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06. August 2026 · Ausgabe 08/26 Immer aktuell
Personal & Team

Ausbildungsmarkt 2026: Zu viele Bewerber, zu viele freie Stellen

Weniger Betriebe bilden aus, aber 84.000 Jugendliche suchen vergeblich einen Platz. Wer als kleines Unternehmen jetzt ausbildet, hat einen echten Vorteil.

Ausbildungsmarkt 2026: Zu viele Bewerber, zu viele freie Stellen
Symbolbild zur Meldung. Bild: KI-generiert

Der deutsche Ausbildungsmarkt liefert 2026 ein widersprüchliches Bild. Das Angebot an Ausbildungsplätzen ist geschrumpft, gleichzeitig bleibt fast jede dritte Stelle unbesetzt. Für kleine Unternehmen bedeutet das: Wer jetzt ausbildet, bewegt sich in einem Markt mit wenig Konkurrenz.

Die Zahlen im Überblick

Im Jahr 2025 wurden laut Berufsbildungsbericht 2026 rund 476.700 neue duale Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das sind 2,1 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Das Stellenangebot sank noch stärker: um 4,6 Prozent auf 530.300 Stellen.

Zum Ende des Berichtszeitraums standen rund 84.000 Bewerberinnen und Bewerber ohne Ausbildungsplatz. Das ist ein Anstieg von über 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig blieben 54.400 Stellen unbesetzt.

Eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt: 30 Prozent aller angebotenen Ausbildungsplätze konnten nicht besetzt werden. Das sind fünf Prozentpunkte weniger als in den beiden Vorjahren, aber immer noch ein hoher Wert.

Weniger Betriebe bilden überhaupt noch aus

Die Ausbildungsbeteiligung der Betriebe ist gesunken. Nur noch 55 Prozent der ausbildungsberechtigten Betriebe haben 2025 tatsächlich ausgebildet. Bezogen auf alle Betriebe in Deutschland sind es 29 Prozent.

Das hat Folgen für Jugendliche, die einen Platz suchen. Es hat aber auch Folgen für Unternehmen, die in zwei oder drei Jahren qualifizierte Mitarbeiter brauchen.

IAB-Forscherin Barbara Schwengler beschreibt das Problem: Trotz steigender Bewerberzahlen bleibt die Nichtbesetzungsquote hoch. Jugendliche und Betriebe finden schlicht nicht zueinander.

Warum Betriebe zurückhaltend sind

Der wichtigste Grund ist die wirtschaftliche Lage. Unsichere Geschäftsaussichten führen dazu, dass Betriebe keine neuen Verträge abschließen und Absolventen seltener übernehmen. Besonders betroffen ist das verarbeitende Gewerbe.

Die Übernahmequote nach der Ausbildung fiel 2025 auf 75 Prozent. 2024 hatte sie mit 79 Prozent noch einen Rekordwert erreicht. Im verarbeitenden Gewerbe sank sie um fünf Prozentpunkte auf 77 Prozent.

Andere Branchen stehen besser da. In Bergbau, Energie- und Wasserversorgung sowie im Finanz- und Versicherungssektor wurden rund 90 Prozent der Auszubildenden übernommen.

Handwerk holt auf

Während viele Branchen schwächeln, gewinnt das Handwerk an Boden. Junge Menschen entscheiden sich häufiger für handwerkliche Berufe. Das gilt auch im Vergleich zur IT-Branche, die in den vergangenen Jahren viele Bewerber angezogen hatte.

Der Grund dürfte pragmatisch sein: Handwerkliche Tätigkeiten lassen sich durch KI-Systeme schwerer ersetzen als viele Bürotätigkeiten. Das verändert die Berufswahlrechnung für viele Jugendliche.

Was das für kleine Betriebe bedeutet

Kleine Unternehmen mit bis zu 20 Mitarbeitern stehen vor einer konkreten Entscheidung. Ausbildung kostet Zeit und Geld. Sie ist aber auch eine der wenigen Möglichkeiten, Nachwuchs gezielt aufzubauen, ohne im Wettbewerb um fertig ausgebildete Fachkräfte zu stehen.

Wer ausbildungsberechtigt ist und eine offene Stelle hat, trifft derzeit auf deutlich mehr Bewerber als in den Vorjahren. Die Konkurrenz unter den Ausbildungsbetrieben ist gesunken, weil viele zurückgerudert sind.

Gleichzeitig gilt: Wer ausbildet, muss am Ende auch übernehmen können. Eine Ausbildung, die mit einer Absage endet, hinterlässt Spuren. Sie schädigt den Ruf als Arbeitgeber, gerade in kleinen Märkten oder regionalen Branchen.

Fazit

Der Ausbildungsmarkt 2026 ist kein Selbstläufer, weder für Jugendliche noch für Betriebe. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage ist größer geworden. Kleine Unternehmen, die ausbilden wollen und können, finden gerade günstige Bedingungen vor: mehr Bewerber, weniger Mitbewerber. Wer die nächsten Jahre plant, sollte das einkalkulieren.

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