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29. September 2026 · Ausgabe 09/26 Immer aktuell
Personal & Team

Persönliche Krise als Chef: Wie viel darf das Team wissen?

Trennung, schwere Krankheit, ein Todesfall: Wer ein Unternehmen führt, muss auch in persönlichen Krisen funktionieren. Wie offen man dabei gegenüber dem Team sein sollte, hängt von der Situation ab, nicht von einer Regel.

Persönliche Krise als Chef: Wie viel darf das Team wissen?
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

Eine schwere persönliche Krise trifft Unternehmerinnen und Unternehmer nicht im Privaten allein. Sie schlägt durch ins Büro, in Entscheidungen, in die Kommunikation mit dem Team. Die Frage, wie viel man davon preisgibt, ist keine Frage der Stärke. Sie ist eine Frage der Führung.

Das Schweigen hat seinen Preis

Viele Gründerinnen und Gründer reagieren auf persönliche Krisen mit Rückzug. Man sagt nichts, zieht Gespräche durch, hofft, dass niemand etwas merkt. Businesscoach Tanja Eggers, die Menschen in beruflichen und privaten Krisen begleitet, beobachtet dieses Muster häufig. Besonders bei leistungsorientierten Unternehmerinnen und Unternehmern, die glauben, Schwäche dürfe nach außen nicht sichtbar werden.

Das Problem: Das Team merkt es trotzdem. Führungskräfte, die plötzlich abweisend wirken, Entscheidungen vertagen oder ungewohnt dünnhäutig reagieren, erzeugen Unsicherheit. Mitarbeitende beginnen zu spekulieren. Manche fürchten, das Unternehmen stecke in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Andere fragen sich, ob sie selbst etwas falsch gemacht haben. Schweigen schützt niemanden, es verunsichert.

Was passiert, wenn man gar nichts sagt

Sabrina Haas führte gemeinsam mit ihrem Mann mehrere Firmen. Als er schwer erkrankte, versuchten beide, dies vor dem Team geheim zu halten. Als ihr Mann 2021 unerwartet starb, brach sie den Kontakt zu ihren Mitarbeitenden abrupt ab. Das Schweigen, das schützen sollte, verwandelte sich in eine Mauer.

Dieser Fall zeigt, was Funkstille anrichten kann. Ein Team, das nicht versteht, was mit der Führungsperson los ist, kann nicht einspringen, nicht organisieren, nicht auffangen. Die Firma läuft weiter, aber ohne Orientierung.

Wie viel Offenheit ist richtig?

Einen Königsweg gibt es nicht. Wie viel man teilt, hängt von mehreren Faktoren ab.

Die Art der Krise

Nicht jede persönliche Belastung ist relevant für das Team. Eine Trennung betrifft in erster Linie die eigene Arbeitsfähigkeit. Ein Todesfall in der Familie kann bedeuten, dass man für Wochen eingeschränkt verfügbar ist. Je stärker die Krise die eigene Leistungsfähigkeit beeinflusst, desto wichtiger wird eine Ansage.

Teamgröße und -struktur

Wer drei Mitarbeitende hat, arbeitet täglich eng zusammen. Veränderungen im Verhalten fallen sofort auf. In diesem Setting ist Offenheit oft sinnvoller als in einem Unternehmen mit zwanzig Angestellten und mehreren Hierarchieebenen. Je kleiner das Team, desto schwieriger ist es, eine persönliche Krise dauerhaft zu verbergen.

Die eigene Persönlichkeit

Wer nie über private Dinge spricht, sollte in einer Krise keine Ausnahme erzwingen. Ein plötzliches, ungewohntes Bekenntnis kann das Team mehr verunsichern als informieren. Wer dagegen ohnehin offen kommuniziert, kann kurz und klar benennen, was los ist, ohne Details zu liefern.

Was man sagen kann, ohne alles zu sagen

Es gibt einen mittleren Weg zwischen vollständiger Offenbarung und totalem Schweigen. Man kann dem Team mitteilen, dass man gerade mit einer privaten Ausnahmesituation umgeht. Man kann sagen, dass man vorübergehend eingeschränkt erreichbar oder belastbar ist. Man kann klären, wer in dieser Zeit Entscheidungen trifft oder Ansprechpartner ist.

Das schützt das Team vor Spekulationen und stellt die Handlungsfähigkeit der Firma sicher. Es zeigt, dass die Führungsperson trotz der Krise noch strukturiert denkt.

Was man nicht braucht: emotionale Details, Erklärungen, Rechtfertigungen. Eine knappe Ansage reicht. "Ich bin gerade privat stark beansprucht. Für operative Fragen wendet ihr euch bitte an Person X." Das ist keine Schwäche. Das ist Führung.

Fazit

Persönliche Krisen treffen Unternehmerinnen und Unternehmer nicht selten, sie treffen sie regelmäßig. Wer ein Unternehmen führt, sollte sich vorab überlegen, wie er oder sie in einem solchen Fall kommuniziert. Nicht weil man Krisen plant, sondern weil man dann nicht improvisieren muss. Eine knappe, ehrliche Ansage an das Team verhindert Unsicherheit und hält die Firma handlungsfähig. Vollständige Offenbarung ist nicht nötig. Komplettes Schweigen ist selten hilfreich.

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