IRISgo: Deal bei DHDL trotz Streit um die Bewertung
Zwei Schweizer Gründer fordern 500.000 Euro für zehn Prozent ihres Thermobecher-Startups. Die Bewertung sorgt für Widerspruch, der Deal kommt trotzdem.

Thermobecher gibt es viele. Manuel Laurice Borer und Fabian Christmann aus dem schweizerischen Horw haben jedoch ein Produkt entwickelt, das ohne herkömmlichen Deckel auskommt. Bei "Die Höhle der Löwen" präsentierten die beiden Gründer ihren Becher IRISgo, dessen Öffnung sich wie die Iris einer Kamera dreht. Ihr Angebot: 500.000 Euro für zehn Prozent der Unternehmensanteile, was einer Bewertung von fünf Millionen Euro entspricht.
Die Idee kam nach einem Vorfall im Freundeskreis
Borer, 33, und Christmann, 32, gründeten IRISgo im Jahr 2020. Den Anstoß gab ein konkretes Erlebnis: Eine Bekannte bekam K.-o.-Tropfen in ihr Getränk. Die beiden fragten sich, wie sich ein Behälter zuverlässig verschließen lässt, ohne das Trinken zu erschweren. Die Antwort fanden sie im Kino: Der Iris-Verschluss aus den Eröffnungssequenzen der James-Bond-Filme gab dem Produkt sein Grundprinzip.
Das Ergebnis ist ein Becher, dessen Verschluss fest mit dem Körper verpresst ist. Zum Schließen dreht man den oberen Teil im Uhrzeigersinn, zum Öffnen in die entgegengesetzte Richtung. Einen separaten Deckel gibt es nicht, er kann also auch nicht verloren gehen. Laut den Gründern gelangt weder Flüssigkeit noch Schmutz in den Mechanismus.
Missverständnis bei den Umsatzzahlen
Im Pitch nannten Borer und Christmann vier Millionen Euro Umsatz, erzielt allein über den Online-Vertrieb. Investor Frank Thelen zeigte sich zunächst interessiert. Dann folgte die Klarstellung: Die vier Millionen beziehen sich nicht auf ein Jahr, sondern auf rund vier Jahre Unternehmensgeschichte. Der tatsächliche Umsatz lag nach Angaben der Gründer bei etwa 3,6 Millionen Euro über diesen gesamten Zeitraum.
Das änderte die Einschätzung mehrerer Löwen schlagartig. Janna Ensthaler sprach von einer niedrigeren Wachstumskurve als erhofft. Frank Thelen nannte das Wachstum schwach gemessen an der aufgerufenen Bewertung. Ralf Dümmel lobte zwar die Idee, stieg aber ebenfalls aus. "Ich finde die Firmenbewertung zu groß", sagte er.
Deal mit Andreas Herb
Trotz der Kritik blieben drei Investoren im Rennen. Getränke-Unternehmer Andreas Herb zeigte sich besonders überzeugt. Er sieht das größte Potenzial von IRISgo im stationären Handel, einem Vertriebskanal, den die Gründer bisher kaum erschlossen haben. Am Ende kam es zum Deal zwischen IRISgo und Herb.
Für Gründer, die ähnliche Pitches vorbereiten, zeigt dieser Fall etwas Konkretes: Zahlen müssen eindeutig sein. Ob es sich um Jahresumsatz oder kumulierten Umsatz handelt, ist kein Detail. Investoren rechnen sofort weiter. Ein Missverständnis dieser Art kostet Glaubwürdigkeit, selbst wenn das Produkt überzeugt.
Was der Deal für die Gründer bedeutet
IRISgo hat bisher ausschließlich online verkauft. Der Einstieg eines Investors mit Zugang zum stationären Handel ist für ein physisches Konsumgüterprodukt ein echter Hebel. Die Diskussion um die Bewertung zeigt zugleich, wie eng die Spielräume sind. Fünf Millionen Euro Unternehmensbewertung bei rund 3,6 Millionen Euro Gesamtumsatz über vier Jahre ist eine Ansage, die einer starken Wachstumsprognose bedarf.
Ob der Deal nach der Sendung tatsächlich vollzogen wurde, ist öffentlich nicht bestätigt. Bei DHDL-Deals gilt grundsätzlich: Die Handschlag-Einigung in der Sendung ist kein unterzeichneter Vertrag. Due Diligence und Vertragsverhandlungen folgen danach. Nicht jeder TV-Deal wird am Ende finalisiert.
Fazit
IRISgo ist ein klar definiertes Produkt mit nachvollziehbarem Alleinstellungsmerkmal. Die Gründer haben einen Investor gewonnen. Die Sendung macht aber auch deutlich, wo viele frühe Pitches scheitern: nicht am Produkt, sondern an unklaren Zahlen und einer schwer zu begründenden Bewertung. Wer vor Investoren tritt, muss jeden Umsatzbegriff exakt definieren, bevor er ihn nennt.


