Gründungskredit ohne Erspartes: Was wirklich möglich ist
Wer kein Eigenkapital hat, kommt trotzdem an Startkapital. Entscheidend ist nicht das Sparbuch, sondern ein überzeugender Geschäftsplan.

Kein Eigenkapital, kein Kredit: Diesen Satz hören Gründerinnen und Gründer oft. Er stimmt so nicht mehr. Die KfW hat ihr StartGeld auf bis zu 200.000 Euro angehoben und übernimmt 80 Prozent des Kreditrisikos gegenüber der durchleitenden Bank. Das ändert die Ausgangslage für alle, die ohne Rücklagen starten wollen.
Was "ohne Eigenkapital" wirklich bedeutet
Kein Eigenkapital heißt nicht, dass man nichts beizutragen hat. Banken und Förderinstitute wollen trotzdem wissen, wie das Unternehmen Geld verdienen soll. Ein belastbarer Businessplan ersetzt in vielen Förderprogrammen die fehlende Sicherheit. Wer diesen Plan nicht vorlegen kann, scheitert, egal wie viel Eigenkapital vorhanden wäre.
Eigenkapital und Sicherheiten sind außerdem nicht dasselbe. Eine Bürgschaftsbank kann die Sicherheiten stellen, wodurch das Risiko für die Hausbank sinkt. Das öffnet Türen, die sonst verschlossen bleiben.
Die wichtigsten Wege im Überblick
KfW-StartGeld
Das KfW-StartGeld richtet sich an Gründerinnen und Gründer sowie junge Unternehmen in den ersten fünf Jahren. Die Kreditsumme liegt bei bis zu 200.000 Euro. Die KfW übernimmt 80 Prozent der Haftung, die Hausbank trägt nur 20 Prozent des Ausfallrisikos. Das erhöht die Bereitschaft der Bank deutlich, den Antrag zu prüfen. Den Antrag stellt man nicht direkt bei der KfW, sondern über die eigene Hausbank.
Mikrokredite
Mikrokredite werden von akkreditierten Mikrofinanzinstituten vergeben. Die Beträge beginnen bei wenigen Hundert Euro und reichen in der Regel bis zu 25.000 Euro. Sie sind für kleinere Vorhaben gedacht: erste Ausstattung, Warenlager, Betriebsmittel. Die Anforderungen an Sicherheiten sind geringer als bei klassischen Bankkrediten, dafür sind die Zinssätze oft etwas höher.
Gründungszuschuss aus der Arbeitslosigkeit
Wer aus der Arbeitslosigkeit heraus gründet, kann einen Gründungszuschuss beantragen. Die Bundesagentur für Arbeit zahlt dabei das bisherige Arbeitslosengeld plus einen Pauschalbetrag für Sozialversicherungsbeiträge. Die Gesamtsumme kann bei bis zu 20.700 Euro liegen. Voraussetzung ist ein überzeugender Businessplan, den ein fachkundiger Dritter bewertet. Das können Steuerberater, Unternehmensberater oder die Industrie- und Handelskammer sein.
Einstiegsgeld aus dem Bürgergeld
Wer Bürgergeld bezieht und ein Unternehmen gründet, kann Einstiegsgeld beim zuständigen Jobcenter beantragen. Die Höhe hängt von der individuellen Situation ab, einen festen Betrag gibt es nicht. Das Einstiegsgeld soll den Übergang in die Selbstständigkeit erleichtern, ist aber kein Ersatz für ein tragfähiges Geschäftsmodell.
Landesförderinstitute und Bürgschaftsbanken
Jedes Bundesland hat eigene Förderinstitute, etwa die NRW.BANK in Nordrhein-Westfalen oder die Investitionsbank Berlin. Sie vergeben Kredite mit günstigen Konditionen und teils ohne klassische Sicherheiten. Bürgschaftsbanken stellen Bürgschaften aus, wenn die Hausbank Sicherheiten verlangt, die Gründerinnen und Gründer nicht haben. Beides lässt sich kombinieren.
Was Banken wirklich prüfen
Ohne Eigenkapital steigt das Gewicht des Businessplans. Er muss zeigen, wie das Unternehmen Umsatz erzielt, wann es Gewinne schreibt und wie der Kredit zurückgezahlt wird. Eine realistische Liquiditätsplanung für die ersten zwölf Monate ist dabei Pflicht. Wer diese Zahlen nicht kennt oder nicht erklären kann, bekommt keinen Kredit, egal über welchen Weg.
Gründungsberatungen der Kammern oder regional geförderte Beratungsangebote helfen dabei, diesen Plan zu erarbeiten. Das AVGS-Coaching, ein von der Bundesagentur für Arbeit gefördertes Beratungsformat, ist für Bezieherinnen und Bezieher von Arbeitslosengeld kostenfrei.
Fazit
Fehlende Ersparnisse sind kein automatisches Ausschlusskriterium mehr. KfW-StartGeld, Mikrokredite, Gründungszuschuss und Landesförderprogramme sind reale Alternativen. Der eigentliche Engpass ist der Businessplan. Wer dort schwach aufgestellt ist, scheitert an den Konditionen, nicht am Programm. Der erste Schritt sollte also nicht der Gang zur Bank sein, sondern die Arbeit am Plan.

