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23. September 2026 · Ausgabe 09/26 Immer aktuell
Finanzierung

beel bringt Angel-Syndikate auf die Plattform: Co-Investing ohne Fonds

Die Fundraising-Plattform beel führt Angel-Syndikate ein. Erfahrene Investoren können damit ihren Dealflow teilen und per Carry-Gebühr daran verdienen.

beel bringt Angel-Syndikate auf die Plattform: Co-Investing ohne Fonds
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

Die Berliner Plattform beel, ehemals Tokenize.it, erweitert ihr Angebot um Angel-Syndikate. Erfahrene Business Angels können ab sofort eigene Investment-Communities aufbauen, ausgewählte Startup-Deals teilen und im Erfolgsfall eine Carry-Gebühr einstreichen. Zum Start sind drei Namen dabei: Andy Bruckschlögl, Alex von Frankenberg und Roland Fassauer.

Was ein Syndikat auf beel bedeutet

Ein Angel-Syndikat ist eine Gruppe von Einzelinvestoren, die gemeinsam in Startups investieren. Der sogenannte Syndikat-Lead wählt Deals aus und stellt sie seiner Community vor. Die anderen Investoren entscheiden dann selbst, ob und wie viel sie investieren. Das Kapital wird nicht gebündelt. Jeder investiert direkt und individuell.

Auf beel läuft das über virtuelle Anteile, also digitale Beteiligungsstrukturen ohne Notar und ohne Eintrag ins Handelsregister. Der Lead legt fest, wer dem Syndikat beitreten darf, und entscheidet, ob es öffentlich oder privat geführt wird. Neue Mitglieder müssen in beiden Fällen einzeln bestätigt werden.

Der Unterschied zu einem klassischen VC-Fonds

Bei einem klassischen Venture-Capital-Fonds bringen alle Investoren Kapital in einen gemeinsamen Topf, und der Fondsmanager entscheidet, wo das Geld hingeht. Bei einem Syndikat auf beel bleibt diese Entscheidung bei jedem einzelnen Investor. Wer einen vorgestellten Deal nicht will, investiert einfach nicht.

Das reduziert den administrativen Aufwand erheblich. Wer als Angel regelmäßig interessante Deals sieht und eine Community aufbauen will, braucht dafür keinen eigenen Fonds mehr. Die Plattform übernimmt die Struktur. Der Lead gibt Anlageempfehlungen ab, trägt aber keine treuhänderische Verantwortung für das Kapital der anderen.

Carry: So verdienen Syndikat-Leads

Wer einem Syndikat beitritt, schließt einen Vertrag mit dem Lead. Darin wird eine Carry-Fee vereinbart. Carry bezeichnet den prozentualen Anteil am Gewinn, den der Lead erhält, wenn ein Investment erfolgreich ist, also etwa bei einem Exit oder einer Dividende. Die genaue Höhe legt der Lead selbst fest.

Das Modell ist aus dem Venture-Capital-Geschäft bekannt. Klassische Fonds rechnen typischerweise mit 20 Prozent Carry. Wie hoch die Fees bei beel-Syndikaten ausfallen, hängt von den jeweiligen Leads ab. Für erfahrene Angels mit gutem Dealflow ist das eine Möglichkeit, diesen Dealflow zusätzlich zu monetarisieren.

Die drei Leads zum Start

Andy Bruckschlögl ist Mitgründer von Bits und Pretzels und seit mehr als 20 Jahren als Investor aktiv. Alex von Frankenberg leitete viele Jahre den High-Tech Gründerfonds, einen der aktivsten Frühphasen-Investoren in Deutschland, und ist heute Partner bei May Ventures. Roland Fassauer hat nach Unternehmensangaben zwei Börsengänge begleitet, ist Professor an der CODE University in Berlin, General Partner bei Outlier VC und hat in mehr als 80 Startups investiert.

Alle drei sollen über ihre Syndikate künftig ausgewählte Deals auch anderen Investoren zugänglich machen.

Was das für Gründer bedeutet

Syndikate sind kein neues Konzept, liefen bisher aber meist informell und innerhalb kleiner Netzwerke. Eine Plattform, die das strukturiert und digitalisiert, kann den Kreis potenzieller Investoren vergrößern.

Für Gründer heißt das konkret: Wer es in den Dealflow eines gut vernetzten Syndikat-Leads schafft, erreicht potenziell mehrere Co-Investoren auf einmal. Die einzelnen Tickets können kleiner sein als bei einem klassischen Business Angel, dafür kommen mehrere zusammen. Das kann besonders in frühen Runden relevant sein, wo die Runden insgesamt kleiner ausfallen.

Die Entscheidung bleibt jedoch bei jedem Investor. Ein überzeugter Lead reicht nicht, wenn die Community den Deal nicht mitträgt.

Fazit

beel entwickelt seine Plattform vom reinen Cap-Table-Tool zur Infrastruktur für Frühphasen-Investitionen. Das Syndikat-Modell ist kein Alleinstellungsmerkmal, ähnliche Ansätze existieren international seit Jahren. Ob es sich in Deutschland durchsetzt, hängt von der Qualität der Deals und der Aktivität der Leads ab. Wer einen Zugang zu den dort aktiven Syndikat-Leads aufbaut, kann davon profitieren.

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