ChatGPT Ads: OpenAI gibt Selbstbuchung in Deutschland frei
Seit dem 31. August können Werbetreibende in Deutschland ChatGPT-Anzeigen ohne Agentur direkt im Ads Manager buchen. Was das konkret kostet und was Gründer jetzt wissen müssen.

OpenAI öffnet seinen Ads Manager für Deutschland, Österreich, die Schweiz und 28 weitere europäische Märkte. Ab sofort können Unternehmen Werbekampagnen auf ChatGPT eigenständig buchen, ohne eine Agentur einzuschalten. Der Zugang läuft zunächst als Betaversion.
Was der Schritt bedeutet
Bislang brauchten Werbetreibende außerhalb der USA entweder Agenturpartner oder direkte Kontakte zu OpenAI. Das ändert sich mit dem Self-Serve Ads Manager. Wer ein Konto anlegt, kann Kampagnen selbst aufsetzen, steuern und abrechnen.
ChatGPT hat nach Unternehmensangaben mehr als 900 Millionen monatlich aktive Nutzerinnen und Nutzer. OpenAI gibt an, dass 20 Prozent aller Gespräche auf der Plattform eine kommerzielle Absicht haben. Käufe, Produktrecherchen und Dienstleistervergleiche sind Kontexte, in denen Anzeigen erscheinen können.
Die Buchung läuft über ein Konto im Ads Manager. OpenAI beschreibt fünf Schritte: Team einladen, Konto erstellen, Onboarding abschließen, Kontodaten ergänzen, Abrechnung einrichten. Der eigentliche Aufwand liegt in der Kampagnenplanung.
Kosten und Abrechnung
OpenAI bietet zwei Abrechnungsmodelle an: CPM (Kosten pro 1.000 Impressionen) und CPC (Kosten pro Klick). Werbetreibende legen im Ads Manager Höchstgebote fest. Für CPC-Kampagnen empfiehlt OpenAI zum Einstieg ein Maximalgebot von 3 bis 5 US-Dollar pro Klick.
Zu Beginn des Jahres lagen die Kosten für 1.000 Impressionen noch bei rund 60 US-Dollar. OpenAI gibt an, dass die durchschnittlichen Kosten pro Kauf in den vergangenen sechs Wochen um rund 60 Prozent gesunken sind, die Kosten pro 1.000 Impressionen um rund 20 Prozent. Diese Zahlen stammen aus Eigenangaben des Unternehmens und sind nicht unabhängig geprüft.
Für den Mobile-Bereich gibt es eine Kooperation mit AppsFlyer. Damit lassen sich App-Kampagnen messen und auswerten.
Was ChatGPT Ads von Google und Meta unterscheidet
Bei Google und Meta bucht man Anzeigen über Keywords oder Zielgruppenmerkmale. ChatGPT zeigt Anzeigen im Gesprächskontext, also abhängig davon, worüber ein Nutzer gerade mit der KI spricht. OpenAI nennt das Prinzip "Context Hints". Wer nach einem Steuerberater fragt, bekommt möglicherweise eine Anzeige für einen Anbieter in der Nähe zu sehen.
Das ist ein anderes Modell als klassische Suchmaschinenwerbung. Ob es für kleine Budgets genauso messbar und steuerbar ist, lässt sich nach wenigen Tagen Betabetrieb noch nicht sagen. OpenAI plant Verbesserungen bei Messung und Gebotssteuerung.
Für wen das jetzt relevant ist
Wer einen Onlineshop betreibt oder Dienstleistungen online vermarktet, sollte den Ads Manager im Blick behalten. Der Self-Serve-Zugang macht die Plattform auch für kleinere Budgets testbar, ohne eine Agentur zwischenzuschalten.
Weniger als 200 Tage nach dem Start meldet OpenAI mit ChatGPT Ads eine Jahresumsatzrate von einer Milliarde US-Dollar. Zehntausende Werbetreibende sollen die Plattform laut Unternehmensangaben bereits nutzen.
Gleichzeitig ist Vorsicht angebracht. OpenAI ist im digitalen Werbemarkt ein Neuling. Google, Meta und Amazon haben deutlich mehr Daten, etablierte Systeme und Erfahrung. Marktforschungsunternehmen halten das von OpenAI ausgerufene Ziel von 100 Milliarden US-Dollar Werbeumsatz bis 2030 für unrealistisch.
Fazit
Der Self-Serve Ads Manager ist ab sofort für deutsche Werbetreibende in der Betaversion zugänglich. Der Einstieg ist technisch niedrigschwellig. Wer das Format testen will, kann das jetzt mit überschaubarem Aufwand tun. Wer knappes Budget hat, sollte klein anfangen und Ergebnisse genau messen, bevor er skaliert. Die Plattform ist jung, die Messmethoden noch nicht ausgereift.


