchsetzung
Das litauische Startup EnforceShield hat eine Seed-Runde über 1,7 Millionen Euro abgeschlossen. Die Plattform soll Markenschutzverstöße im E-Commerce weitgehend ohne menschliche Beteiligung verfolgen und beseitigen.

Gefälschte Produkte, kopierte Produktseiten, Phishing-Shops: Wer eine Marke schützen will, kämpft gegen ein Volumen, das manuelle Arbeit kaum noch bewältigen kann. Das litauische LegalTech-Startup EnforceShield will dieses Problem mit einem autonomen KI-System lösen. Das Unternehmen hat dafür eine Seed-Finanzierungsrunde über 1,7 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von Vendep Capital, beteiligt ist auch FIRSTPICK VC.
Was EnforceShield konkret tut
Die Plattform erkennt Verstöße gegen geistige Eigentumsrechte, also Urheberrechte, Markenrechte und ähnliche Schutzrechte, und übernimmt die operative Durchsetzung. Das umfasst plattformübergreifende Erkennung, rechtliche Analyse, Einreichung von Löschanträgen, Überwachung und bei Bedarf Eskalation.
Das System berücksichtigt das IP-Portfolio der jeweiligen Marke, geltende Rechtsvorschriften, Verwechslungsgefahren und die spezifischen Regeln der jeweiligen Plattform. Juristen oder Markenschutzteams werden erst am Ende eingebunden, für Freigaben oder in komplexen Ausnahmefällen. EnforceShield nennt diesen Ansatz "Human at the end".
Das Ziel: mehr Fälle bearbeiten, ohne das Team proportional zu vergrößern. Die Verfolgung einzelner Verstöße lohnt sich für kleine Unternehmen oft wirtschaftlich nicht, weil der Aufwand den Schaden übersteigt.
Zahlen und Kunden
Mehr als 20 Unternehmenskunden nutzen die Plattform nach Angaben des Startups bereits. Im E-Commerce entfernt das System nach eigenen Angaben durchschnittlich mehr als 33.500 Verstöße pro Monat. Zu den Kunden zählen Consumer-Marken und Unternehmen mit größeren Markenportfolios.
Das Onboarding soll schnell gehen. Die Plattform benötigt laut Startup nur wenige Ausgangsdaten und beginnt dann selbstständig mit der Suche. Dabei entdecke das System teilweise Verstöße, die dem jeweiligen Unternehmen zuvor nicht bekannt waren.
Woher die Idee kommt
Gegründet wurde EnforceShield 2024 von Rytis Rudzinskas. Er arbeitete zuvor mehrere Jahre als Anwalt im Bereich digitale IP-Durchsetzung. Sein Fazit aus dieser Zeit: Das steigende Fallvolumen lässt sich nicht dauerhaft durch mehr Personal lösen.
Die frühe Entwicklung finanzierte Rudzinskas gemeinsam mit Partnern der Kanzlei CEE Attorneys zunächst aus eigenen Mitteln. Im Frühjahr 2025 stieg der Softwareentwickler Aidis Stukas ein und übernahm die technische Weiterentwicklung. Rund ein Jahr später wechselte Stukas vollständig zu EnforceShield, wurde CTO und beteiligte sich am Unternehmen. Sein Entwicklerteam folgte ihm.
Was Gründer daraus ableiten können
Für Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern ist Markenschutz oft ein vernachlässigtes Thema. Der Aufwand erscheint zu hoch, die Kapazitäten fehlen. Genau hier setzt EnforceShield an.
Ob die Plattform für sehr kleine Unternehmen zugänglich ist, hängt vom Preismodell ab. Zu den Konditionen macht das Startup keine öffentlichen Angaben. Wer eine eigene Marke im E-Commerce betreibt und mit Fälschungen oder Nachahmungen konfrontiert ist, sollte das Angebot prüfen, bevor er externes Markenschutzpersonal einstellt oder teure Anwaltskanzleien beauftragt.
Fazit
EnforceShield adressiert ein reales Problem mit einem nachvollziehbaren Ansatz. Die Kombination aus anwaltlichem Fachwissen und Automatisierung ist im Produkt verankert. Die Finanzierung von 1,7 Millionen Euro gibt dem Team Spielraum für Wachstum. Ob das Modell auch für kleinere Marken erschwinglich ist, bleibt offen.


