Brandenburg baut Netzwerk für frühe Startup-Finanzierung auf
Das Brandenburg Investors Network will erfahrene Unternehmer mit jungen Startups verbinden, bevor klassische Fonds einsteigen. Der Ansatz richtet sich bewusst auf die gesamte Fläche des Landes.

Wer in Brandenburg ein Unternehmen gründet, findet früh zu wenig Kapital und zu wenige erfahrene Investoren. Das Brandenburg Investors Network, kurz BIN, will das ändern. Das Netzwerk befindet sich aktuell im Aufbau und soll Unternehmer mit Kapital und Know-how systematisch mit Startups in der frühen Phase zusammenbringen.
Das Problem: Geld fehlt genau dann, wenn es gebraucht wird
Klassische Venture-Capital-Fonds, also Wagniskapitalgeber, die Anteile an Startups kaufen und auf Wachstum setzen, steigen selten in der allerersten Phase ein. Vorher brauchen Gründer aber oft schon Geld, um ein Produkt zu entwickeln, erste Kunden zu gewinnen oder ein Team aufzubauen.
Genau diese Lücke füllen sogenannte Business Angels. Das sind Privatpersonen, die eigenes Kapital investieren und gleichzeitig Erfahrung und Netzwerke einbringen. In Brandenburg gibt es laut BIN durchaus erfolgreiche Unternehmer mit Kapital, die für solche Investments grundsätzlich in Frage kämen. Bisher hatten sie aber kaum Berührungspunkte mit dieser Form des Investierens.
BIN will diese Hürde senken. Das erklärte Ziel: Jeder erfolgreiche Unternehmer in Brandenburg soll zumindest einmal ernsthaft über ein Startup-Investment nachdenken. Nicht jeder muss am Ende investieren. Aber die Option soll bekannt sein.
Beide Seiten müssen vorbereitet sein
BIN nimmt ausdrücklich beide Seiten in den Blick. Von Startups wird erwartet, dass sie ihre Zahlen kennen und erklären können, welche Konsequenzen eine Beteiligung hat. Doch auch ein Investor muss verstehen, wie Startup-Finanzierungen funktionieren.
Klassisches unternehmerisches Wissen reicht dafür nicht aus. Wer in einer frühen Runde zu viele Anteile eines Startups übernimmt, kann spätere Finanzierungsrunden blockieren. Wer als Investor gleichzeitig Kreditgeber und wichtigster Kunde ist, schafft gefährliche Abhängigkeiten. Und wer bei einem kleinen Investment permanent ins Tagesgeschäft eingreift, schadet dem Unternehmen.
BIN will deshalb Wissen über Beteiligungsstrukturen, Vertragsformen und die Rolle eines Business Angels vermitteln. Der Ansatz geht dabei über Seminare hinaus.
Gemeinsam investieren, gemeinsam lernen
Ein zentrales Prinzip des Netzwerks ist das gemeinsame Investieren in Gruppen, sogenannte syndizierte Investments. Neue Investoren sollen an der Seite erfahrener Angels in konkrete Unternehmen einsteigen und so aus echten Fällen lernen.
Solche Konsortien haben noch einen weiteren Vorteil. Nicht jeder Angel muss alle Fähigkeiten mitbringen. Einer kennt die Branche, ein anderer hat Kundenkontakte, ein dritter Zugang zu Hochschulen oder Fachkräften. Ein vierter beteiligt sich rein finanziell, weil er vom Team überzeugt ist. Zusammen geben sie einem Startup mehr als jeder einzeln.
BIN versteht sich deshalb nicht als einfache Vermittlungsplattform, sondern als Netzwerk, in dem Investoren sich gegenseitig ergänzen und voneinander lernen.
Fokus auf die Fläche, nicht nur auf Potsdam
Brandenburg besteht nicht nur aus Potsdam und dem Berliner Umland. Startups entstehen auch in Cottbus, Wildau, Frankfurt an der Oder und Brandenburg an der Havel. Dort sitzen außerdem Mittelständler und erfahrene Unternehmer, die außerhalb ihrer Region kaum sichtbar sind.
BIN plant deshalb, lokale Ansprechpartner an den Brandenburger Hochschulstandorten zu etablieren. Sie sollen Hochschulen, Gründungsinitiativen, Startups und Investoren vor Ort miteinander verbinden.
Einordnung
Für Gründer in Brandenburg ist BIN relevant, weil das Netzwerk frühe Finanzierung zugänglicher machen will, also genau in der Phase, in der Kapital am schwersten zu finden ist. Für erfahrene Unternehmer mit Kapital ist es ein strukturierter Einstieg ins Angel-Investing, ohne dass sie alle Details alleine herausfinden müssen. Ob das Netzwerk hält, was es verspricht, wird davon abhängen, wie viele erfahrene Investoren tatsächlich mitmachen und wie aktiv sie eingebunden werden.


