Was Investoren wirklich von Gründern erwarten
Lernfähigkeit, Belastbarkeit und echtes Marktverständnis: Eine erfahrene Investorin nennt, worauf es beim Aufbau eines Unternehmens wirklich ankommt. Geld als Motivation reicht dabei nicht.

Wer Kapital von Investoren sucht, sollte wissen, wie diese tatsächlich entscheiden. Valerie Bures, Partnerin beim französischen Venture-Capital-Fonds XAnge, hat bei einem Programm von Gründerszene in Berlin offen beschrieben, nach welchen Kriterien sie Gründer bewertet. Ihre Aussagen sind auch für Unternehmer ohne Ambitionen auf Investorengelder relevant.
Lernfähigkeit schlägt perfekter Lebenslauf
Bures stellt eine Frage in den Mittelpunkt: Können Gründer ihr Unternehmen auch durch schwierige Phasen tragen? Ein glatter Pitch oder ein makelloser Lebenslauf beantwortet das nicht. Ausschlaggebend sei die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Wachstum meint dabei zweierlei: das Wachstum des Unternehmens und das persönliche Wachstum der Gründer selbst. Wer nicht erkennt, was ihm fehlt, kann diese Lücken nicht schließen. Das ist keine Frage des Talents, sondern der Haltung.
Akademische Titel spielen für Bures dabei eine untergeordnete Rolle. Was zählt, ist Praxiserfahrung. Die Frage lautet nicht, welche Universität jemand besucht hat, sondern was diese Person mit ihrer Zeit gemacht hat.
Das Team ist kein Nebenfaktor
Viele Gründer konzentrieren sich auf die eigene Rolle. Bures sieht das anders. Nicht der einzelne CEO entscheide über Erfolg oder Misserfolg, sondern die Dynamik im Gründungsteam.
Ihr konkreter Rat: Wer ein Unternehmen aufbauen will, muss Menschen einstellen können, die Fähigkeiten mitbringen, die einem selbst fehlen. Das setzt voraus, die eigenen Schwächen zu kennen. Wer das nicht tut, baut auf einem blinden Fleck auf.
Co-Founder sorgfältig auswählen
Beim Thema Co-Founder wird Bures direkt. Freundschaft oder Bauchgefühl seien keine ausreichenden Auswahlkriterien. Wichtig sei, wie jemand unter Druck funktioniert. Stress, Konflikte und Unsicherheit zeigen, was wirklich in einer Zusammenarbeit steckt.
Bures hat Mrs. Sporty, eine Fitnessstudiokette für Frauen, gemeinsam mit ihrem Mann gegründet und geleitet. Sie weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, eine enge Arbeitsbeziehung über schwierige Phasen hinweg zu tragen.
Motivation muss tiefer gehen als Geld
Geld als Antrieb reicht nicht. Das sagt Bures klar. Auch Ego oder Machtstreben tragen ein Unternehmen nicht langfristig. Erfolgreiche Gründer bräuchten einen inneren Antrieb für ein Thema, der über oberflächliche Motive hinausgeht.
Dazu kommt ein tiefer Wille, im Wettbewerb zu bestehen. Wer nicht wirklich gewinnen will, wird in schwierigen Phasen aufgeben. Das sei keine moralische Aussage, sondern eine Beobachtung aus der Praxis.
Kein universeller Gründertyp
Bures differenziert: Ein KI-Startup braucht andere Gründerprofile als ein Consumer-Produkt. Den einen idealen Gründer gibt es nicht. Das Profil muss zum Geschäftsmodell passen.
Das gilt auch für das Marktverständnis. Oberflächliches Kennen eines Feldes reicht nicht. Wer ein Problem lösen will, muss es wirklich verstanden haben - nicht theoretisch, sondern aus gelebter Erfahrung oder intensiver Auseinandersetzung.
Was das für Ihr Unternehmen bedeutet
Die Kriterien von Bures sind keine Investoren-Checkliste für die Außendarstellung. Sie beschreiben Eigenschaften, die intern wirken: im Alltag, beim Umgang mit Rückschlägen, beim Aufbau des Teams.
Für Unternehmen mit null bis zwanzig Mitarbeitern hat das konkrete Konsequenzen. Wer ein Team aufbaut, sollte sich fragen, welche Fähigkeiten dort fehlen und wen man deshalb als nächstes einstellt oder ins Boot holt. Wer einen Co-Founder sucht, sollte das nicht aus dem Bauch heraus tun, sondern prüfen, wie diese Person unter echtem Druck reagiert.
Wer sich fragt, warum der eigene Antrieb in schwierigen Phasen nachlässt, findet in Bures' Aussagen einen möglichen Hinweis: Wenn Geld oder Status die einzige Motivation sind, hält das nicht dauerhaft.
Fazit
Valerie Bures nennt keine neuen Konzepte. Aber sie benennt klar, was in der Praxis über Erfolg oder Scheitern entscheidet: Lernfähigkeit, ein bewusst zusammengestelltes Team und ein Antrieb, der über kurzfristige Ziele hinausgeht. Wer sein Unternehmen gerade aufbaut, kann diese drei Punkte als konkreten Selbsttest nutzen.


