Pinterest macht Bildsuche zur Werbefläche: Was Advertiser jetzt wissen müssen
Pinterest führt Visual Search Ads ein und platziert Anzeigen direkt in der visuellen Suche. Für kleine Unternehmen mit Produkten in Bereichen wie Wohnen, Mode oder Lifestyle entsteht damit ein neues Format mit kommerziellem Potenzial.

Pinterest schaltet Werbung künftig dort, wo Nutzer Produkte entdecken und vergleichen: in der visuellen Suche. Das neue Format heißt Visual Search Ads und erscheint in Suchergebnissen sowie in Pin-Detailansichten. Die Plattform verzeichnet nach eigenen Angaben monatlich mehr als 80 Milliarden Suchanfragen, der Großteil davon visueller Natur. Mehr als die Hälfte dieser Suchen hat laut Pinterest kommerziellen Bezug.
Was Visual Search Ads konkret bedeuten
Das neue Format richtet sich an einen spezifischen Moment im Kaufprozess. Nutzer haben eine ungefähre Vorstellung davon, was sie suchen, aber noch kein konkretes Produkt oder keine Marke gewählt. Laut Pinterest enthalten 96 Prozent der meistgenutzten Suchbegriffe auf der Plattform keinen Markennamen. In dieser Phase sollen Visual Search Ads Werbetreibenden Sichtbarkeit verschaffen.
Die Ausspielung kombiniert Suchbegriffe mit Bildmerkmalen und Signalen zur Kaufabsicht. Pinterest nennt das intern Pinterest Intelligence. Das System erkennt Stile, Produkte und Interessen in Bildern und im Suchverhalten und leitet daraus ab, welche Anzeige gerade passt.
Visual Search Ads starten zunächst als Beta für ausgewählte Werbetreibende in allen Pinterest-Werbemärkten. Wann die Funktion breit verfügbar wird, hat Pinterest nicht kommuniziert. Interessierte Unternehmen können sich über das Pinterest-Werbekonto für den Beta-Zugang bewerben.
Neue Funktionen für Performance+ und Tests
Priority Products
Pinterest erweitert seine Performance-Suite. Mit der Funktion Priority Products können Werbetreibende bestimmte Produkte innerhalb automatisierter Kampagnen stärker gewichten. Das ist relevant, wenn ein Produktlaunch, eine Rabattaktion oder eine saisonale Kategorie im Vordergrund steht. Die Automatisierung bleibt erhalten, aber Unternehmen behalten mehr Steuerung darüber, was beworben wird.
Self-Service-A/B-Tests
Neu sind A/B-Tests im Selbstbedienungsmodus. Werbetreibende können verschiedene Werbemittel, Zielgruppen und Kampagnenstrategien gegeneinander testen. Nach Abschluss des Tests lässt sich die bessere Variante direkt weiterschalten. Einen konkreten Starttermin hat Pinterest für diese Funktion nicht genannt.
App Promotion: Eigenes Kampagnenziel für App-Installationen
Unternehmen, die eine App vermarkten, bekommen mit App Promotion ein eigenes Kampagnenziel. Bisher mussten Werbetreibende andere Kampagnentypen für App-Downloads nutzen. Pinterest nennt aus einem Alpha-Test mit einem einzelnen US-Unternehmen Kosten pro Installation, die bis zu 85 Prozent niedriger lagen als zuvor. Dieser Wert stammt jedoch aus einem einzelnen Test und ist nicht auf andere Fälle übertragbar. App Promotion befindet sich weltweit in einer Beta mit ausgewählten Werbetreibenden.
Restyle: KI zur Einrichtungsvisualisierung
Abseits der Werbefunktionen führt Pinterest das KI-Tool Restyle ein. Nutzer können ein Foto ihres Raumes hochladen und verschiedene Einrichtungsstile oder Möbel virtuell ausprobieren. Das Tool soll den Schritt von der Inspiration zum konkreten Kaufinteresse verkürzen. Für Unternehmen in der Einrichtungsbranche kann das relevant sein, da Produkte früher im Entscheidungsprozess sichtbar werden. Restyle startet zunächst als Beta in den USA und Kanada.
Was das für kleine Unternehmen bedeutet
Pinterest ist keine Plattform für jedes Geschäftsmodell. Visual Search Ads sind für Unternehmen mit visuell ansprechenden Produkten in den Bereichen Wohnen, Mode, Beauty, Lebensmittel oder Lifestyle relevant. Wer dort bereits aktiv wirbt, sollte den Beta-Zugang für Visual Search Ads prüfen.
Die neuen Self-Service-A/B-Tests sind ein Werkzeug, das bisher oft fehlte. Wer regelmäßig auf Pinterest wirbt, kann damit Budgets effizienter einsetzen, ohne externe Tools nutzen zu müssen.
Für Unternehmen mit sehr kleinem Budget bleibt Pinterest ein Kanal mit Einschränkungen. Die Mindestbudgets für Pinterest-Kampagnen sind nicht zu vernachlässigen, und der Aufbau einer organischen Reichweite braucht Zeit. Wer Pinterest noch nicht nutzt, sollte den Kanal nur dann ernsthaft in Betracht ziehen, wenn die eigenen Produkte visuell überzeugend sind und die Zielgruppe dort tatsächlich aktiv ist.
Fazit
Pinterest schließt mit Visual Search Ads eine Lücke zwischen Inspiration und Kaufentscheidung. Das Format kommt zu einem Zeitpunkt, an dem klassische Keyword-Werbung allein nicht mehr ausreicht, um Nutzer früh im Entscheidungsprozess zu erreichen. Für Unternehmen mit passenden Produktkategorien lohnt es sich, den Beta-Zugang zu beantragen und die Funktion zu testen. Die neuen Performance-Werkzeuge machen die Plattform dabei etwas kontrollierbarer als bisher.


