LinkedIn markiert KI-Posts: Was das für euren Feed bedeutet
LinkedIn führt einen Button ein, mit dem Nutzer Beiträge als minderwertigen KI-Content kennzeichnen können. Was mit markierten Posts passiert, lässt die Plattform bislang offen.

LinkedIn rollt eine neue Funktion aus, die für alle relevant ist, die die Plattform für Marketing oder Recruiting nutzen. Nutzer können Beiträge künftig mit dem Label "Scheint ein KI-Slop zu sein" markieren. Der Button erscheint im Drei-Punkte-Menü eines Beitrags, direkt über der klassischen Meldefunktion. Bei einem Teil der Nutzer ist er bereits aktiv.
Was KI-Slop auf LinkedIn bedeutet
Der Begriff Slop kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Brühe oder Nassmüll. Im Kontext von Social Media meint er Inhalte, die mit minimalem Aufwand per KI produziert wurden. LinkedIn definiert KI-Slop in einem Hilfe-Artikel so: Inhalte, die wahrscheinlich von einer KI generiert wurden, oberflächlich ausgefeilt wirken, aber keinen klaren Standpunkt und keine eigene Perspektive haben.
Für alle, die KI-Tools für ihre Posts verwenden: LinkedIn richtet sich ausdrücklich nicht gegen jeden KI-gestützten Text. Hari Srinivasan, Chief Product Officer von LinkedIn, formulierte es so: Viele Menschen verfeinten ihre Gedanken mit KI-Hilfe. Das sei kein Problem. Das Problem sei Content, der unecht klingt und keine Substanz hat.
Die Grenze bleibt unscharf. LinkedIn selbst räumte ein, dass eine saubere Definition schwer ist. KI-Trainer Alex Januschewsky bemängelt genau das: Das Unternehmen baue ein Meldesystem für einen Tatbestand, den es nicht klar definieren könne. Die Bewertung liege bei Nutzern, die KI-Text im Durchschnitt kaum besser erkennten als per Münzwurf.
Was nach einer Markierung passiert
LinkedIn hat auf konkrete Fragen keine vollständige Antwort gegeben. Die offizielle Aussage einer Unternehmenssprecherin lautet: Es handele sich nicht um eine Meldung eines Regelverstoßes. Der Button signalisiere dem Mitglied selbst, dass es an diesem Inhalt kein Interesse hat. Der Beitrag verschwindet aus dem Feed dieser Person.
Das Feedback fließe in den Algorithmus ein. LinkedIn lerne daraus, welche Inhalte Mitglieder schätzten. Was das konkret für die Reichweite eines markierten Beitrags bedeutet, ließ LinkedIn unbeantwortet. Ob häufige Markierungen die organische Reichweite senken, bleibt offiziell offen. Bei anderen Plattformen gilt als Standard, dass negative Signale die Reichweite reduzieren.
Werden Beitragsinhaber informiert?
Derzeit nicht. Wenn ein Post als KI-Slop markiert wird, erfahren das die Verfasser nicht automatisch. Srinivasan kündigte an, dass LinkedIn testen wolle, Beitragsinhaber künftig zu informieren. Ausgerollt ist das noch nicht.
Was bei Falschmarkierungen passiert, hat LinkedIn ebenfalls nicht beantwortet. Ein Einspruchs- oder Korrekturverfahren ist bisher nicht bekannt.
Was das für LinkedIn-Marketing bedeutet
Wer LinkedIn für Employer Branding, Kundengewinnung oder Sichtbarkeit nutzt, sollte die Funktion ernst nehmen. Sie ist bereits bei einem Teil der Nutzer aktiv und wird weiter ausgerollt.
Generische Texte ohne erkennbare Haltung oder Kontext sind ein Risiko. Posts, die nach Schema F aufgebaut sind, Floskeln aneinanderreihen und keine eigene Position zeigen, sind genau das, was der Button adressiert. Das gilt unabhängig davon, ob KI genutzt wurde oder nicht.
Wer KI-Tools für Posts einsetzt, sollte den Output erkennbar überarbeiten. Eigene Zahlen, konkrete Situationen, eine klare Aussage schützen vor algorithmischen Nachteilen.
Fazit
Der neue KI-Slop-Button ist technisch noch unfertig. Die Definition ist unscharf, Konsequenzen für Beitragsinhaber sind nicht transparent kommuniziert. Die Richtung ist dennoch klar: Die Plattform bestraft generischen Masseninhalt algorithmisch. Für Gründerinnen und Gründer mit begrenzten Ressourcen heißt das: Weniger Posts mit mehr Substanz sind wirkungsvoller als viele austauschbare Texte. Das war vor diesem Update bereits so. Jetzt hat es auch messbare Konsequenzen.


