Event statt Anzeige: So wollen diese Gründer erste Nutzer gewinnen
CircleRecs plant ein Berliner Launch-Event für rund 15 Creator, um den ersten Akquisekanal zu testen. Das Budget: bis zu 10.000 Euro, der Sponsor noch gesucht.

Das Produkt ist fertig. Jetzt fehlen die Nutzer. Garry Lazovskis und Minh Vu Ngo stehen vor dem Problem, das fast jedes junge Unternehmen kennt. Ihre Antwort ist ungewöhnlich: Sie laden Creator zu einer Party ein.
Was CircleRecs ist und was es lösen soll
CircleRecs ist eine Empfehlungsapp für Bars und Restaurants. Die App soll eine Lücke schließen, die zwischen Google Maps und sozialen Netzwerken besteht. Bei Google Maps dominieren anonyme Bewertungen und erkaufte Sterne. Bei Instagram und TikTok verschwinden Restauranttipps in alten Beiträgen.
CircleRecs setzt auf persönliche Empfehlungen. Nutzer können Orte privat mit Freunden teilen oder öffentlichen Creators folgen. Deren Lieblingsrestaurants sind dann als durchsuchbare Liste abrufbar, nicht vergraben in einem Post von vor zwei Jahren.
Für Creator hat das einen praktischen Vorteil. Sie müssen ihre Empfehlungen nicht mehr in Einzelvideos, Stories oder Highlights erklären. Eine kuratierte Liste ersetzt das alles.
Das Event als erster Vertriebskanal
Lazovskis und Ngo sind Fellows des zehnjährigen Startup-Fellowships, das Gründerszene in Berlin durchführt. Alle entstehenden Produkte gehören zu Axel Springer. Das Programm begleitet Teams von der Idee bis zum ersten Produkt.
Rund 15 Creator aus den Bereichen Food, Lifestyle und Travel haben bereits Interesse an CircleRecs signalisiert. Am 3. September sollen diese Creator nach Berlin kommen, die App live ausprobieren und ihre Lieblingsrestaurants direkt eintragen.
Das ist kein Networking-Abend. Es ist ein Vertriebstest. Die Gründer wollen prüfen, ob persönliche Kontakte zu einem funktionierenden Akquisekanal werden können. Creator gewinnen, sie auf der Plattform aktivieren, später weitere Events und Kooperationen mit ihnen organisieren: Das ist das Prinzip.
Budget und offene Fragen
CircleRecs kalkuliert mit 5.000 bis 10.000 Euro für das Event. Darin enthalten sind Location, Essen, Getränke und ein Rahmenprogramm. Als mögliche Location ist das Papillon in Berlin im Gespräch.
Einen Teil dieser Kosten wollen die Gründer über einen Sponsor abdecken. Gesucht wird ein exklusiver Partner, der als einzige Marke sichtbar ist. Ob und wie das gelingt, ist offen.
Was das für andere Gründer bedeutet
Der Ansatz von CircleRecs folgt einer Logik, die für bestimmte Produkte funktionieren kann. Wer eine Plattform baut, die von einer bestimmten Nutzergruppe lebt, muss genau diese Gruppe zuerst gewinnen. Creator, die ihre Empfehlungen auf CircleRecs eintragen, machen die App für Follower interessant. Ohne diese ersten Inhalte bleibt die Plattform leer.
Events als Akquisekanal haben einen klaren Nachteil: Sie skalieren schlecht. Ein Abend mit 15 Personen kostet bis zu 10.000 Euro. Das ist viel Geld für eine kleine Nutzerbasis. Ob aus diesen 15 Creators eine breitere Reichweite entsteht, hängt davon ab, ob sie die App tatsächlich aktiv nutzen und empfehlen.
Für Gründer mit einer ähnlichen Plattformlogik lohnt sich der Gedanke trotzdem. Wer frühe Nutzer persönlich kennt und einbindet, bekommt direktes Feedback und baut eine Beziehung auf, die klassisches Digitalmarketing nicht liefert.
Fazit
CircleRecs testet mit dem Berliner Event einen Ansatz, der zwischen Vertrieb und Produktentwicklung liegt. Das Budget ist erheblich, der Ausgang ungewiss. Wer ein Produkt hat, das auf eine bestimmte Nutzergruppe angewiesen ist, sollte früh herausfinden, ob diese Gruppe wirklich mitmacht. Ein Event ist dafür teuer, aber direkt. Ob es reicht, zeigt der 3. September.


