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15. August 2026 · Ausgabe 08/26 Immer aktuell
Personal & Team

Fahrradwerkstätten suchen Personal – und finden es kaum

Der Fahrradmarkt hat seinen Corona-Boom verdaut, doch in den Werkstätten fehlen Fachkräfte. Wer ein Handwerksunternehmen führt, kennt das Problem.

Fahrradwerkstätten suchen Personal – und finden es kaum
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

Der Fahrradmarkt hat sich nach dem Pandemie-Hoch wieder auf rund 3,8 Millionen verkaufte Räder pro Jahr eingependelt. Das Niveau liegt damit knapp unter dem Vorkrisenwert von etwa 4 Millionen. Für Betriebe, die Verkauf und Werkstatt kombinieren, ist das eine nüchterne Zahl. Die eigentliche Herausforderung liegt woanders: in den Werkstätten.

Vorlaufzeiten von bis zu zwölf Wochen

Oliver Claus leitet seit 1987 das Geschäft Fahrrad Claus im hessischen Trebur. Er ist außerdem Vorsitzender des Prüfungsausschusses Zweiradmechatroniker der Handwerkskammer Frankfurt Rhein-Main. Seine Werkstatt hat Wartezeiten von vier bis sechs Wochen für planbare Wartungen. In der Hochsaison können es auch zwölf Wochen sein.

Das ist kein Einzelfall. Laut einer Umfrage des Komponentenherstellers Shimano stößt jeder zweite Deutsche bei der Wartung oder Reparatur seines Rads auf Hindernisse. Jeder Dritte nennt lange Wartezeiten als Grund.

Der Grund ist strukturell: Es gibt zu wenig qualifiziertes Personal und zu wenig Betriebe, die ausbilden.

Fachkräftemangel ohne schnelle Lösung

Claus beschreibt das Problem direkt: Wer morgen jemanden einstellen wollte, würde nicht schnell fündig. Die Ausbildungszahlen sind zwischenzeitlich gestiegen, liegen inzwischen aber wieder auf dem alten Niveau. Der strukturelle Mangel bleibt bestehen.

Viele Unternehmen bilden nicht aus. Sie versuchen stattdessen, fertige Fachkräfte von der Konkurrenz abzuwerben. Das entlastet den Einzelnen kurzfristig, verschärft aber den Gesamtmangel.

Hinzu kommt ein Preisproblem. Werkstätten rechnen ihre Stundensätze oft zu niedrig ab. Wer unter Marktpreis arbeitet, kann keine fairen Löhne zahlen. Wer keine fairen Löhne zahlt, hält kein Personal. Das ist bekannt, in vielen Betrieben aber noch nicht angekommen.

Was das für kleine Betriebe bedeutet

Wer ein kleines Handwerksunternehmen führt, kennt diesen Mechanismus aus anderen Branchen. Die Fahrradwerkstatt ist kein Sonderfall. Sie zeigt, was passiert, wenn Stundensätze und Ausbildungsinvestitionen dauerhaft zu niedrig bleiben.

Einige Betriebe ziehen die Konsequenz und spezialisieren sich vollständig auf Werkstattleistungen. Sie geben den Fahrzeugverkauf auf. Das kann funktionieren, wenn die Auslastung stimmt und die Preise entsprechend kalkuliert sind.

Ausbildung als Mittel gegen den Mangel

Wer selbst ausbildet, hat langfristig mehr Kontrolle über seinen Personalbestand. Das kostet Zeit und Geld, ist aber eine der wenigen verlässlichen Antworten auf den Fachkräftemangel in handwerksnahen Berufen.

Claus setzt auf Ausbildung kombiniert mit einem guten Betriebsklima und fairer Bezahlung. Das setzt voraus, dass die eigene Preisgestaltung ausreichend Spielraum lässt.

Fazit

Der Fahrradmarkt normalisiert sich nach dem Pandemie-Boom. Das ist keine Krise, sondern eine Korrektur. Die eigentliche Schwachstelle vieler Betriebe liegt nicht im Absatz, sondern in der Werkstattkapazität und beim Personal. Wer einen Handwerksbetrieb führt, sollte Stundensätze realistisch kalkulieren und Ausbildung nicht als freiwillige Kür behandeln. Sonst bleibt der Mangel, auch wenn die Nachfrage steigt.

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