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17. September 2026 · Ausgabe 09/26 Immer aktuell
Finanzierung

Kasseler Softwarefirma retoflow bekommt siebenstelliges Investment

Die hessische Beteiligungsgesellschaft BMH investiert einen siebenstelligen Betrag in retoflow. Das Kasseler Unternehmen baut digitale Zwillinge für Energienetze und arbeitet nach eigenen Angaben bereits profitabel.

Kasseler Softwarefirma retoflow bekommt siebenstelliges Investment
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

Ein Fraunhofer-Spin-off aus Kassel bekommt frisches Kapital: Die BM H Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen investiert über ihre HessenFonds Beteiligungen GmbH einen siebenstelligen Betrag in die retoflow GmbH. Die genaue Summe nannten die Beteiligten nicht. Das Geld soll in die Weiterentwicklung der Software und den Vertrieb fließen.

Was retoflow macht

retoflow entwickelt Software für Stadtwerke und Netzbetreiber. Im Kern geht es um digitale Zwillinge von Energienetzen. Ein digitaler Zwilling ist ein rechenfähiges Abbild einer realen Infrastruktur, etwa eines Stromnetzes.

Das Problem dabei: Netzdaten liegen bei Versorgern oft in unterschiedlichen Systemen und Formaten. retoflow führt diese Daten in einer gemeinsamen Umgebung zusammen. Darauf aufbauend können Netzbetreiber Szenarien simulieren. Die Software zeigt, wo künftig Engpässe entstehen könnten und welche Investitionen nötig wären.

Das ist für kleinere und mittelgroße Stadtwerke relevant. Viele von ihnen betreiben gleichzeitig Strom-, Gas- und Wärmenetze. Ressourcen für aufwendige Modellierungsprojekte haben sie meist nicht. Software kann diese Lücke schließen.

Wie das Unternehmen entstanden ist

Die Grundlagen von retoflow wurden am Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE sowie an der Universität Kassel entwickelt. Die drei Gründer Dr. Leon Thurner, Jannis Kupka und Simon Drauz-Mauel forschten dort mehrere Jahre lang zur Modellierung von Versorgungsnetzen.

Sie waren an der Entwicklung der Open-Source-Projekte pandapower und pandapipes beteiligt. Diese Werkzeuge werden zur Modellierung und Analyse von Energienetzen eingesetzt. retoflow überführte diese wissenschaftliche Basis in ein kommerzielles Softwareprodukt.

Kein klassischer Frühphasen-Deal

Die Finanzierung unterscheidet sich von vielen anderen Beteiligungsrunden im Technologiebereich. retoflow ist kein Unternehmen, das sein Geschäftsmodell erst noch beweisen muss. Das Unternehmen gibt an, über mehrere Geschäftsjahre profitabel gearbeitet zu haben. Aus Pilotprojekten sind langfristige Kundenbeziehungen entstanden. Dazu kommen steigende wiederkehrende Umsätze und erste internationale Kunden.

Das frische Kapital soll also nicht den Betrieb finanzieren. Es soll Wachstum beschleunigen, das bereits läuft.

Was das für Gründerinnen und Gründer bedeutet

retoflow zeigt, wie ein Weg aus der Forschung in ein tragfähiges Softwaregeschäft aussehen kann. Der Zeitraum war lang. Die Gründer verbrachten mehrere Jahre in der Wissenschaft, bevor sie ein Unternehmen aufbauten. Das ist kein Modell für alle. Wer nicht auf Forschungsinfrastruktur zurückgreifen kann, hat andere Startbedingungen.

Relevant ist die Struktur des Deals: Eine profitabel arbeitende Firma holt sich Kapital, um schneller zu wachsen. Sie gibt dabei Anteile ab, ohne vorher auf Investorengeld angewiesen gewesen zu sein. Das stärkt die Verhandlungsposition und schützt die Gründer vor ungünstigen Konditionen in frühen Finanzierungsrunden.

Für Stadtwerke und Netzbetreiber als Zielgruppe gilt: Der Markt für Netzplanungssoftware wird mit dem Umbau des Energiesystems nicht kleiner. Ob retoflow die richtige Lösung für einen bestimmten Versorger ist, hängt von dessen Datenlage und Anforderungen ab.

Fazit

retoflow bekommt Kapital zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen es streng genommen nicht dringend braucht. Das Investment der BMH ist ein Wachstumsschritt, kein Rettungsanker. Für andere Gründer gilt: Profitabilität schafft Optionen. Wer auf Investoren wartet, bis er sie unbedingt braucht, verhandelt schlechter.

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