KI befragt Mitarbeitende: Was Sona8 anders macht
Ein Münchner Startup lässt KI-gestützte Voice Agents Mitarbeitende befragen, um blinde Flecken in Unternehmen sichtbar zu machen. Der Ansatz kommt aus der Beratungspraxis und richtet sich an Teams, die Veränderungsprozesse schneller umsetzen wollen.

Neue Prozesse scheitern häufig nicht am Konzept, sondern an der Umsetzung. Die Teams arbeiten weiter mit alten Listen. Niemand fragt nach dem Grund. Anton Hantel und Thilo Tamme kennen dieses Problem aus ihrer Zeit in der Unternehmensberatung. Sie haben selbst Mitarbeitende interviewt und Empfehlungen formuliert. Dabei blieb eine Frage offen: Was hätten jene erzählt, die nie auf der Interviewliste standen?
Ihr Startup Sona8, inzwischen Teil des Y-Combinator-Batches 2026, will genau das ändern. Das Unternehmen hat seinen operativen Standort in San Francisco, die ersten Kunden und Kontakte stammen aus Deutschland.
Wie das Produkt funktioniert
Mitarbeitende erhalten einen Link. Dahinter wartet kein Formular, sondern ein Voice Agent. Sie sprechen über ihren Arbeitsalltag, beschreiben Abläufe in eigenen Worten. Erzählt jemand von einem Workaround, hakt der Agent nach: Welche Information fehlt? Wer muss einspringen? Warum bleibt ein Schritt manuell?
Aus den Gesprächen erstellt Sona8 sogenannte Process Maps und eine priorisierte Übersicht der Problempunkte nach Team und Standort. Die Plattform bleibt auch nach dem ersten Rollout aktiv. Der Agent kann erneut nachfragen, was sich verändert hat. So erkennen Projektverantwortliche, wenn eine Maßnahme das Problem nur in eine andere Abteilung verschiebt.
Was technisch dahintersteckt
Jakob Schepers hat als Founding Engineer die Plattform gebaut. Er studiert an der Technischen Universität München, hat seinen Bachelor als Jahrgangsbester abgeschlossen und bringt Erfahrung aus der Group IT von Volkswagen mit. Gemeinsam mit CTO Madeleine Malmsten verantwortet er die Architektur bis zum Deployment.
Das zentrale technische Problem: Wenn viele Interviews zusammengefasst werden, gehen Details verloren. Was an einem Standort einen Ablauf blockiert, taucht in einer Häufigkeitsübersicht kaum auf. Schepers hat die Analyse so gebaut, dass solche Hinweise durch jede Auswertungsstufe erhalten bleiben. Nicht die Häufigkeit entscheidet, was die Führungsebene sieht, sondern die Relevanz für die konkrete Fragestellung.
Malmsten war zuvor AI Engineer bei QuantumBlack, der KI-Einheit von McKinsey, und bringt Erfahrung aus der Softwareentwicklung für große Unternehmen mit. CPO Thilo Tamme hat an der TUM studiert, war bei BCG X tätig und forschte dort zu Conversational AI.
Für wen das relevant ist
Sona8 richtet sich derzeit an Transformation- und Strategy-Teams, Unternehmensberatungen sowie Private-Equity-Firmen. Wer selbst in einem solchen Umfeld berät oder beauftragt wird, sollte das Modell kennen.
Für kleinere Unternehmen stellt sich eine verwandte Frage: Was wissen sie selbst über ihre eigenen Abläufe? Eine Erhebung zeigt, dass mehr als die Hälfte der Betriebe noch nie überprüft hat, was KI-Systeme über das eigene Unternehmen ausgeben. Nur 8 Prozent tun das systematisch. Internes Wissen ist dabei ein anderes Problem als externe Darstellung, aber beiden gemeinsam ist, dass niemand fragt.
Datenschutz als Produktentscheidung
Die Teilnahme an den Voice-Agent-Gesprächen ist freiwillig. Das Team behandelt Datenschutz, Mitbestimmung und Sicherheit nicht als nachgelagerte Compliance, sondern als Teil des Produkts. Mitarbeitende müssen verstehen, wer ihre Aussagen sehen kann und wofür sie genutzt werden. Ein KI-System garantiert keine Offenheit. Diese Einschränkung benennt das Team selbst.
Fazit
Sona8 greift ein konkretes Problem aus der Beratungspraxis auf: Interviews als Erkenntnisquelle skalieren, ohne dass Kontext verloren geht. Das Team kommt aus der Praxis. Ob das Produkt hält, was es verspricht, zeigt sich in der Breitenanwendung. Für Gründerinnen und Gründer mit kleinen Teams ist das Modell vorerst kein direktes Werkzeug. Die dahinterliegende Frage aber schon: Wer in Ihrem Betrieb weiß, was nicht funktioniert, und wer sagt es Ihnen nie?


