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23. September 2026 · Ausgabe 09/26 Immer aktuell
Personal & Team

Voreingenommen als Chef: Wie Sie Kritik fair bewerten

Wer einem schwachen Mitarbeiter grundsätzlich nicht zuhört, riskiert blinde Flecken im Team. Leistung und Argument sind zwei verschiedene Dinge.

Voreingenommen als Chef: Wie Sie Kritik fair bewerten
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

Ein Mitarbeiter liefert regelmäßig schlechte Ergebnisse. Er hält Fristen nicht ein, seine Arbeit muss nachgebessert werden. Dann kritisiert er einen Prozess oder macht einen Vorschlag. Die meisten Chefs reagieren innerlich gleich: Sie hören kaum hin. Das ist menschlich, aber es ist ein Führungsfehler.

Leistung und Argument sind nicht dasselbe

Wer bei der Umsetzung eigener Aufgaben schwächelt, kann trotzdem einen validen Punkt erkennen. Manche Menschen sind bessere Beobachter als Umsetzer. Das mag ärgerlich sein. Es macht ihre Beobachtung aber nicht falsch.

Das Problem: In kleinen Teams mit wenigen Mitarbeitern vermischen sich diese beiden Ebenen schnell. Die Chefin oder der Chef bewertet nicht mehr das Argument, sondern die Person dahinter. Die Konsequenz ist eine stille Regel im Team: Nur wer fehlerlos arbeitet, darf Kritik äußern. Diese Regel ist gefährlich. Kein Mensch ist fehlerfrei. Also schweigen am Ende alle.

Das ungelöste Führungsproblem dahinter

Die eigentliche Ursache liegt oft woanders. Wenn ein Mitarbeiter dauerhaft unter Erwartungen bleibt und das nie klar angesprochen wurde, staut sich Frust auf. Dieser Frust färbt dann jede Interaktion mit dieser Person ein.

Das ist kein individuelles Vorurteil. Das ist ein ungelöstes Führungsproblem. Solange die Leistungsprobleme nicht konkret angesprochen sind, bleibt die Voreingenommenheit bestehen.

Was ein gutes Gespräch über Leistung braucht

Wer das Gespräch sucht, sollte konkret bleiben. Welche Ergebnisse wurden zu spät abgegeben? Welche Auswirkungen hatte das auf andere? Pauschale Urteile wie "Sie sind unzuverlässig" bringen nichts. Beobachtbares Verhalten ist die Grundlage. Dazu kommen klare Erwartungen für die Zukunft und konkrete Vereinbarungen zu Qualität und Terminen.

Dieses Gespräch über Leistung sollte nicht mit dem Thema Kritik oder Vorschläge vermischt werden. Sonst entsteht der Eindruck, Feedback sei nur erlaubt, wenn man selbst makellos ist.

Eine Prüfroutine hilft bei der Bewertung

Für den Umgang mit konkreten Vorschlägen schwacher Mitarbeiter gibt es einen einfachen Mechanismus. Drei Fragen helfen dabei.

Erstens: Was genau behauptet oder empfiehlt diese Person? Zweitens: Welche Argumente sprechen dafür? Drittens: Würde ich denselben Gedanken genauso kritisch prüfen, wenn er von meinem besten Mitarbeiter käme?

Die dritte Frage ist die wichtigste. Sie macht den eigenen Bewertungsmaßstab sichtbar. Wer bemerkt, dass er mit zweierlei Maß misst, hat schon gewonnen.

Rückfragen schaffen Abstand zur Reaktion

Ein weiteres Mittel: Mindestens eine ernst gemeinte Rückfrage stellen, bevor ein Vorschlag abgelehnt wird. "Woran machen Sie das fest?" oder "Wie würde das konkret aussehen?" verschaffen einen kurzen Moment zwischen der spontanen Reaktion auf die Person und der inhaltlichen Bewertung des Arguments. Das reicht oft aus, um fairer zu urteilen.

Das bedeutet nicht, eigene Erfahrungen auszublenden. Wenn ein Mitarbeiter behauptet, eine Aufgabe sei in zwei Tagen zu schaffen, ähnliche Aufgaben aber regelmäßig verspätet abgibt, darf man Zweifel anmelden. Erfahrung ist kein Vorurteil, solange sie auf beobachtbarem Verhalten basiert.

Fazit

Für Gründerinnen und Gründer mit kleinen Teams gilt: Jede ungelöste Leistungsfrage kostet doppelt. Einmal direkt durch schlechte Arbeit, ein zweites Mal indirekt durch die Verzerrungen, die sie im Urteil der Führungskraft hinterlässt. Wer das Gespräch über Leistung konkret und früh führt, bleibt selbst handlungsfähig. Und wer Argumente nach Inhalt bewertet statt nach Absender, bekommt mehr relevante Informationen aus seinem Team.

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