Kein Investor: Piesel-Piepser-Gründer übergeben an Sohn
Trotz Zusage zweier DHDL-Investoren kam kein Abschluss zustande. Das Ehepaar Osthoff übergibt sein 30 Jahre altes Familienunternehmen jetzt an die nächste Generation.

Marlon und Elke Osthoff aus Erkrath hatten in der Fernsehsendung "Die Höhle der Löwen" zwei Investoren gewonnen. Janna Ensthaler und Carsten Maschmeyer boten 100.000 Euro für zehn Prozent der Unternehmensanteile. Doch aus dem Deal wurde nichts. Stattdessen übernehmen Sohn Dustin und seine Frau das Unternehmen.
Ein Produkt, 30 Jahre, kein Wachstum
Den Piesel Piepser gibt es seit drei Jahrzehnten. Das Gerät hilft Kindern, nachts trocken zu bleiben. Ein Sensor in der Unterwäsche löst Alarm aus, sobald erste Tropfen Urin auftreten. Laut den Gründern betrifft Bettnässen etwa jedes siebte Kind bis zum sechsten Lebensjahr.
Rund 100.000 Geräte haben die Osthoffs über die Jahre verkauft. Krankenkassen übernehmen die Kosten häufig auf ärztliche Verordnung. Trotzdem stagnierte der Umsatz zuletzt bei rund 200.000 Euro pro Jahr. Einen Online-Shop bauten die Gründer nie auf. Bestellungen liefen per E-Mail. Den Vertrieb organisierten sie über Kinderärzte und Fachkongresse.
Der Auftritt bei DHDL: Nerven, Löwen, Bedingungen
Im Pitch vor den Investoren stockten die Worte. "Ich bin so nervös. Ich finde gerade den Faden nicht", sagte Elke Osthoff in der Sendung. Drei der fünf Juroren stiegen vorzeitig aus. Ensthaler und Maschmeyer blieben.
Beide erkannten das Potenzial des Produkts, kritisierten aber offen die Unternehmensführung und den fehlenden Vertrieb. Ihre Bedingung: Die Osthoffs sollten einen neuen, jüngeren Geschäftsführer finden und ihm 20 bis 30 Prozent der Firmenanteile überschreiben. Falls nötig, wollten die Investoren das Gehalt der neuen Führungskraft selbst finanzieren.
Existenzangst als Antrieb
Marlon Osthoff, Anfang 60, sprach in der Sendung offen über seine Lage. "Ich habe tatsächlich richtig derbe Existenzängste", sagte er. Das Paar ist seit 43 Jahren verheiratet. Beide brauchen das Unternehmen auch als Altersvorsorge. Genau deshalb suchten sie erstmals nach einem externen Investor.
Nach der Sendung: Kein Abschluss, neuer Plan
Was im Fernsehen wie ein Erfolg aussah, wurde nach der Ausstrahlung nicht umgesetzt. Die Osthoffs und ihre Investoren entschieden sich gemeinsam, "die weiteren Schritte zunächst zurückzustellen", wie das Ehepaar mitteilte. Einen Grund nannten sie nicht im Detail.
Stattdessen trat Sohn Dustin mit seiner Frau in das Unternehmen ein. "Inzwischen ist für uns der richtige Zeitpunkt gekommen, die Zukunft von Piesel Piepser langfristig zu gestalten und die Verantwortung innerhalb unserer Familie an die nächste Generation zu übergeben", erklärte das Ehepaar. Marlon Osthoff ist außerdem gesundheitlich angeschlagen, was die Entscheidung beschleunigte.
Was dieser Fall für Inhaber kleiner Betriebe bedeutet
Das Muster beim Piesel Piepser ist in kleinen Familienunternehmen nicht ungewöhnlich. Ein funktionierendes Produkt existiert, der Markt ist vorhanden, aber Vertrieb, digitale Infrastruktur und Unternehmensführung wurden nie professionalisiert.
Investoren steigen unter solchen Bedingungen nur mit harten Auflagen ein. Im Fall der Osthoffs hieß das: Führungswechsel als Voraussetzung für frisches Kapital. Für viele Gründer, die ihr Lebenswerk verkörpern, ist das eine schwer akzeptierbare Forderung.
Nachfolge früh planen, nicht unter Druck
Wer ein Unternehmen aufgebaut hat und irgendwann übergeben will, sollte diesen Schritt nicht erst bei Existenzangst angehen. Die Osthoffs hatten 30 Jahre Zeit und handelten erst, als der Druck zu groß wurde. Das schränkt Optionen ein.
Wer früh klärt, ob eine interne Nachfolge, ein externer Käufer oder ein Investor infrage kommt, hat mehr Verhandlungsspielraum. Wer seinen Vertrieb und seine digitale Präsenz aufgebaut hat, braucht keine Investoren, die das als Bedingung stellen.
Fazit
Die Osthoffs haben ihr Unternehmen in der Familie gehalten. Ob Sohn Dustin die Professionalisierung schafft, die den Eltern nicht gelang, ist offen. Der Fernsehauftritt brachte keinen Investor, aber öffentliche Aufmerksamkeit für ein Produkt, das nach drei Jahrzehnten noch immer im Markt ist. Für Gründer mit ähnlicher Ausgangslage gilt: Wer Kapital sucht, muss Kontrolle abgeben oder sich früh genug selbst modernisieren.


