Deal bei DHDL, dann Pivot: Poppy's wechselt vom Eis zum Pulver
Alena Leeb holte sich bei 'Die Höhle der Löwen' 40.000 Euro für 40 Prozent ihres Eis-Startups Poppy's. Danach änderte sie das Produkt grundlegend und verkauft heute Fruchtpulver statt Tiefkühleis.

Alena Leeb betrat die Bühne von "Die Höhle der Löwen" im Orangenkostüm mit einer klaren Botschaft: kein Industriezucker, gesundes Eis für Kinder. Sie sicherte sich einen Deal. Doch das Unternehmen, das danach entstand, sieht anders aus als das, das sie gepitcht hatte.
Der Pitch: 40.000 Euro, 40 Prozent, viel Emotion
Leeb forderte 40.000 Euro und bot dafür 40 Prozent ihrer Firmenanteile an. Ihr Produkt: ein Fruchteis ohne Industriezucker, glutenfrei, laktosefrei und vegan, mit rund 60 Kalorien pro Stück. Die Österreicherin hatte das Unternehmen aus eigenen Ersparnissen von 10.000 Euro aufgebaut. Ein Gehalt zahlte sie sich nicht aus.
Innerhalb von vier Monaten hatte sie nach eigenen Angaben 10.000 Stück verkauft. Vertrieben wurde das Eis in Schwimmbädern, Supermärkten, Freizeiteinrichtungen und Familienhotels. Produziert wurde es in einer Industrieküche, an Wochenenden, von Leeb selbst.
Der Pitch verlief nicht reibungslos. Ralf Dümmel vermisste Süße. Carsten Maschmeyer vermisste Zucker und Fett. Frank Thelen sah Entwicklungsbedarf bei Marke und Kommunikation. Mehrere Löwen stiegen aus, unter anderem wegen der Herausforderungen im Tiefkühlsegment. Dümmel und Thelen hatten nach eigenen Worten bereits negative Erfahrungen mit Tiefkühlprodukten gemacht.
Am Ende machten Johannes Kliesch und Carsten Maschmeyer gemeinsam ein Angebot. Leeb nahm an. Der Deal stand: 40.000 Euro für 40 Prozent.
Nach dem TV-Auftritt: Das Produkt ändert sich
Was nach dem Pitch wie ein klarer Weg aussah, entwickelte sich anders. Laut Recherchen folgte nach dem DHDL-Auftritt ein Pivot. Aus dem Tiefkühleis wurde Fruchtpulver. Das neue Produkt braucht keine Kühlung und lässt sich einfacher lagern und transportieren.
Das ist keine Kleinigkeit. Es bedeutet: anderes Produktionsverfahren, andere Logistik, andere Zielgruppe im Handel und eine andere Positionierung. Der Kern der Marke, gesunde Zutaten ohne Industriezucker, blieb erhalten. Das Geschäftsmodell drum herum wurde neu aufgebaut.
Was Gründer daraus lernen können
Tiefkühlprodukte sind operativ anspruchsvoll
Mehrere erfahrene Investoren nannten das Tiefkühlsegment ausdrücklich als Ausschlussgrund. Kühlkette, Listungskosten im Handel, begrenzte Lagerkapazitäten bei Händlern: Der Vertrieb von Tiefkühlprodukten bindet Kapital und erfordert Logistik-Infrastruktur. Wer ein Lebensmittelprodukt entwickelt, sollte diese Frage früh klären.
Ein TV-Deal ist kein Abschluss, sondern ein Anfang
Ein DHDL-Deal bringt Aufmerksamkeit und Kapital. Er bedeutet nicht, dass das Geschäftsmodell fertig ist. Im Fall von Poppy's zeigte sich: Der Weg vom Pitch-Produkt zum marktfähigen Produkt kann eine grundlegende Produktänderung umfassen. Das ist keine Niederlage, sondern operative Realität.
Geringe Eigenkapitalbasis erhöht den Druck
Leeb beschrieb ihre finanzielle Situation vor dem Pitch als kritisch. Wer mit 10.000 Euro Eigenkapital und ohne Gehalt ein Lebensmittelstartup aufbaut, hat keinen Puffer für längere Testphasen. Das zwingt zu schnellen Entscheidungen. Ein Pivot ist dann teuer, weil er Zeit kostet, die das Kapital nicht abdeckt.
Fazit
Alena Leeb hat bei "Die Höhle der Löwen" bekommen, was sie wollte: Kapital und Partner. Dass sie danach das Kernprodukt verändert hat, zeigt, wie sich Startups in der Praxis entwickeln. Für Gründerinnen und Gründer im Lebensmittelbereich ist der Fall ein sachlicher Hinweis: Ein überzeugender Pitch ersetzt keine Marktfähigkeit. Und ein Deal macht das Produkt nicht fertig.


