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05. September 2026 · Ausgabe 09/26 Immer aktuell
Finanzierung

Polnisches Biotech-Start-up holt 1,6 Mio. Euro für Schneckengift-Kosmetik

Science4Beauty aus Warschau hat 1,6 Millionen Euro eingesammelt. Das Unternehmen baut auf rekombinante Proteine aus dem Labor statt auf klassische Kosmetikchemie.

Polnisches Biotech-Start-up holt 1,6 Mio. Euro für Schneckengift-Kosmetik
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

Ein polnisches Biotech-Start-up mischt den Beauty-Markt auf. Science4Beauty aus Warschau hat eine Finanzierungsrunde über 1,6 Millionen Euro abgeschlossen. Lead-Investor ist der polnische Wagniskapitalgeber 4growth VC. Beteiligt sind außerdem Hard2beat sowie mehrere Business Angels, also Privatpersonen, die früh in Start-ups investieren.

Was das Unternehmen macht

Science4Beauty wurde 2020 von vier Frauen gegründet: Magdalena Janczewska, Dr. Anna Mazurkiewicz-Pisarek, Alina Mazurkiewicz und Agata Stefanek. Das Unternehmen betreibt ein eigenes zertifiziertes gentechnisches Labor in Warschau. Dort werden rekombinante Proteine und bioaktive Peptide entwickelt, produziert und aufgereinigt. Rekombinante Proteine sind gentechnisch hergestellte Eiweißmoleküle, die natürliche Vorbilder imitieren.

Das bislang bekannteste Produkt der Linie nennt sich Miorelaxant Magic. Grundlage ist ein Wirkstoff, der den Mechanismus von Conotoxinen nachahmt. Conotoxine kommen im Gift von Kegelschnecken vor. Science4Beauty stellt eine eigene rekombinante Variante davon her. Der Wirkstoff soll die Gesichtsmuskulatur entspannen und dadurch Falten sichtbar reduzieren.

Das Unternehmen gibt an, klinische Untersuchungen hätten eine Reduktion der Faltentiefe um bis zu 48 Prozent gezeigt. Bei regelmäßiger Anwendung sollen die Ergebnisse von Behandlungen mit Botulinumtoxin, also etwa Botox, um rund 60 Tage verlängerbar sein. Diese Angaben stammen vom Unternehmen selbst und sind nicht unabhängig verifiziert.

Technologie als Plattform

Science4Beauty versteht sich nicht als reiner Kosmetikhersteller. Das Unternehmen positioniert seine Technologie als skalierbare Plattform für unterschiedliche Anwendungen. Geplant sind Lösungen gegen Hyperhidrose, also krankhaftes Schwitzen, sowie Anwendungen bei Rosazea, einer chronischen Hauterkrankung. Das Team arbeitet außerdem an neuen Darreichungsformen wie Mikronadel-Patches.

Die Schutzrechte des Unternehmens sind nach eigenen Angaben über Patentanmeldungen in zehn Ländern abgesichert. Die bisherigen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten wurden mit mehr als zehn Millionen Złoty, umgerechnet rund 2,3 Millionen Euro, durch das polnische National Centre for Research and Development gefördert. Ein wesentlicher Teil des technologischen Entwicklungsrisikos war damit bereits vor der aktuellen Investorenrunde abgedeckt.

Erste Umsätze, zwei Vertriebswege

Science4Beauty hat bislang fünf Produkte auf den Markt gebracht. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 500.000 polnische Złoty, umgerechnet rund 115.000 Euro Umsatz. Marketingausgaben flossen dafür nicht ein.

Der Vertrieb läuft über zwei Wege. Im B2B-Geschäft beliefert das Unternehmen Kliniken und Anbieter aus der ästhetischen Medizin direkt. Parallel dazu verkauft Science4Beauty die Produkte über einen eigenen Onlineshop an Endkunden. Mit dem frischen Kapital soll dieses Modell in internationale Märkte übertragen werden.

Was Investoren überzeugt hat

4growth VC begründet das Investment nicht allein mit den bestehenden Produkten. Der Investor verweist auf die Patentstrategie, die klinische Validierung und das Plattformpotenzial der Technologie. Wer früh in eine funktionsfähige Produktionsinfrastruktur investiert hat und staatliche Fördergelder gezogen hat, senkt das Risiko für private Kapitalgeber deutlich. Genau dieses Muster macht Science4Beauty für Wagniskapital interessant.

Was das für Gründerinnen und Gründer bedeutet

Der Fall zeigt ein Finanzierungsmuster, das sich in forschungsintensiven Bereichen bewährt: öffentliche Förderung früh anzapfen, technologische Risiken damit abbauen, dann privates Kapital holen. Science4Beauty hat mehr als 2,3 Millionen Euro staatliche Förderung eingeworben, bevor 4growth VC eingestiegen ist. Das hat die Verhandlungsposition der Gründerinnen deutlich gestärkt.

Wer in Biotech, Medizin oder Materialwissenschaften gründet, sollte Förderprogramme nicht als Notlösung betrachten. Sie sind ein strategisches Werkzeug, um Investoren später bessere Konditionen zu bieten. Science4Beauty zeigt außerdem, dass ein klares Plattformversprechen, also die Idee, dass die Technologie für mehrere Märkte taugt, Kapital anzieht. Ein Einzelprodukt hätte diese Runde vermutlich nicht ausgelöst.

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