Langdock: Wie ein Berliner KI-Start-up mit drei Millionen wächst
Langdock bündelt KI-Modelle verschiedener Anbieter auf einer Plattform und kommt auf 50 Millionen Dollar Jahresumsatz – bei nur drei Millionen Dollar eingesammeltem Kapital. Co-Chefin Judith Dada soll das Unternehmen in die nächste Phase führen.

Langdock aus Berlin zählt zu den ungewöhnlicheren KI-Unternehmen Deutschlands. Das 2023 gegründete Start-up entwickelt keine eigenen Sprachmodelle, sondern bündelt Systeme anderer Anbieter auf einer Plattform. Kunden können zwischen Modellen von OpenAI, Google Gemini, Anthropic oder Mistral wechseln, je nach Aufgabe und Bedarf. Nach eigenen Angaben nutzen bereits mehr als 12.000 Unternehmen die Plattform. Der Jahresumsatz liegt bei rund 50 Millionen US-Dollar. Eingesammelt hat Langdock bisher nur drei Millionen Dollar Kapital.
Plattform statt eigenes Modell
Der Ansatz ist bewusst gewählt. Wer kein eigenes Grundlagenmodell baut, spart die enormen Rechenkosten und Entwicklungszeiten, die Unternehmen wie OpenAI oder Anthropic aufwenden. Langdock ist eine neutrale Schicht zwischen Anwender und Modell. Für Unternehmenskunden hat das einen praktischen Vorteil: Sie sind nicht an einen Anbieter gebunden und wählen das passende Modell für die jeweilige Aufgabe.
Das passt zur Strategie der EU-Kommission. Brüssel hat signalisiert, den Wettlauf um sogenannte Frontier-Modelle, also die leistungsstärksten Grundlagenmodelle, nicht weiter forcieren zu wollen. Stattdessen soll der Einsatz von KI in Industrie und öffentlichem Sektor beschleunigt werden. Plattformen wie Langdock könnten genau in dieses Bild passen.
Judith Dada als Co-Chefin
Seit September leitet Judith Dada das Unternehmen gemeinsam als Co-Chefin. Die 34-Jährige war zuvor im Venture Capital tätig und führte die bislang einzige Finanzierungsrunde von Langdock an. Den Wechsel auf die operative Seite vollzog sie bewusst.
Dada studierte an der LMU München und in Oxford, anschließend absolvierte sie einen Zusatzstudiengang am Center for Digital Technology and Management, einem Gemeinschaftsprogramm von TU München und LMU. In ihrem Jahrgang saßen spätere Gründer von Personio und Trade Republic. Danach arbeitete sie bei Facebook in Dublin und betreute dort den globalen Amazon-Account. Anschließend wechselte sie ohne klassische Erfahrung ins Wagniskapital, zu La Famiglia.
Die eigene Herkunft beschreibt Dada als prägend. Ihr Vater kam vor 36 Jahren als Asylsuchender aus Nigeria nach Deutschland, die Mutter arbeitete als Kindergärtnerin. Beide Elternteile haben nicht studiert. Dada beschreibt hohe Erwartungen als formend für ihren Ehrgeiz.
Officepflicht und Pendeln
Langdock schreibt Präsenz im Büro vor. In einer Branche, in der Remote-Arbeit als Standard gilt, ist das eine Ausnahme. Dada begründet das mit dem Wachstumsstadium des Unternehmens: Teamkohäsion in frühen Phasen erfordere physische Nähe.
Dada selbst pendelt wöchentlich zwischen Rügen und Berlin, wo sie mit ihrer Familie lebt. Die Distanz zum Berliner Startup-Betrieb beschreibt sie als Voraussetzung für ihre Leistungsfähigkeit, nicht als Kompromiss.
Was das Wachstum bedeutet
Bis Ende des Jahres soll die Mitarbeiterzahl von 50 auf 100 steigen. Der juristische Stammsitz wird aus den USA nach Europa verlegt. Langdock bereitet sich damit auf europäische Unternehmenskunden und die regulatorischen Anforderungen des EU-KI-Gesetzes vor.
Dada war außerdem Gast bei einer Klausur der Bundesregierung, bei der es um Impulse für den Digitalstandort Deutschland ging.
Fazit
Langdock zeigt, dass im KI-Markt nicht nur Unternehmen mit Milliardenbewertungen mitspielen. Ein klar definiertes Produktmodell, niedrige Kapitalaufnahme und schnelles Umsatzwachstum sind eine mögliche Alternative zur klassischen Hochfinanzierungsstrategie.


