Flink-Gründer Merkel startet neu: KI soll Cloud-Kosten senken
Oliver Merkel hat Flink zum Milliarden-Unternehmen aufgebaut und dabei Hyperwachstum mit seinen Folgen erlebt. Jetzt gründet er in Berlin erneut, diesmal mit einem KI-Agenten für Cloud-Infrastruktur.

Oliver Merkel hat Flink, den Berliner Lieferdienst für Lebensmittel, zu einem Unternehmen mit Milliardenbewertung aufgebaut. Jetzt gründet er ein zweites Mal. Mit dem Startup Blocks und einem KI-Agenten namens Major Tom will er Startups und Scaleups helfen, ihre Cloud-Kosten zu senken. Das Ziel: AWS-Ausgaben messbar reduzieren. Gemeinsam mit Seriengründer Andreas Schroeter hat Merkel Blocks in Berlin aufgebaut und nach eigenen Angaben bereits sechs Millionen Dollar eingesammelt.
Von der Beratung zur eigenen Firma
Merkel war vor seiner Gründerzeit Partner bei den Unternehmensberatungen BCG und Bain. Die Stationen haben ihn geprägt, aber auch frustriert. Als Berater empfiehlt man etwas und wird dann manchmal überstimmt. Das Risiko trägt jemand anderes. Bei der eigenen Firma trägt man es selbst.
Den ersten Schritt ins Unternehmertum machte Merkel während eines sogenannten Garden Leave, also einer bezahlten Freistellung zwischen zwei Jobs. In dieser Zeit half er, den Parfümversender Flaconi aufzubauen. Das Unternehmen wurde später an ProSieben verkauft. Dieser erste Erfolg war der Auslöser für alles Weitere.
Flink: Kapitaleffizienter als die Konkurrenz
Als Merkel nach einem Auslandsaufenthalt in Südafrika nach Deutschland zurückkehrte, sah er eine Lücke im Markt. Quick-Commerce, also die Lieferung von Lebensmitteln in zehn Minuten, war bereits von anderen besetzt. Die Wettbewerber hatten Milliardensummen eingesammelt. Merkel startete trotzdem.
Flink sammelte mehrere Hundert Millionen Euro ein, deutlich weniger als die Konkurrenz. Das zwang das Team zu disziplinierterem Wirtschaften. Der Weg war nach Merkels eigener Beschreibung schmerzhaft. Heute ist Flink nach Unternehmensangaben cashflow-positiv, profitabel und wächst weiter.
Was Hyperwachstum kostet
Wer in kurzer Zeit sehr schnell skaliert, macht Fehler. Das ist keine Frage des Talents, sondern der Geschwindigkeit. Merkel beschreibt es offen: Auf einem solchen Weg passiere auch viel Unsinn. Die Kundenerwartungen veränderten sich schneller als geplant. Beim ersten Mal war die Zehn-Minuten-Lieferung ein Erlebnis. Beim dritten Mal war sie Standard. Wer dann dreißig Sekunden zu spät lieferte, hatte ein Problem.
Das beschreibt ein strukturelles Problem schnell wachsender Konsumentengeschäfte: Die Messlatte steigt mit dem Angebot. Wer das nicht einplant, baut Erwartungen auf, die er nicht dauerhaft erfüllen kann.
Blocks: Das neue Problem ist Cloud-Infrastruktur
Mit Blocks adressiert Merkel ein anderes Thema. Viele Startups und wachsende Unternehmen verlieren bei ihren Cloud-Kosten die Kontrolle. AWS-Rechnungen wachsen schnell, wenn niemand die Infrastruktur aktiv überwacht und optimiert. Genau das soll Major Tom übernehmen, der KI-Agent von Blocks.
Das Produkt überwacht, verwaltet und optimiert die Cloud-Infrastruktur von Kunden. Konkrete Einsparungen nennt das Unternehmen, belastbare externe Zahlen liegen noch nicht vor. Blocks befindet sich in einem frühen Stadium.
Was das für kleine Unternehmen bedeutet
Für Gründerinnen und Gründer mit weniger als zwanzig Mitarbeitern sind Cloud-Kosten ein reales Thema. Wer auf AWS, Google Cloud oder Azure aufbaut, merkt spätestens beim Skalieren, dass die Rechnung schnell unübersichtlich wird. Tools zur Kostenkontrolle gibt es bereits auf dem Markt. Ob und wie Blocks sich davon abhebt, muss das Produkt erst noch beweisen.
Die Frühfinanzierung von sechs Millionen Dollar gibt dem Team Zeit, das zu zeigen. Wer Cloud-Infrastruktur betreibt und Kosten reduzieren will, sollte das Angebot im Blick behalten, aber keine Entscheidung treffen, bevor externe Erfahrungsberichte vorliegen.
Fazit
Oliver Merkel ist kein unbekannter Name in der deutschen Startup-Szene. Er hat bewiesen, dass er ein Unternehmen unter Druck aufbauen und profitabel machen kann. Mit Blocks wechselt er vom Konsumentengeschäft in den B2B-Bereich. Das ist ein anderes Spielfeld mit anderen Verkaufszyklen und anderen Entscheidungswegen. Erfahrungen aus Flink wie Kapitaleffizienz, Krisenmanagement und schnelle Entscheidungen lassen sich übertragen. Ob das Produkt hält, was das Versprechen ankündigt, zeigt sich in den nächsten Monaten.


