Digitalimporte: Unternehmen könnten Ausfall im Schnitt 16 Monate verkraften
Ein Totalausfall digitaler Importe würde die deutsche Wirtschaft im Durchschnitt nach 16 Monaten an ihre Grenzen bringen.

Ein Totalausfall digitaler Importe würde die deutsche Wirtschaft im Durchschnitt nach 16 Monaten an ihre Grenzen bringen. Grundlage ist eine Umfrage, die der Digitalverband Bitkom unter 602 Firmen mit mindestens 20 Beschäftigten durchführen ließ; sie wurde im Vorfeld des Digital-Gipfels der Bundesregierung veröffentlicht. Der Verband veröffentlichte die Ergebnisse am 19. Oktober 2026. Im Vorjahr lag der Wert bei 14 Monaten, die Widerstandsfähigkeit hat sich also leicht verbessert.
Fast alle Firmen, nämlich 96 Prozent, greifen auf digitale Technologien oder Dienste aus dem Ausland zurück. Für 94 Prozent ist Deutschland entweder stark (44 Prozent) oder eher abhängig (50 Prozent). Zwei von drei Befragten, also 66 Prozent, rechnen damit, dass die Abhängigkeit in den nächsten fünf Jahren noch zunimmt. Von den Firmen mit Auslandsbezug sehen sich 94 Prozent selbst als abhängig, 49 Prozent rechnen mit weiter steigender eigener Abhängigkeit.
Was die Unternehmen importieren
Am häufigsten kommen digitale Endgeräte wie Smartphones und Notebooks aus dem Ausland (94 Prozent). Es folgen Bauteile wie Chips, Halbleiter oder Sensoren (79 Prozent), Cloud-Dienste (73 Prozent), Software (68 Prozent), Cybersicherheits-Anwendungen (62 Prozent) und Künstliche Intelligenz (56 Prozent). 45 Prozent nutzen IT-Beratung oder Programmierleistungen ausländischer Dienstleister.
Umgekehrt exportieren 33 Prozent der Unternehmen selbst digitale Technologien und Leistungen, am häufigsten Dienstleistungen (24 Prozent) und Software (18 Prozent). Jeweils 16 Prozent verkaufen Bauteile sowie Geräte und Maschinen. Von den Exporteuren liefern 86 Prozent in andere EU-Staaten, 61 Prozent in die USA, je 54 Prozent nach Japan und ins Vereinigte Königreich.
Abhängig von China und den USA
Unter den Importeuren greifen 83 Prozent auf Anbieter aus der EU zurück, 88 Prozent auf US-Anbieter und 80 Prozent auf chinesische. Mit 33 Prozent liegt Japan vorn, gefolgt vom Vereinigten Königreich mit 24 Prozent. Am stärksten fühlen sich die Firmen von China abhängig (88 Prozent, davon 61 Prozent sehr), bei den USA sind es 47 Prozent stark und 40 Prozent eher, bei Taiwan 23 Prozent stark und 26 Prozent eher.
79 Prozent machen sich Sorgen wegen der Abhängigkeit von China (2024: 69 Prozent). Bei den USA stieg der Anteil binnen zwei Jahren von 38 auf 73 Prozent.
Ein Ausfall träfe vor allem das Kerngeschäft: 93 Prozent erwarten Folgen für Produktion oder Leistungserbringung, 91 Prozent für Vertrieb und Verkauf, 87 Prozent für Logistik und Lieferketten. Einkauf (79 Prozent), Kundenservice (78 Prozent) und IT-Betrieb (69 Prozent) wären ebenfalls betroffen.
Wie Unternehmen vorsorgen
Um sich abzusichern, wenden sich 44 Prozent stärker Firmen aus Deutschland und Europa zu, 41 Prozent legen größere Bauteillager an und 40 Prozent planen einen möglichen Wechsel von Dienstleistern und Systemen. Außerdem bauen 32 Prozent eigenes Wissen auf, 31 Prozent verteilen ihre Bezugsquellen auf mehrere Zulieferer und 13 Prozent setzen auf offene Standards. Nur 3 Prozent haben nichts unternommen.
