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18. September 2026 · Ausgabe 09/26 Immer aktuell
Wachstum

afreshed übernimmt Motatos-Strukturen mit neuer Marke Retterbox

Die österreichische afreshed Group startet seit dem 1. September 2026 mit Retterbox einen neuen Onlineshop für gerettete Lebensmittel in Deutschland und Österreich. Das Unternehmen übernimmt dabei Lieferantennetzwerk und Führungspersonal des abgezogenen Motatos.

afreshed übernimmt Motatos-Strukturen mit neuer Marke Retterbox
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

Motatos ist weg. Die Lücke füllt jetzt ein anderes Unternehmen. Die österreichische afreshed Group betreibt seit dem 1. September 2026 unter der Marke Retterbox einen neuen Onlineshop für überschüssige Lebensmittel. Beliefert werden Deutschland und Österreich. Grundlage ist eine Übergangs- und Kooperationsvereinbarung mit Motatos.

Was hinter dem Start steckt

Motatos hatte seinen deutschen Onlineshop im Mai 2026 geschlossen. Das schwedische Unternehmen war 2014 in Stockholm als Matsmart gegründet worden. Nach eigenen Angaben hatte es bis dahin rund 40.000 Tonnen Lebensmittel vor der Entsorgung bewahrt. Dann kam der Rückzug aus dem deutschsprachigen Markt.

afreshed hat diesen Moment genutzt. Die Gruppe ist bislang vor allem durch gerettetes Obst und Gemüse bekannt, unter den Marken afreshed und etepetete. Retterbox ist nun die dritte Marke. Sie konzentriert sich auf haltbare Markenlebensmittel: Überproduktionen, falsch etikettierte Ware, Produkte kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum.

Kein Neustart von null

Für afreshed entfällt der Aufbau von Grund auf. Drei frühere Führungskräfte des Motatos-DACH-Geschäfts wechseln direkt zu Retterbox. Ben Hulme wird Managing Director, Ina Schahin übernimmt als Commercial Director, Jens Pöhnisch wird Buying Director. Alle drei hatten zuvor das Motatos-Geschäft in Deutschland und Österreich verantwortet.

Damit kommen bestehende Kontakte zur Lebensmittelindustrie, bekannte Abläufe und ein bereits aufgebautes Lieferantennetzwerk mit. Mehrere Lieferanten hatten laut Unternehmensangaben noch vor dem offiziellen Start Waren zugesagt. Die bisherigen Motatos-Webseiten in Deutschland und Österreich leiten seit dem Start auf Retterbox weiter.

Was mit den Kunden passiert

Eine direkte Übertragung von Kundendaten findet nicht statt. Wer bisher bei Motatos bestellt hat, muss sich bei Retterbox neu registrieren. Beide Unternehmen begleiten den Übergang mit einer gemeinsamen Kundenkampagne.

Das Angebot zum Start

Retterbox startet mit rund 500 Produkten in acht Kategorien. Dazu gehören Vorratsprodukte, Süßwaren, Snacks, Saucen und Gewürze. Im Startsortiment sind unter anderem überschüssige Schokolade eines Schweizer Premium-Herstellers sowie 1.000 Packungen Kaffee der Marke Angelique's Finest, die kurz vor Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums übernommen wurden.

Zu jedem Artikel soll transparent kommuniziert werden, weshalb er gerettet wurde und wie lange er noch haltbar ist. Bestellt werden kann über den Onlineshop und eine App. Der Mindestbestellwert liegt bei 20 Euro, ab 45 Euro ist der Versand kostenfrei. Kommissionierung und Logistik laufen über das Zentrallager der afreshed Group.

Bewusst klein anfangen

Managing Director Ben Hulme hat die Strategie klar formuliert: erst wachsen, wenn die Abläufe tragen. Das ist keine Bescheidenheitsgeste. Es ist eine direkte Reaktion auf das, was bei Motatos schiefgelaufen sein dürfte. Wer zu früh zu schnell skaliert, verliert die Kontrolle über Qualität und Marge.

Was das für Gründer bedeutet

Das Retterbox-Modell zeigt, wie eine Marktlücke strukturiert gefüllt werden kann. afreshed hat nicht versucht, alles selbst aufzubauen, sondern gezielt Personal, Netzwerk und Infrastruktur eines ausscheidenden Wettbewerbers übernommen. Das spart Zeit und reduziert das Anlaufrisiko erheblich.

Für Gründer, die in einem Markt aktiv sind, aus dem sich ein größerer Spieler zurückzieht, lohnt sich die Frage: Was lässt der Abziehende zurück? Welche Lieferanten, welche Kunden, welches Personal sucht gerade eine neue Heimat? Kooperationsvereinbarungen wie die zwischen afreshed und Motatos sind kein Selbstläufer, aber sie können einen Markteinstieg erheblich beschleunigen.

Fazit

afreshed hat mit Retterbox ein aufgegebenes Marktsegment strukturiert übernommen. Personal, Lieferanten und digitale Infrastruktur wurden gezielt gesichert. Ob das Modell trägt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Der Start ist kein Experiment ohne Grundlage, sondern ein kalkulierter Schritt auf bekanntem Terrain.

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