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23. September 2026 · Ausgabe 09/26 Immer aktuell
Finanzierung

Berliner Startup Kazimi sichert 2,2 Mio. Euro gegen Bot-Betrug in Apps

Kazimi aus Berlin hat eine frühe Finanzierungsrunde über 2,2 Millionen Euro abgeschlossen. Das Startup will App-Anbietern helfen, automatisierte Bot-Aktivitäten zu erkennen und ihre Datengrundlage sauber zu halten.

Berliner Startup Kazimi sichert 2,2 Mio. Euro gegen Bot-Betrug in Apps
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

Bots kosten App-Anbieter bares Geld. Sie erzeugen gefälschte Nutzerinteraktionen, verfälschen Analysedaten und fressen Marketingbudgets auf. Das Berliner Startup Kazimi will dieses Problem lösen und hat dafür Anfang dieser Woche eine Pre-Seed-Runde abgeschlossen. Pre-Seed bezeichnet die früheste Finanzierungsphase, bevor ein Produkt am Markt etabliert ist. Insgesamt kamen 2,2 Millionen Euro zusammen. Die Runde war überzeichnet, das heißt, es gab mehr Interesse von Geldgebern als benötigt.

Wer investiert und warum

Angeführt wird die Runde von Market One Capital, einem polnischen Frühphasen-Investor. Dazu kommt IBB Ventures aus Berlin, ein Fonds der Investitionsbank Berlin. Ergänzt wird die Runde durch mehrere Business Angels mit Branchenerfahrung.

Zu den Einzelinvestoren gehören Petri Hyökyranta, ehemaliger Technologiechef des Spieleentwicklers Rovio, sowie Janne Peltola, früher Data Scientist beim Spielestudio Supercell. Außerdem beteiligt sich Erik Massmann, ehemaliger Finanzchef der Birkenstock Group und des Sportdaten-Unternehmens Sportradar.

Jacek Lubinski, Partner bei Market One Capital, begründet das Investment mit dem wachsenden Einsatz von KI-Systemen. Diese Systeme seien auf verlässliche Daten angewiesen. Wenn Bots die Datenbasis verfälschen, leide die Qualität der KI-Ergebnisse direkt darunter.

Das Problem: Bots unterwandern App-Daten

Apps sammeln kontinuierlich Signale ihrer Nutzer. Diese Daten fließen in Marketingauswertungen, Produktentscheidungen und KI-Anwendungen ein. Doch ein Teil dieser Signale stammt nicht von echten Menschen.

Automatisierte Programme, sogenannte Bots, können Klicks, Installationen oder Käufe simulieren. Das führt dazu, dass Unternehmen falsche Schlüsse ziehen und Budgets falsch einsetzen. Besonders teuer wird das bei der Nutzergewinnung, wo hohe Summen pro Installation fließen.

Laut Marktdaten aus der Finanzierungsankündigung lagen die weltweiten Ausgaben für Mobile Advertising im Jahr 2025 bei rund 419 Milliarden US-Dollar. Der Schaden durch Bot-Aktivitäten wächst proportional mit diesen Budgets.

Die Technik dahinter

Kazimi setzt auf kryptografische Nachweise, um echte Nutzeraktivitäten von Bot-Aktivitäten zu trennen. Kryptografische Nachweise sind mathematische Verfahren, die die Echtheit eines Signals beweisen können, ohne dabei personenbezogene Daten offenzulegen.

App-Entwickler sollen damit ihre eigenen First-Party-Daten überprüfen können. First-Party-Daten sind Daten, die ein Unternehmen direkt von seinen eigenen Nutzern erhebt, ohne Umwege über Drittanbieter. Diese Daten gelten als besonders wertvoll, weil sie nicht über externe Quellen verfälscht werden können. Allerdings nur dann, wenn Bots keinen Zugang haben.

Mitgründer Andreas Naumann, zuständig für das Produkt, sieht die fehlende Transparenz als Kernproblem der bisherigen App-Infrastruktur. App-Anbieter hätten bisher keine verlässliche Möglichkeit gehabt, die Herkunft ihrer Signale zu überprüfen. Kazimi will genau diese Lücke schließen.

Das Gründerteam kommt von Adjust

Die Gründer waren zuvor am Aufbau von Sicherheits- und Betrugserkennungssystemen bei Adjust beteiligt. Adjust ist ein Berliner Mobile-Analytics-Unternehmen, das 2021 für rund eine Milliarde US-Dollar vom US-Unternehmen AppLovin übernommen wurde. Das Team bringt damit direkte Erfahrung mit dem Problem mit, das Kazimi lösen will.

Was das für App-Anbieter bedeutet

Kazimi richtet sich an App-Entwickler und Mobile-Marketingteams. Wer hohe Budgets in die Nutzergewinnung steckt und dabei auf App-Daten angewiesen ist, hat ein konkretes Interesse daran, Bot-Aktivitäten auszuschließen. Das gilt besonders für Bereiche wie Mobile Gaming, Finanzapps und E-Commerce.

Das Produkt befindet sich noch in einer frühen Phase. Wann es für externe Unternehmen verfügbar sein wird und zu welchen Konditionen, ist öffentlich noch nicht bekannt. Die 2,2 Millionen Euro sollen den weiteren Aufbau der Technologie finanzieren.

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