Bei der Auswahl ausländischer Partner zählen für 97 Prozent die finanziellen Konditionen, für 93 Prozent das technologische Know-how, für 89 Prozent die IT-Sicherheitsstandards, für 82 Prozent die Rechtssicherheit im Land des Partners und für 78 Prozent der Einfluss ausländischer Regierungen. Eine langfristige Geschäftsbeziehung berücksichtigen 50 Prozent.
73 Prozent gehen gezwungenermaßen Risiken wegen der Verlässlichkeit der Politik am Sitz ihrer Partner ein (2024: 53 Prozent). 59 Prozent sehen keine Möglichkeit, sich gegen Druck aus dem Ausland zu wehren (2024: 39 Prozent). 85 Prozent halten die globalen Wertschöpfungsketten für zu verflochten, 68 Prozent sehen keine Alternative zu bestehenden Abhängigkeiten.
Forderungen an die Politik
97 Prozent wollen mehr Investitionen in Schlüsseltechnologien und ebenso viele eine dringend gestärkte digitale Souveränität. 84 Prozent möchten, dass die EU ihre Handelsschutzinstrumente stärker nutzt. Bitkom nennt fünf Prioritäten: Wettbewerbsfähigkeit und Kapitalzugang (weniger Bürokratie, bessere Bedingungen für Venture Capital, Start-ups und Scale-ups), Investitionen in Halbleiter, KI, Cloud und Rechenzentren, mehr Cybersicherheit und offene Standards, diversifizierte Lieferketten sowie digitale Kompetenzen.
Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst erklärte: „Digitale Souveränität ist kein einzelnes Förderprogramm, sondern eine strategische Aufgabe für Deutschland und Europa.“ Es gehe nicht um Abschottung, sondern darum, einseitige Abhängigkeiten zu reduzieren.
Hintergrund
Zur Cloud hatte Bitkom im Juni 2026 den Cloud Report 2026 vorgestellt, für den 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten befragt wurden. Demnach sehen 85 Prozent die Bundesrepublik in zu starkem Maße von Cloud-Dienstleistern aus den USA abhängig; vor zwölf Monaten lag dieser Anteil bei 78 Prozent.
Dem Bericht zufolge nutzen 71 Prozent der Unternehmen Cloud-Angebote aus den Vereinigten Staaten, bevorzugen würden das aber nur 8 Prozent. Bei deutschen Anbietern nutzen 53 Prozent entsprechende Provider, 91 Prozent würden sie vorziehen. Anbieter aus der EU sind bei 45 Prozent im Einsatz, 68 Prozent würden sie bevorzugen.
Eigene Einschätzung
Für Gründerinnen und Gründer ist weniger der Durchschnittswert interessant als die Frage, wie austauschbar die eigenen Anbieter sind. Wer früh auf wechselbare Dienste und offene Standards achtet, spart sich später Ärger. Die Umfrage zeigt allerdings auch: Beim Einkauf entscheidet weiter vor allem der Preis. Offen bleibt, welche konkreten Hilfen junge Firmen dabei bekommen.
Grundlage: Pressemitteilung (Bitkom e. V., 19. Oktober 2026) – Original-Mitteilung (abgerufen am 19.10.2026)
Quellen für den Abschnitt „Hintergrund“:
- Bitkom: Presseinformation zum Cloud Report 2026 (abgerufen am 19.10.2026)
Bild: Symbolbild (Serverraum). Foto: SolarKennedy, Public domain, via Wikimedia Commons
Die Redaktion hat diesen Beitrag mit KI-Unterstützung auf Grundlage der genannten Mitteilung geschrieben. Zahlen, Namen und Zitate werden vor der Veröffentlichung mit der Mitteilung und den genannten Quellen abgeglichen, jede Angabe im „Hintergrund“ mit ihrer Fundstelle. Die „Eigene Einschätzung“ ist ein Kommentar der Redaktion.


