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05. September 2026 · Ausgabe 09/26 Immer aktuell
Gründen

Vom Azubi zum Plattform-Chef: Wie Cargoboard den Palettenmarkt aufmischt

Lukas Petrasch hat als Speditionslehrling erkannt, wie analog sein Berufsfeld tickt. Mit Cargoboard baut er seitdem eine digitale Buchungsplattform für Stückguttransporte, die große Spediteure unter Druck setzt.

Vom Azubi zum Plattform-Chef: Wie Cargoboard den Palettenmarkt aufmischt
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

Lukas Petrasch hat keine Hochschulkarriere vorzuweisen. Er hat eine Ausbildung zum Speditionskaufmann gemacht und dabei genau hingeschaut. Was er sah: intransparente Preise, stundenlanges Telefonieren für einzelne Buchungen, keine digitale Sendungsverfolgung. Sein Schluss daraus war ein Unternehmen. Cargoboard heißt es, sitzt in Paderborn und vermittelt heute europaweit Stückguttransporte, also Fracht auf Paletten, die allein keinen Lkw füllen würde.

Eine Branche, die auf Papier und Telefon setzt

Speditionen gelten in der Branche als sogenanntes People-Business. Persönliche Beziehungen, eingespielte Routinen, gewachsene Strukturen: Das ist der Alltag vieler Frachtführer. Digitale Buchungsmasken? Automatische Preisvergleiche? Für viele Unternehmen in diesem Sektor lange kein Thema.

Der Grund ist nicht nur technischer Natur. Wer über Jahre hinweg undurchsichtige Preise angeboten hat, hat kein Interesse daran, dass Kunden plötzlich vergleichen können. Preistransparenz kostet Marge. Das ist einer der strukturellen Widerstände, gegen den Petrasch von Anfang an arbeitete.

Die Idee: Logistik buchen wie einen Flug

Das Ziel von Petrasch war klar: Eine Palette buchen soll so einfach sein wie ein Flugticket kaufen. Eingabe der Eckdaten, Preisvergleich, Buchung, fertig. Keine E-Mails hin und her, kein Telefonieren mit dem Disponenten.

Dafür entwickelte Petrasch abends, nach seinem regulären Arbeitstag im Speditionsverkauf, die Software selbst. Die Plattform greift auf die Systeme verschiedener Speditionen zu und bucht Touren in bis zu 98 Prozent der Fälle vollautomatisch. Ein KI-System prüft jeden Auftrag auf Plausibilität und erkennt etwa, ob Gefahrgutvorschriften greifen, zum Beispiel beim Transport von Lithium-Ionen-Batterien.

Rückendeckung aus dem Mittelstand

Petrasch hatte früh einen Vorteil: Sein Ausbildungsbetrieb, das Paderborner Familienunternehmen Hartmann International, unterstützte die Gründung von Anfang an. Hartmann International gehört zum Speditionsverbund Cargoline, der heute Hauptgesellschafter von Cargoboard ist.

Dieser Zugang zum bestehenden Speditionsnetzwerk war ein struktureller Vorteil gegenüber Wettbewerbern, die mit Risikokapital finanziert wurden, aber kein eigenes Netz hatten. Cargoboard tritt selbst als Spedition auf, schließt Verträge mit Kunden und vergibt Aufträge an die angeschlossenen Mitgliedsspediteure. Das ermöglicht ein einheitliches Qualitätsmanagement.

Wachstum mit System: 30 Prozent pro Jahr

Cargoboard wächst nach eigenen Angaben mit rund 30 Prozent pro Jahr. Der Umsatz nähert sich der Marke von 100 Millionen Euro. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als größte europäische Plattform für Stückguttransporte.

Ein Teil des Wachstums kommt aus dem China-Geschäft. Chinesische Hersteller, etwa von Klimaanlagen, Photovoltaikanlagen oder Batteriespeichern für Campingfahrzeuge, liefern Ware in europäische Großlager. Cargoboard organisiert die Weiterlieferung an die Endkunden.

Asset-Light mit Einschränkungen

Gegründet wurde Cargoboard als sogenanntes Asset-Light-Unternehmen: möglichst wenig eigenes Anlagevermögen, dafür Zugriff auf das Netz der Mitgliedsspeditionen. Inzwischen hält das Unternehmen aber auch eigene Lkw bereit. Sie springen ein, wenn ein dringendes Transportanliegen im Netzwerk nicht bedient werden kann.

Dieser Schritt zeigt: Rein plattformbasierte Modelle stoßen in der Logistik an operative Grenzen. Irgendwann muss jemand tatsächlich fahren.

Was das für Gründer bedeutet

Der Fall Cargoboard illustriert ein Muster, das in analoggeprägten Branchen immer wieder funktioniert: Wer die Branche kennt, sieht die Ineffizienzen. Wer sie dann digitalisiert, hat einen Vorsprung vor branchenfremden Investoren, die das Geschäft erst lernen müssen.

Petrasch hatte kein Risikokapital, aber Branchenzugang, technisches Können und einen Gesellschafter mit bestehendem Netzwerk. Das war mehr wert als eine hohe Anfangsfinanzierung ohne operative Basis.

Wer ein ähnliches Vorhaben plant, sollte prüfen: Gibt es in der Zielbranche Marktteilnehmer, die selbst ein Interesse an der Digitalisierung haben und dafür gewonnen werden können? Solche Partner ersetzen kein Geschäftsmodell, können aber den Marktstart deutlich beschleunigen.

Fazit

Cargoboard ist kein Startup aus dem Silicon-Valley-Lehrbuch. Es ist ein Unternehmen, das aus gründlicher Branchenkenntnis heraus entstand, mit einem starken Netzwerkpartner im Rücken und ohne externe Finanzierungsrunden. Das Ergebnis ist ein profitables Wachstumsunternehmen in einem Markt, den andere für zu träge gehalten haben.

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