Periode im Büro: Was das Schweigen Ihr Team kostet
78 Prozent der befragten Frauen geben an, dass Menstruationsbeschwerden ihren Arbeitsalltag beeinträchtigen. Nur 8 Prozent können offen mit ihrer Personalabteilung darüber reden.

Drei von vier Frauen in deutschen Unternehmen arbeiten regelmäßig mit Schmerzen durch. Sie sagen nichts. Sie greifen zur Schmerztablette und machen weiter. Eine Befragung von 1.051 Frauen im Auftrag der Employee-Assistance-Plattform Voiio zeigt, wie verbreitet dieses Muster ist und was es konkret bedeutet.
Die Zahlen sind eindeutig
78 Prozent der befragten Frauen sagen, Menstruationsbeschwerden haben Einfluss auf ihren Arbeitsalltag. Zwei Drittel berichten von schnellerer Erschöpfung. Mehr als die Hälfte gibt schwankende Leistungsfähigkeit an. 48 Prozent kämpfen mit Konzentrationsproblemen. Das Durchschnittsalter der Befragten lag bei 36 Jahren.
Was machen diese Frauen damit? 47 Prozent versuchen, normal weiterzuarbeiten. 36 Prozent nehmen Medikamente. Nur 18 Prozent haben sich deswegen schon einmal krankgemeldet. Regelmäßig tun es lediglich 5 Prozent.
45 Prozent der Befragten haben das Gefühl, das Thema am Arbeitsplatz nicht ansprechen zu können. Nur 8 Prozent können offen mit ihrer Personalabteilung darüber reden.
Was das für kleine Unternehmen bedeutet
In Betrieben mit bis zu 20 Mitarbeitenden gibt es oft keine eigene HR-Abteilung. Die Führungskraft ist gleichzeitig Ansprechperson für alles. Das macht den Umgang mit solchen Themen nicht einfacher.
Wenn eine Mitarbeiterin jeden Monat mehrere Tage eingeschränkt leistungsfähig ist und das verschweigt, hat das Folgen. Die Arbeit leidet. Fehler passieren häufiger. Langfristig steigt das Risiko, dass sie sich weniger einbringt oder kündigt. Fachkräftemangel macht Fluktuation teuer, auch in kleinen Teams.
Kein Rechtfertigungsdruck, aber Raum für Gespräche
59 Prozent der Befragten wünschen sich einen offeneren Umgang mit dem Thema.
Kerstin Michels, Geschäftsführerin von Voiio, formuliert es direkt: Personalabteilungen und Führungskräfte müssen Rahmenbedingungen schaffen, die Betroffene entlasten, ohne zusätzlichen Rechtfertigungsdruck zu erzeugen.
Wer als Führungskraft im Gespräch zeigt, dass körperliche Beschwerden ernst genommen werden, schafft Vertrauen. Das muss keine große Ansage sein. Es reicht, nicht abweisend zu reagieren, wenn jemand sagt, dass sie gerade nicht auf Vollgas läuft.
Was Gründerinnen und Gründer tun können
Flexible Arbeitszeiten helfen. Homeoffice an belastenden Tagen kann einen Unterschied machen, wenn die Infrastruktur ohnehin vorhanden ist. Wer feste Anwesenheitspflichten hat, sollte prüfen, ob sie wirklich nötig sind.
Regelmäßige kurze Einzelgespräche mit Teammitgliedern schaffen einen Kanal, der auch für solche Themen genutzt werden kann, nicht als Kontrolle, sondern als Signal: Hier kann man reden. Wer respektlose Kommentare im Team sofort unterbindet, sendet ebenfalls ein klares Signal.
Keine rechtliche Pflicht, aber ein betriebliches Interesse
In Deutschland gibt es kein Gesetz, das einen bezahlten Menstruationsurlaub vorschreibt. Länder wie Spanien haben 2023 entsprechende Regelungen eingeführt. In Deutschland ist das bisher nicht der Fall.
Es liegt also im Ermessen des Unternehmens, wie es mit dem Thema umgeht. Wer nichts tut, riskiert keine Strafe. Wer gezielt Vertrauen aufbaut, hat in einem engen Arbeitsmarkt einen konkreten Vorteil bei der Mitarbeiterbindung.
Fazit
Die Daten zeigen ein strukturelles Problem. Frauen arbeiten durch Beschwerden hindurch, weil sie das Gefühl haben, keine andere Wahl zu haben. Das schadet ihnen und dem Unternehmen. Kleine Teams können das nicht mit großen Programmen lösen, aber sie können aufhören, das Thema zu ignorieren. Das ist keine Frage der Weltanschauung, sondern der betrieblichen Vernunft.


