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06. August 2026 · Ausgabe 08/26 Immer aktuell
Wachstum

Werkstattkette per Zukauf: Ein Serienunternehmer startet Rollup

Mathias Albert, bekannt durch das Auto-Abo-Modell Vive La Car, will freie Kfz-Werkstätten aufkaufen und zu einer Kette formen. Sein Ziel: 50 Betriebe in fünf Jahren, gestartet bei null.

Werkstattkette per Zukauf: Ein Serienunternehmer startet Rollup
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

Mathias Albert hat mehrere Automotive-Unternehmen aufgebaut und verkauft. Jetzt startet er ein neues Projekt: Er will freie Kfz-Werkstätten kaufen, deren Inhaber aussteigen möchten. Die Plattform dafür heißt wirkaufendeinewerkstatt.de, das dahinterstehende Unternehmen MA-Retail. Über das Portal können Werkstattinhaber ihr Unternehmen anonym und kostenlos bewerten lassen. Sie erhalten eine Preisrange, ohne sich vorab zu benennen.

Was hinter dem Modell steckt

Das Konzept folgt einer Logik, die in anderen Branchen als Rollup bekannt ist. Ein Investor oder Unternehmer kauft dabei mehrere gleichartige Betriebe auf und bündelt sie unter einer gemeinsamen Struktur. Ziel sind Einkaufsvorteile, gemeinsame IT-Systeme und einheitliche Prozesse durch Größe.

Freie Werkstätten sind markenunabhängige Betriebe. Sie reparieren Fahrzeuge aller Hersteller, ohne an ein Vertragsnetz gebunden zu sein. Viele dieser Betriebe sind inhabergeführt und stehen vor einem Nachfolgeproblem. Laut Handwerkskammern fehlen in Deutschland flächendeckend Nachfolger für Handwerksbetriebe. Albert setzt genau dort an.

Noch kein einziger Betrieb gekauft

Zum Zeitpunkt der Ankündigung im April 2026 hatte Albert noch keine einzige Werkstatt erworben. Das ist kein Fehler im Konzept, aber ein relevanter Fakt. Wer in dieses Modell investiert oder mit MA-Retail kooperiert, tut das in einer sehr frühen Phase. Es gibt noch keine Referenzbetriebe, keine öffentlich dokumentierten Kaufpreise und keine erprobten Prozesse.

Albert selbst gibt an, in fünf Jahren 50 Betriebe halten zu wollen. Das sind rund zehn Akquisitionen pro Jahr. Für einen einzelnen Investor ohne öffentlich genanntes Fremdkapital ist das ambitioniert.

Was das Modell für Werkstattinhaber bedeutet

Wer eine freie Werkstatt betreibt und über einen Ausstieg nachdenkt, hat bisher wenige Optionen. Ein Verkauf an Mitarbeiter scheitert häufig an fehlendem Kapital. Ein strategischer Käufer aus der Branche ist selten. Makler verlangen Provision und Transparenz vom ersten Gespräch an.

Die anonyme Erstbewertung über ma-retail.de ist deshalb ein praktischer Einstieg. Inhaber können prüfen, ob ein Verkauf rechnerisch sinnvoll wäre, ohne sich zu verpflichten. Ob die ausgewiesene Preisrange marktgerecht ist, lässt sich ohne Vergleichsangebote schwer einschätzen.

Was das für Gründer und Unternehmer bedeutet

Das Rollup-Modell als Wachstumsstrategie

Rollups sind kein neues Konzept. In der Zahnarzt- oder Steuerberatungsbranche gibt es sie seit Jahren. Im Kfz-Sektor hat Lucky Car aus Österreich gezeigt, dass eine Werkstattkette mit einheitlicher Marke und Struktur funktionieren kann. Gründer Ostoja Matić baute dort ein Netz von Standorten auf, das auf Arbeitszeit statt auf Ersatzteilmarge setzt.

Wer selbst ein kleines Dienstleistungsunternehmen führt, kann aus diesem Modell lernen. Der Wert eines Unternehmens steigt, wenn Prozesse dokumentiert, übertragbar und skalierbar sind. Wer das früh anlegt, macht sein Unternehmen sowohl für einen Käufer als auch für einen internen Nachfolger attraktiver.

Risiken nicht ausblenden

Rollups scheitern häufig an der Integration. Unterschiedliche IT-Systeme, Unternehmenskulturen und Kundenbeziehungen lassen sich nicht per Kaufvertrag vereinheitlichen. Wer als Werkstattinhaber an MA-Retail verkauft, sollte klären, was mit bestehenden Mitarbeitern, laufenden Mietverträgen und Kundenstämmen passiert.

Für externe Investoren gilt: Das Modell ist konzeptionell schlüssig, aber in Deutschland noch ohne Beweis. Vergleichbare Projekte in anderen Branchen brauchen in der Regel mehrere Jahre, bis sie profitabel laufen.

Fazit

Mathias Albert versucht, ein bekanntes Wachstumsmodell auf einen fragmentierten Markt anzuwenden. Die Idee ist nachvollziehbar. Die Werkstattbranche hat ein strukturelles Nachfolgeproblem, und ein zentralisierter Käufer füllt eine echte Lücke. Ob das Tempo von zehn Zukäufen pro Jahr realistisch ist, wird sich zeigen. Werkstattinhaber, die über einen Verkauf nachdenken, können das kostenlose Bewertungstool als ersten Orientierungspunkt nutzen. Mehr als ein Orientierungspunkt ist es zum jetzigen Stand nicht.

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