Claude Opus 5.5: 40 Prozent günstiger, deutlich schneller
Anthropic hat am 23. September 2026 Claude Opus 5.5 veröffentlicht. Das Modell erledigt typische Aufgaben 40 Prozent günstiger als sein Vorgänger und gibt Ergebnisse mehr als 30 Prozent schneller aus.

Anthropic hat Claude Opus 5.5 veröffentlicht. Das neue Modell löst Opus 5 als stärkstes Modell der Opus-Reihe ab und soll günstiger und schneller arbeiten. Für Unternehmen, die KI-Modelle über die Programmierschnittstelle (API) nutzen, bedeutet das: Die Kosten pro Aufgabe sinken, vor allem bei langen, mehrstufigen Prozessen.
Was Opus 5.5 konkret besser macht
Der größte Unterschied zu Opus 5 liegt bei langen Aufgaben. Das Modell kann große Codemengen prüfen, Informationen recherchieren und über Stunden selbstständig arbeiten. Diese Art von Aufgaben nennt man agentisches Arbeiten: Das Modell plant mehrere Schritte selbst und führt sie aus, ohne dass ein Mensch jeden Zwischenschritt freigibt.
Anthropic belegt das mit internen Tests. Ein Tester migrierte eine Codebasis mit rund 680.000 Zeilen in weniger als einem Tag. In einem zweiten Test prüfte und reparierte das Modell rund 200.000 Code-Zeilen in drei Stunden. Opus 5 benötigte dafür mehr als 20 Stunden und verbrauchte dabei 2,5-mal so viele Tokens. Tokens sind die Einheit, nach der Sprachmodelle abgerechnet werden.
Auch im Vergleich mit Claudes eigenem Topmodell Fable 5.1 schneidet Opus 5.5 gut ab. Bei der Übersetzung der Software HAProxy von der Programmiersprache C nach Rust schloss Opus 5.5 die Aufgabe nach 9,5 Stunden ab. Fable 5.1 brauchte zwölf Stunden. Die Kosten lagen bei Opus 5.5 um 51 Prozent niedriger.
Die neuen API-Preise im Überblick
Anthropic senkt mit dem Launch auch die Preise für die Programmierschnittstelle. Der Input-Preis sinkt von fünf auf vier US-Dollar pro eine Million Tokens. Der Output-Preis fällt von 25 auf 20 US-Dollar. Cache Reads, also der Zugriff auf bereits verarbeiteten Kontext, kosten künftig 0,20 statt 0,50 US-Dollar. Cache Writes kosten künftig fünf statt 6,25 US-Dollar.
Der günstigere Cache-Preis ist für Anwendungen relevant, bei denen das Modell während einer langen Aufgabe immer wieder auf denselben Kontext zugreift. Das ist bei agentischen Prozessen der Regelfall.
Benchmarks: Fortschritte, aber kein vollständiges Bild
In den veröffentlichten Benchmarks zeigt Opus 5.5 deutliche Verbesserungen gegenüber Opus 5. Im Terminal-Bench 4.0 erreicht das Modell 66,4 Prozent, Opus 5 kam auf 52,3 Prozent. Im CursorBench steigt der Wert von 46,6 auf 57,8 Prozent. Beim GDPval-AA v2.1, der reale Aufgaben aus 44 Berufen abbildet, erreicht Opus 5.5 einen Elo-Wert von 1.846. Fable 5.1 kommt auf 1.735.
In einzelnen Tests liegen andere Modelle vorne. Beim AutomationBench erreicht GPT-6 Astra 41,4 Prozent, Opus 5.5 kommt auf 40 Prozent. Beim wissenschaftlichen Terminal Bench Science fällt der Unterschied mit 64,6 zu 58,7 Prozent für GPT-6 Astra deutlicher aus.
Anthropic weist selbst darauf hin, dass Benchmark-Unterschiede im einstelligen Prozentbereich wenig aussagen. Benchmarks messen Modelle unter festgelegten Bedingungen und bilden den Arbeitsalltag nur bedingt ab. Für den Praxiseinsatz ist eher relevant, ob ein Modell lange Aufgaben zuverlässig abschließt und wie viele Tokens es dafür benötigt.
Sicherheit: Zusätzliche Prüfungen vor dem Launch
Anthropic-Chef Dario Amodei hatte vor dem Launch für ein kontrollierteres Entwicklungstempo bei KI-Modellen plädiert. Opus 5.5 ist das erste Modell, das nach diesem Kurs erscheint. Anthropic ließ es vor dem Launch von den externen Organisationen METR und Frontier Design prüfen und weitete die eigenen Sicherheitstests aus. Im bislang umfassendsten Alignment-Test, der misst, wie gut ein Modell den Vorgaben seiner Entwickler folgt, erzielt Opus 5.5 nach Unternehmensangaben die besten Werte aller bisher von Anthropic getesteten Modelle.
Verfügbarkeit und nächste Schritte
Opus 5.5 ist ab sofort in der Claude-Oberfläche sowie über die Claude Platform, AWS, Google Cloud und Microsoft Azure verfügbar. Es ist das erste Modell einer neuen Modellfamilie. Claude Sonnet 5.5 und Claude Haiku 5.5 sollen in den kommenden Wochen folgen. Anthropic erhöht zugleich die Nutzungslimits für Pro-, Max-, Team- und bestimmte Enterprise-Abonnements.
Was das für kleine Unternehmen bedeutet
Wer KI-Modelle bisher wegen der Kosten nur begrenzt einsetzt, sollte die neuen Preise konkret durchrechnen. Der Rückgang beim Cache-Read-Preis ist besonders relevant für Anwendungen, die denselben Kontext mehrfach verarbeiten, etwa automatisierte Kundenanfragen oder mehrstufige Recherche- und Auswertungsprozesse.
Wer bereits mit Opus 5 oder Fable 5.1 arbeitet, sollte vergleichen: Dieselbe Aufgabe kann mit Opus 5.5 deutlich weniger kosten. Das gilt besonders für Aufgaben, die viele Tokens und mehrere Arbeitsschritte erfordern. Kleinere Unterschiede in Benchmark-Werten spielen dabei eine geringere Rolle als der tatsächliche Token-Verbrauch im eigenen Anwendungsfall.


