DSGVO als Vorteil: Was Forscher Gründern jetzt raten
Ein Forscherteam von Fraunhofer ISI und Universität Kassel widerspricht der verbreiteten These, Datenschutz hemme Innovation. Für kleine Unternehmen empfehlen sie gezielte Entlastungen statt pauschalen Regelabbau.

Datenschutz schadet der Wettbewerbsfähigkeit: Diese Annahme hält sich hartnäckig in Wirtschaft und Politik. Forscher des Fraunhofer-Instituts für System und Innovationsforschung (ISI) und der Universität Kassel widersprechen ihr nun mit einem gemeinsamen Papier. Ihre Botschaft: Die Europäische Datenschutz-Grundverordnung ist nicht das Hauptproblem für Innovation in Europa.
Was die Studie konkret sagt
Das Forscherteam hat untersucht, ob weniger Datenschutz tatsächlich mehr Innovation bedeutet. Das Ergebnis: Diese Gleichung geht nicht auf. Die Autoren sehen Datenschutz als möglichen Wettbewerbsvorteil, besonders in sensiblen Branchen wie Gesundheit, Finanzdienstleistungen und Verwaltung.
Veröffentlicht wurde das Papier über die Plattform Privatheit, ein Forschungsverbund, der sich mit Datenschutz und digitaler Gesellschaft befasst. Die Plattform empfiehlt unter anderem, dateneffiziente KI-Verfahren gezielt zu fördern und Reallabore auszubauen, um Rechtssicherheit in der Forschung zu verbessern.
Das Problem für kleine Unternehmen bleibt real
Die Forscher räumen ein: Start-ups und kleine Unternehmen leiden unter dem bürokratischen Aufwand der DSGVO. In vielen Fällen herrscht Rechtsunsicherheit. Wer nicht weiß, ob seine Datenverarbeitung compliant ist, zögert bei Produktentscheidungen oder investiert zu viel in externe Beratung.
Dieser Aufwand trifft kleine Unternehmen überproportional. Großunternehmen haben eigene Datenschutzabteilungen und können die Kosten besser verteilen. Für ein Team mit fünf Personen ist dasselbe Regelwerk eine deutlich größere Last.
Was die Forscher konkret fordern
Die Autoren schlagen keine pauschale Deregulierung vor. Stattdessen sollen Pflichten stärker am tatsächlichen Verarbeitungsrisiko ausgerichtet werden. Wer nur wenig sensible Daten verarbeitet, soll weniger Aufwand haben. Wer viel und riskant verarbeitet, soll stärker kontrolliert werden.
Die Forscher fordern außerdem, Hersteller von Standard-Software stärker in die Pflicht zu nehmen. Heute trägt oft das kleine Unternehmen die Verantwortung für eine Software, die es eingekauft hat und kaum beeinflussen kann. Das soll sich ändern.
Was das für datengetriebene Geschäftsmodelle bedeutet
Viele Gründer mit KI-Produkten oder datenbasierten Diensten glauben, sie bräuchten möglichst viele Daten. Die Forscher widersprechen auch diesem Punkt. Nicht die Menge der Daten sei ausschlaggebend, sondern ihre Qualität und Exklusivität. Wer die richtigen Daten hat, hat einen Vorteil. Wer möglichst viele sammelt, hat oft keinen.
Das hat praktische Konsequenzen. Ein Produkt, das mit weniger, aber gezielteren Daten arbeitet, ist leichter DSGVO-konform zu gestalten. Es reduziert das Haftungsrisiko und kann bei Kunden mit dem Argument Vertrauen punkten.
Fazit
Die Studie ändert nichts an der täglichen Realität kleiner Unternehmen: Die DSGVO bleibt aufwendig. Wer sie ignoriert, riskiert Bußgelder. Wer sie ernst nimmt, investiert Zeit und Geld.
Was die Studie zeigt: Wer Datenschutz als Qualitätsmerkmal begreift und kommuniziert, kann daraus einen Vorteil machen, besonders gegenüber Kunden in Branchen, in denen Vertrauen zählt. Wer seine Datenprozesse schlanker aufbaut, hat weniger Compliance-Aufwand und ein besseres Argument im Vertrieb.


