Zum Inhalt springen
06. August 2026 · Ausgabe 08/26 Immer aktuell
Gründen

Vom Konzern in die Selbstständigkeit: Was Ex-Manager unterschätzen

Viele entlassene Führungskräfte starten als Berater oder Interimmanager – und scheitern an Dingen, die mit Fachwissen nichts zu tun haben. Was wirklich zählt, wenn das Gehalt wegfällt.

Vom Konzern in die Selbstständigkeit: Was Ex-Manager unterschätzen
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

Ein guter Lebenslauf reicht nicht. Wer nach Jahren in einer Führungsposition plötzlich selbstständig arbeitet, stößt schnell auf ein Problem: Der Titel öffnet keine Türen mehr. Das Netzwerk schon. Doch selbst das wird oft überschätzt.

Der Irrtum mit dem Expertenstatus

Viele Ex-Manager gehen davon aus, dass ihre Erfahrung für sich spricht. Zwanzig Jahre Vertrieb, zehn Jahre Personalverantwortung, Budgets in Millionenhöhe: Das klingt nach einem starken Angebot. Ist es aber nur dann, wenn jemand genau dieses Problem gerade lösen muss.

Der Markt für Beratung und Interimmanagement ist eng. Interimmanager übernehmen befristete Führungsaufgaben, wenn ein Unternehmen schnell jemanden braucht, aber keine feste Stelle besetzen will. Berater werden für konkrete Projekte geholt. In beiden Fällen entscheidet nicht allein die Qualifikation, sondern Sichtbarkeit und Vermittlung.

Wer nach der Kündigung damit rechnet, innerhalb weniger Wochen erste Aufträge zu bekommen, plant zu knapp. Branchenkenner sprechen von sechs bis zwölf Monaten, bis ein stabiler Auftragsstrom entsteht. Diese Zeit kostet Geld.

Was die meisten nicht einkalkulieren

Fehlende Struktur kostet mehr als fehlende Kunden

Im Konzern gibt es IT, Buchhaltung, eine Rechtsabteilung. Als Selbstständiger bezahlt man das alles selbst oder erledigt es selbst. Steuerberater, Haftpflichtversicherung, Vertragsrecht: Das frisst Zeit und Budget, bevor der erste Auftrag kommt.

Hinzu kommt die soziale Absicherung. Wer aus einem Angestelltenverhältnis kommt, war krankenversichert, hatte Rentenansprüche, bekam Urlaubs- und Weihnachtsgeld. All das entfällt. Der Stundensatz muss das auffangen. Viele kalkulieren zu niedrig, weil sie die Auslastung überschätzen.

Netzwerk ist nicht gleich Auftrag

Ehemalige Kollegen freuen sich, wenn man sich meldet. Aufträge vergeben sie trotzdem selten. Einkaufsentscheidungen für externe Beratung laufen über Prozesse, nicht über Sympathie. Wer das nicht versteht, verliert Monate mit unverbindlichen Kaffeeterminen.

Philipp Schröder, früherer Tesla-Chef für Deutschland, hat öffentlich über die Schwierigkeiten gesprochen, die nach dem Abgang aus einem großen Unternehmen folgen. Er beschrieb, wie sehr das Umfeld im Konzern die eigene Wahrnehmung prägt. Was danach kommt, sieht anders aus.

Die unterschätzte Rolle der Positionierung

Selbstständige Berater konkurrieren nicht nur mit anderen Ex-Managern. Sie konkurrieren mit spezialisierten Agenturen, Unternehmensberatungen und Plattformen, die Interim-Profile bündeln. Wer als Generalist auftritt, verliert diesen Wettbewerb meistens.

Eine klare Positionierung heißt: ein konkretes Problem, eine definierte Zielgruppe, ein nachvollziehbares Angebot. Nicht: "Ich berate Unternehmen in allen Fragen der Unternehmensführung." Das klingt nach allem und überzeugt niemanden.

Wer aus dem Konzern kommt, hat oft sehr breite Erfahrung. Das ist ein Vorteil im Angestelltenverhältnis. In der Selbstständigkeit kann es ein Nachteil sein, weil Kunden lieber jemanden buchen, der ihr spezifisches Problem schon viele Male gelöst hat.

Was das für Gründer bedeutet

Gründerinnen und Gründer begegnen Ex-Managern auf zwei Wegen: als potenzielle Berater oder Interimmanager für das eigene Unternehmen, oder als künftige Wettbewerber im Beratungsmarkt, falls der eigene Weg irgendwann in diese Richtung führt.

Wer einen erfahrenen Interimmanager sucht, sollte konkret fragen: Welche Branche, welche Unternehmensgröße, welches Problem? Jemand, der zwanzig Jahre in Dax-Konzernen gearbeitet hat, kennt Strukturen, die in einem Unternehmen mit zehn Mitarbeitern nicht existieren. Das kann passen. Muss es aber nicht.

Wer selbst den Schritt in die Selbstständigkeit plant, sollte vor dem Start klären: wie lange die eigene Liquidität reicht, welche konkrete Leistung verkauft werden soll und wer dafür tatsächlich zahlt.

Fazit

Der Weg vom Manager zum Selbstständigen ist möglich, aber er folgt anderen Regeln. Fachwissen ist die Eintrittskarte, kein Erfolgsgarant. Wer ohne Vertriebserfahrung, ohne Puffer und ohne klares Angebot startet, verlängert den Weg zum ersten Auftrag erheblich. Das gilt für Ex-Manager genauso wie für alle anderen, die sich selbstständig machen.

Ähnliche Beiträge