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10. August 2026 · Ausgabe 08/26 Immer aktuell
Personal & Team

Gehaltstransparenz steigert nicht automatisch die Leistung

Offene Gehaltsdaten im Team klingen nach fairer Führung, können aber das Gegenteil bewirken. Was Studien und Berater dazu sagen, und was das für kleine Unternehmen bedeutet.

Gehaltstransparenz steigert nicht automatisch die Leistung
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

SAP-Chef Christian Klein hat sich kürzlich für radikale Transparenz ausgesprochen: Mitarbeiter sollen wissen, was Kollegen verdienen und warum. Der Gedanke ist nachvollziehbar. Die Forschungslage ist allerdings deutlich nüchterner.

Was Transparenz wirklich bewirkt

Die Ökonomen Zoë Cullen und Ricardo Perez-Truglia haben in mehreren Feldstudien untersucht, wie Beschäftigte auf Gehaltsinformationen reagieren. Das Ergebnis ist eindeutig: Wer erfährt, dass ein Kollege mit vergleichbaren Aufgaben mehr verdient, fühlt sich ungerecht behandelt. Das demotiviert. Die Leistung sinkt.

Anders sieht es aus, wenn jemand merkt, dass Vorgesetzte deutlich mehr verdienen als angenommen. Dann steigt die Motivation, weil der Aufstieg attraktiver wirkt. Gehaltstransparenz hat also je nach Richtung des Vergleichs gegensätzliche Effekte.

Nils Cornelissen, Geschäftsführer der Beratung Return on Meaning und seit 25 Jahren im Coaching von Führungskräften tätig, berichtet, dass er noch nie erlebt hat, wie Gehaltstransparenz die Leistung im Team erhöht hat. Was er dagegen häufig beobachtet: Der Fokus verschiebt sich. Mitarbeiter wollen dann nicht mehr leisten, sondern schlicht mehr verdienen.

Was das für kleine Unternehmen bedeutet

Wer ein Unternehmen mit unter zwanzig Mitarbeitern führt, hat kaum Spielraum für Reibungsverluste. Ein demotiviertes Team trifft kleine Betriebe härter als Konzerne. SAPs Argumentation setzt eine Struktur voraus, in der Gehälter klar begründbar und intern vergleichbar sind. Diese Voraussetzung fehlt in vielen kleinen Unternehmen.

Managementberater Andreas Buhr, der seit mehr als 30 Jahren Führungskräfte im Mittelstand und in Dax-Konzernen berät, bringt es auf den Punkt: Gleichbehandlung in der Mitarbeiterführung ist ungerecht. Wer alle gleich behandelt, nimmt den Leistungsträgern die Perspektive. Die suchen dann das Weite.

Recruiting ist Chefsache

Buhr betont, dass Leistungskultur nicht mit dem Gehaltszettel anfängt, sondern mit der Einstellung. Die Auswahl der Mitarbeiter ist laut ihm Aufgabe der Unternehmensführung. Wer im Team auch nur eine Person hat, die nörgelt oder sich dauerhaft verweigert, zieht die Stimmung der gesamten Gruppe nach unten.

Das ist kein Luxusproblem für Großkonzerne. Gerade in kleinen Teams wirkt jede Einzelperson überproportional stark auf das Klima. Wer beim Recruiting nachlässig ist, zahlt den Preis später täglich.

Feedback ja, Gehaltsvergleich nein

Klares Feedback zur Leistung ist sinnvoll. Darin hat Christian Klein grundsätzlich recht. Mitarbeiter brauchen zu wissen, wo sie stehen und was von ihnen erwartet wird. Das ist keine Frage von Konzernkultur, sondern von grundlegender Führungsarbeit.

Cornelissen beobachtet, dass viele Führungskräfte kritische Rückmeldungen scheuen. Das ist ein Fehler. Wer Probleme nicht anspricht, löst sie nicht. Gleichzeitig warnt er vor übertriebener Fürsorge: Mitarbeiter brauchen Unterstützung, keine Chefs, die ihre Aufgaben übernehmen. Nur so entwickeln sie sich weiter.

Vorbildfunktion unterschätzen ist riskant

Buhr nennt noch einen Faktor, der in der Debatte oft fehlt: Führungskräfte können nur einfordern, was sie selbst bereit sind zu leisten. Wer vom Team Einsatz verlangt, aber freitags früh verschwindet, verliert schnell die Autorität. Mitarbeiter bemerken solche Widersprüche und ziehen ihre Schlüsse daraus.

Fazit

Gehaltstransparenz ist kein einfaches Mittel für mehr Leistung. Die Forschung zeigt: Sie kann genau das Gegenteil bewirken. Für Gründerinnen und Gründer mit kleinen Teams lautet die praktische Konsequenz: klares Feedback zur Leistung einführen, differenziert fördern und fordern, beim Recruiting keine Kompromisse eingehen.

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