Merch My Day: Wenn Musiker ihr eigenes Produkt nicht tragen wollen
Luca Montesinos, bekannt als Rapper Montez, und Justus Stroetmann bauen in Berlin ein Merchandising-Startup ohne Risikokapital. Ihr Ansatz: Fanartikel, die auch außerhalb von Konzerten tragbar sind.

Konzert-Merchandise landet oft im Schrank. Das T-Shirt mit dem Bandlogo ist zu plakativ für den Alltag, zu lässig fürs Büro. Luca Montesinos kennt dieses Problem aus eigener Erfahrung. Er ist selbst Musiker, bekannt unter dem Namen Montez, und hat Fanartikel jahrelang aus der Perspektive des Künstlers betrachtet. Jetzt baut er ein Unternehmen darum.
Das Konzept hinter Merch My Day
Montesinos gründete Merch My Day gemeinsam mit Justus Stroetmann. Stroetmann war zuvor bei Pegador tätig, einer deutschen Streetwear-Marke mit nennenswerter Reichweite. Das Berliner Startup will Merchandising-Produkte herstellen, die alltagstauglich sind. Keine überdimensionierten Logos, kein billiger Stoff, kein Wegwerfprodukt.
Das klingt nach einer naheliegenden Idee. Sie ist es auch. Trotzdem hat sie sich im Musikmarkt noch nicht durchgesetzt. Der Grund: Merch wird oft als Nebengeschäft behandelt. Produziert wird, was schnell geht und günstig ist. Der Künstler hat selten Einfluss auf die Qualität.
Bootstrapped statt Risikokapital
Merch My Day wurde nach eigenen Angaben bootstrapped aufgebaut. Das bedeutet: keine externen Investoren, kein Venture Capital. Das Unternehmen finanziert sich aus eigenen Mitteln und laufenden Einnahmen.
Das hat Konsequenzen. Wachstum geht langsamer. Dafür behalten die Gründer die volle Kontrolle. Kein Investor sitzt mit am Tisch, wenn Entscheidungen getroffen werden. Kein Term Sheet schränkt die Handlungsfreiheit ein.
Für kleine Gründerteams ist das ein relevantes Modell. Wer kein externes Kapital aufnimmt, muss von Anfang an profitabel oder zumindest kostendeckend arbeiten. Das zwingt zu Prioritäten.
Was Musiker und andere Kreative daraus lernen können
Die Marke ist das Produkt
Montesinos nutzt seine eigene Bekanntheit als Startkapital. Das ist kein Trick, sondern eine Ressource. Wer eine Zielgruppe hat, kann diese direkt ansprechen. Das spart Marketingkosten, die für kleine Unternehmen schnell existenzbedrohend werden können.
Branchenkenntnisse ersetzen kein Geschäftsmodell
Stroetmann bringt Erfahrung aus dem Bekleidungshandel mit. Montesinos kennt die Musikbranche von innen. Beide Perspektiven zusammen ergeben ein vollständigeres Bild. Trotzdem ersetzt das keine klare Antwort auf die Frage: Wer kauft das Produkt, zu welchem Preis, über welchen Kanal?
Für Gründerinnen und Gründer gilt: Branchenwissen ist ein Vorteil, aber kein Ersatz für Marktvalidierung. Ob Kunden bereit sind, für hochwertiges Merch mehr zu bezahlen, entscheidet der Markt, nicht das Gründerteam.
Was das für Sie bedeutet
Das Modell von Merch My Day ist in seiner Grundstruktur übertragbar. Wer ein Nischenproblem aus eigener Erfahrung kennt, hat einen echten Ausgangspunkt. Wer dazu einen Co-Gründer mit komplementären Fähigkeiten findet, hat eine belastbarere Basis.
Bootstrapping funktioniert, wenn die Kostenstruktur stimmt. Es setzt voraus, dass das Unternehmen früh Einnahmen generiert. Wer auf Wachstum ohne Gewinn setzt, braucht Kapital von außen. Das ist eine strategische Entscheidung mit eigenen Folgen.
Berlin ist als Standort für Startups im Konsumgüterbereich etabliert. Netzwerk, Zugang zu Talenten und Medienaufmerksamkeit sind dort leichter zu bekommen als in vielen anderen Städten.
Fazit
Merch My Day adressiert ein reales Problem mit einer klaren Positionierung. Ob das Geschäftsmodell trägt, hängt davon ab, ob die Zielgruppe tatsächlich mehr für bessere Qualität zahlt. Der Ansatz, ohne Investoren zu wachsen, gibt den Gründern Kontrolle, erhöht aber auch den Druck, früh Einnahmen zu erzielen. Das ist der eigentliche Test, nicht die Gründergeschichte.


