Googles KI-Suche zeigt Ihre Marke – unkontrolliert
Wer auf Google nach einer Marke sucht, sieht immer öfter zuerst eine KI-Zusammenfassung. Die bezieht ihre Informationen nicht nur aus Quellen des Unternehmens selbst.

Googles AI Overviews erscheinen bei markenbezogenen Suchanfragen inzwischen in der großen Mehrheit der Fälle. In den USA lösten im September 73,3 Prozent der markenbezogenen Desktop-Suchanfragen eine solche KI-Übersicht aus. Im Juli waren es noch 61,3 Prozent. Das zeigt eine Analyse des SEO-Tools Ahrefs. Für Unternehmen hat das direkte Konsequenzen.
Was AI Overviews bei Markensuchen bedeuten
Ein Nutzer sucht auf Google nach einem Unternehmens- oder Markennamen. Bevor er die Website sieht, liest er eine automatisch generierte Zusammenfassung. Google baut diese aus mehreren Quellen zusammen, nicht nur aus der eigenen Website, sondern auch aus Artikeln, Videos und Beiträgen Dritter.
SEO-Experte Chris Long testete Ende September 2026 auf der Plattform X, bei wie vielen Marken AI Overviews auftauchen. Sein Ergebnis: bei 93 Prozent der getesteten Marken. Darunter bekannte Namen wie Adobe, Salesforce und Amazon. Das lässt sich auch in Deutschland und auf Mobilgeräten beobachten.
Laut der Ahrefs-Analyse tauchen in den USA bei markenbezogenen AI Overviews besonders häufig Inhalte von Wikipedia, YouTube und LinkedIn auf. Die eigene Website ist damit nur eine Quelle unter mehreren.
Das Problem: Der Erstkontakt liegt nicht mehr in eigener Hand
Bislang galt: Wer den eigenen Markennamen googelt, landet meist direkt auf der Unternehmenswebsite oder sieht zumindest bezahlte Anzeigen des Unternehmens ganz oben. Anzeigen basieren auf kontrollierten Botschaften. AI Overviews nicht.
Die KI kann Informationen aus Testberichten, Foren, Nachrichtenartikeln oder Social-Media-Beiträgen einbeziehen. Sind diese Inhalte negativ oder veraltet, spiegelt die Zusammenfassung das wider. Der Nutzer sieht das, bevor er einen einzigen Link angeklickt hat.
Das ist kein theoretisches Szenario. Wer ein Produkt oder eine Dienstleistung anbietet, zu der es kritische Berichterstattung gibt, muss damit rechnen, dass genau diese Inhalte in der AI Overview landen.
Was Unternehmen konkret tun können
Eigene Markenpräsenz in der Google Search Console überwachen
Google bietet in der Search Console einen Filter für markenbezogene Suchanfragen. Der Filter unterscheidet zwischen Anfragen mit und ohne Markennamen und zeigt auch Tipp- und Schreibfehler des Markennamens sowie Produktnamen. So lässt sich erkennen, wie Nutzer suchen und wie die eigenen Seiten dabei abschneiden.
Ohne diese Daten ist unklar, was Nutzer sehen, wenn sie nach einer Marke suchen.
Drittquellen ernst nehmen
Welche Inhalte über eine Marke im Netz existieren, lohnt sich zu prüfen. Bewertungsportale, Branchenartikel, YouTube-Videos und LinkedIn-Beiträge können in AI Overviews auftauchen, wenn sie dort prominent platziert sind.
Negative oder falsche Inhalte lassen sich nicht einfach löschen. Gegensteuern lässt sich mit eigenen, klar strukturierten Inhalten, die Google als verlässliche Quelle erkennt. Strukturierte Daten auf der Website helfen dabei, ebenso klare Unternehmensseiten, Produktbeschreibungen und Pressemitteilungen.
Sichtbarkeit in KI-Antworten aktiv gestalten
Was als Generative Engine Optimization oder kurz GEO bezeichnet wird, beschreibt den Versuch, in KI-gestützten Suchantworten präsent zu sein. Das funktioniert ähnlich wie klassisches SEO, mit anderen Schwerpunkten: Faktische Genauigkeit, klare Strukturen und zitierfähige Formulierungen auf der eigenen Website erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Google die eigenen Quellen bevorzugt.
Für kleine Unternehmen heißt das konkret: Die eigene Website muss klar erklären, was das Unternehmen macht, welche Produkte es hat und was es von anderen unterscheidet. Nicht nur für menschliche Leser, sondern auch für die Maschine.
Fazit
AI Overviews bei Markensuchen sind für die meisten Marken bereits Realität. Wer sein Unternehmen online aufbaut, muss damit rechnen, dass der erste Eindruck bei Google nicht mehr automatisch selbst gestaltet wird. Einfluss behält, wer die eigene Informationslage im Netz konsequent pflegt und Drittquellen im Blick behält. Wer das ignoriert, überlässt die eigene Markendarstellung dem Zufall.


