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05. September 2026 · Ausgabe 09/26 Immer aktuell
Digital & KI

Kein CTO? Kein Problem: So bauen Gründer mit KI ihr Produkt

OpenAIs Codex und die Deployment-Plattform Vercel verändern, wer Software bauen kann. Drei Gründer zeigen, wie das in der Praxis konkret aussieht.

Kein CTO? Kein Problem: So bauen Gründer mit KI ihr Produkt
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

Wer kein Geld für einen Entwickler hat und keinen technischen Mitgründer findet, steckt normalerweise früh fest. Drei Gründer aus einem Berliner Startup-Fellowship zeigen gerade, dass das kein Hindernis mehr sein muss. Sie bauen ihre Produkte mit KI-Tools, die Code schreiben, prüfen und ausrollen.

Codex übernimmt das Programmieren

Der Programmierassistent Codex von OpenAI ist das meistgenutzte Werkzeug der drei Gründer Vincent, Amerigo und Jolina. Codex liest und schreibt Code auf Basis von Texteingaben, sogenannten Prompts. Er findet Fehler und prüft neue Funktionen. Eigene Programmierkenntnisse sind dafür nicht nötig.

Laut einer repräsentativen Erhebung programmieren zehn Prozent der KI-Nutzenden in Deutschland mit solchen Assistenten. Die Technologie ist noch kein Massenphänomen, aber sie wächst.

Vincent baut eine Wetten-Plattform namens Bettie. Er nutzt Codex als technischen Sparringspartner direkt im Projekt. Neue Funktionen lässt er vom Tool umsetzen, Fehler sucht Codex selbständig. Vor der Veröffentlichung laufen automatisierte Tests. Das spart Zeit und senkt das Risiko, dass Fehler unbemerkt bei Nutzern landen.

Amerigo arbeitet an einer Art Preisvergleich für Secondhand-Produkte. Er beschreibt Codex als Kontrollinstanz im Entwicklungsprozess. Bevor neuer Code übernommen wird, prüft das Tool ihn gegen vorher festgelegte Anforderungen. Der Assistent soll dabei nicht nur bestätigen, dass alles stimmt, sondern auch kritische Lücken aufdecken.

Jolina hat keinen technischen Hintergrund. Trotzdem entwickelt sie mit Codex Funktionen, prüft Code und führt Tests durch. Das Tool hilft ihr vor allem dabei, Produktideen schnell in etwas Greifbares zu verwandeln.

Vercel: vom Code zur laufenden Anwendung

Code schreiben ist der erste Schritt. Der zweite ist, ihn ins Netz zu bringen. Dafür nutzen die drei Gründer Vercel. Die amerikanische Plattform stellt Web-Anwendungen bereit und verteilt sie an Nutzer. Neue Versionen können vorab als private Vorschau getestet werden, bevor sie live gehen.

Vincent beschreibt seinen Arbeitsablauf so: mit Codex entwickeln und prüfen, über Vercel testen und dann veröffentlichen. Jolina nutzt Vercel für ihre Website und für sogenannte Preview-Links. Damit kann sie neue Versionen auf verschiedenen Geräten testen und intern teilen, bevor irgendjemand außerhalb davon erfährt.

Der praktische Vorteil: Neue Funktionen müssen nicht blind veröffentlicht werden. Sie laufen erst in einer Umgebung, die dem fertigen Produkt bereits sehr ähnelt. Das reduziert Fehler im Livebetrieb.

Was das für kleine Teams bedeutet

Beide Tools verändern die Kostenstruktur junger Unternehmen spürbar. Wer früher einen Entwickler einstellen oder beauftragen musste, um ein erstes Produkt zu bauen, kann das heute zumindest teilweise selbst erledigen. Das verschiebt den Zeitpunkt, ab dem externes Kapital oder externes Personal nötig wird.

Gleichzeitig haben diese Tools Grenzen. Codex liefert keinen garantiert fehlerfreien Code. Wer komplexe Systeme baut oder sicherheitskritische Anwendungen entwickelt, braucht weiterhin technisches Fachwissen, um die Ausgaben des Assistenten beurteilen zu können. Automatisierte Tests, wie Vincent sie nutzt, fangen viele Fehler ab, ersetzen aber kein Verständnis.

Vercel ist als Plattform bis zu bestimmten Grenzen kostenlos nutzbar. Wer skaliert, zahlt. Das ist bei der Planung zu berücksichtigen.

Fazit

KI-Coding-Tools wie Codex und Deployment-Plattformen wie Vercel senken die technische Einstiegshürde messbar. Nicht-technische Gründer können damit erste Produkte bauen, ohne sofort einen Entwickler zu finanzieren. Das ersetzt kein technisches Verständnis, verschafft aber Zeit und Handlungsspielraum. Wer ein Produkt baut, sollte prüfen, ob und wie diese Tools in den eigenen Arbeitsablauf passen.

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