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06. Oktober 2026 · Ausgabe 10/26 Immer aktuell
Personal & Team

Azubis und Geld: Was kleine Betriebe konkret tun können

80 Prozent der Jugendlichen lernen in der Schule kaum etwas über Finanzen. Ausbildungsbetriebe können diese Lücke mit wenigen gezielten Einheiten schließen, ohne Anlageberatung zu betreiben.

Azubis und Geld: Was kleine Betriebe konkret tun können
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

Der erste Gehaltszettel ist für viele Azubis ein Dokument voller Fragezeichen. Oben steht ein Betrag, der vielversprechend wirkt. Unten landet deutlich weniger auf dem Konto. Was dazwischen passiert, verstehen viele junge Menschen nicht. Das ist kein Vorwurf, sondern ein Befund. Laut einer Studie des Bankenverbands geben 80 Prozent der 14- bis 24-Jährigen an, in der Schule nur wenig oder so gut wie gar nichts über Wirtschaft und Finanzen gelernt zu haben.

Was Azubis nicht wissen

Die Wissenslücken sind konkret. 37 Prozent der befragten Jugendlichen wissen nicht, was betriebliche Altersvorsorge bedeutet. Das ist ein Modell, bei dem der Arbeitgeber einen Teil des Gehalts direkt in eine Altersversorgung einzahlt, steuer- und sozialabgabenbegünstigt. Mehr als ein Viertel der Befragten weiß nicht, was eine Aktie ist.

Das bedeutet nicht, dass junge Menschen grundsätzlich schlecht mit Geld umgehen. Es bedeutet, dass ihnen ein alltagsnahes Grundverständnis fehlt. Das fällt genau dann auf, wenn sie zum ersten Mal eigenes Geld verdienen und eigene Entscheidungen treffen müssen.

Was Betriebe leisten können, ohne Anlageberater zu sein

Ausbildungsbetriebe müssen keine Finanzberatung anbieten. Das ist auch rechtlich nicht ihre Rolle. Aber sie können erklären, informieren und Fragen beantworten. Wer den ersten Gehaltszettel gemeinsam mit den Azubis durchgeht, betreibt bereits praktische Finanzbildung.

Die Grenze ist wichtig: Der Betrieb ist nicht die Bank. Er empfiehlt keine Produkte, kein Depot, keine Versicherung. Er erklärt, wie das Gehaltssystem funktioniert, und ermutigt dazu, bei Bedarf unabhängige Beratung aufzusuchen.

Für kleine Betriebe mit wenigen Azubis ist das kein großer Aufwand. Drei kurze Einheiten reichen, um die wichtigsten Grundlagen zu legen.

Drei Lerneinheiten, die sich in den Alltag integrieren lassen

Einheit eins: Die erste Gehaltsabrechnung

Direkt beim Ausbildungsstart lohnt sich ein gemeinsamer Blick auf eine anonymisierte Musterabrechnung. Azubis können selbst herausfinden, wo Brutto und Netto stehen. Sie sehen, welche Beiträge in die Sozialversicherung fließen: Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Sie lernen, welche Leistungen dahinterstecken.

Das dauert keine Stunde. Es schafft aber ein Grundverständnis, das für den Rest der Ausbildung trägt.

Einheit zwei: Budgetplanung im Alltag

Nach den ersten Wochen mit eigenem Einkommen ist der Moment günstig, über Haushaltsplanung zu sprechen. Wie viel bleibt nach fixen Kosten wie Miete, Fahrtkosten und Versicherungen übrig? Wie plant man realistische Ausgaben? Was passiert, wenn unerwartete Kosten kommen?

Hier helfen einfache Tabellen oder kostenlose Haushaltsbuch-Apps. Der Betrieb muss kein Tool empfehlen, aber er kann den Impuls geben, sich das Thema einmal strukturiert anzuschauen.

Einheit drei: Schuldenprävention

Ratenkäufe, Handyverträge auf Pump, Konsumentenkredite: Junge Menschen werden früh mit Angeboten konfrontiert, die kurzfristig attraktiv wirken. Eine kurze Einheit dazu, wie Zinsen funktionieren und wie schnell sich kleine Schulden aufaddieren, kann mehr bewirken als jede spätere Beratung.

Dabei geht es nicht um Verbote oder Bevormundung. Azubis sollen verstehen, was sie unterschreiben, bevor sie es tun.

Was das für Ihren Betrieb bedeutet

Finanzbildung im Betrieb braucht kein eigenes Programm. Es sind drei kurze Gespräche an den richtigen Momenten: der erste Gehaltszettel, die ersten Wochen mit eigenem Budget, der erste Kreditvertrag.

Das Bundesministerium der Finanzen hat einen Referentenentwurf für eine nationale Finanzbildungsstrategie vorgelegt. Betriebe sind dabei ein naheliegender Ort, weil sie junge Menschen in genau dem Moment erreichen, in dem Finanzkompetenz erstmals gebraucht wird.

Wer Azubis gut ausbildet, bildet sie auch für den Alltag aus. Azubis, die ihre eigene finanzielle Situation verstehen, kommen stabiler durch die Ausbildung.

Fazit

Kleine Betriebe müssen keine Finanzakademie aufbauen. Drei kurze, gezielte Einheiten reichen: erste Gehaltsabrechnung, Budgetplanung, Schuldenprävention. Wer das anbietet, schließt eine Lücke, die Schule und Elternhaus oft offen lassen. Der Aufwand ist gering, der Nutzen für die Azubis real.

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