Hochspannung statt Chemie: NRW-Startup holt Seed-Kapital
Das Geilenkirchener Startup ag-tech.systems hat eine Seed-Finanzierung mit Beteiligung der NRW.BANK abgeschlossen. Das Geld soll die Markteinführung einer Unkrautbekämpfung per Hochspannungstechnik und den Einstieg in internationale Märkte finanzieren.

ag-tech.systems aus Geilenkirchen hat seine Seed-Finanzierungsrunde abgeschlossen. Die NRW.BANK beteiligt sich gemeinsam mit weiteren Investoren. Das Kapital soll die Markteinführung des Systems epc.160 finanzieren sowie die Expansion nach Nordamerika und in mehrere europäische Länder vorbereiten. Über die genaue Höhe der Runde wurden keine Angaben gemacht.
Wie die Technologie funktioniert
ag-tech.systems bekämpft Unkraut ohne synthetische Herbizide. Das Verfahren nutzt Hochspannungsstrom in Kombination mit einer leitfähigen Flüssigkeit. Diese Flüssigkeit senkt den elektrischen Widerstand der Pflanzen. Der Strom behandelt die unerwünschten Pflanzen von den Blättern bis zu den Wurzeln.
Nach Angaben des Unternehmens bleiben dabei keine chemischen Rückstände im Boden, in Kulturpflanzen oder in Lebensmitteln zurück. Die Technologie kann auch den Reifeprozess von Kulturpflanzen begleiten. Bisher eingesetzt wurde sie unter anderem bei Kartoffeln und Hafer sowie zur Bekämpfung invasiver Arten wie Erdmandelgras.
Produkt und Markteinführung
Das System epc.160
Ein wesentlicher Teil des frischen Kapitals fließt in die Markteinführung des Systems epc.160. Das Gerät lässt sich laut Unternehmen vollständig in handelsübliche Landmaschinen integrieren und über den Traktor steuern. Der Fahrer braucht keine gesonderte Bedieneinheit.
ag-tech.systems will die Serienfertigung vorbereiten und die Einführung eng mit landwirtschaftlichen Betrieben abstimmen. Das Unternehmen spricht von einer kontrollierten Markteinführung nah am Kunden.
Weitere Kulturen und größere Maschinen
Parallel zur Markteinführung soll das Verfahren auf weitere Kulturpflanzen ausgeweitet werden. Geplant sind Anwendungen für Zuckerrüben, Gerste und Raps. Außerdem arbeitet ag-tech.systems an größeren Maschinen für den großflächigen Ackerbau, um die Technologie für mehr Betriebe wirtschaftlich attraktiv zu machen.
Expansion in fünf Länder geplant
Neben dem deutschen Heimatmarkt stehen Kanada, die USA, Frankreich, die Niederlande und das Vereinigte Königreich auf der Expansionsliste. Der Zeitplan für den Markteintritt in diesen Ländern wurde nicht genannt.
Die NRW.BANK investiert über ihr Programm NRW.SeedCap. Dieses Programm richtet sich an junge Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen und ergänzt privates Beteiligungskapital in frühen Unternehmensphasen. NRW.SeedCap ist kein reines Förderinstrument, sondern eine Beteiligung mit Renditeerwartung.
Was das für den Markt bedeutet
Europäische Zulassungsbehörden haben in den vergangenen Jahren mehrere Wirkstoffe aus dem Herbizidmarkt gestrichen oder deren Anwendung eingeschränkt. Landwirte suchen deshalb nach Alternativen ohne Chemie. ag-tech.systems setzt genau dort an.
Offen bleibt, ob das Verfahren unter realen Bedingungen auf dem Acker genauso zuverlässig funktioniert wie ein Herbizid und ob es sich für den Betrieb rechnet. Die Kommerzialisierungsphase wird zeigen, ob die Technologie diesen Nachweis erbringen kann.


