Oceanloop: 38,5 Millionen Euro für Zackenbarsch aus deutschen Kreislaufanlagen
Das Kieler Aquakultur-Startup Oceanloop hat eine Finanzierung von bis zu 38,5 Millionen Euro gesichert. Das Geld soll zwei neue Produktionsanlagen für den Giant Grouper finanzieren: eine bei Kiel, eine auf Gran Canaria.

Oceanloop hat eine Finanzierung von bis zu 38,5 Millionen Euro abgeschlossen. Das Unternehmen aus dem Raum Kiel züchtet den Giant Grouper, einen Zackenbarsch, in geschlossenen Wasserkreislaufanlagen an Land. Mit dem Kapital soll die Produktion von derzeit rund 20 Tonnen pro Jahr auf bis zu 2.000 Tonnen wachsen.
Wer investiert und wie viel
Lead-Investor ist der Blue Revolution Fund des Aquakultur-Spezialisten Hatch Blue. Der Fonds verwaltet insgesamt 92 Millionen Euro. Als strategischer Investor steigt Stolt Ventures ein, der Beteiligungsarm des Logistik- und Tankschiffkonzerns Stolt-Nielsen. Den größten Einzelposten stellt die Europäische Investitionsbank: Sie stellt 32 Millionen Euro als sogenannte Venture-Debt-Fazilität bereit, also als Fremdkapital mit Risikocharakter, das typischerweise günstiger ist als reines Eigenkapital.
Die Kombination aus branchenkundigem Investor, strategischem Partner mit Logistikkompetenz und staatlicher Förderbank ist für ein Unternehmen in dieser Phase ungewöhnlich. Aquakultur-Infrastruktur lässt sich damit inzwischen auch institutionell finanzieren.
Was mit dem Geld gebaut wird
Kiel: 250 Tonnen Jahreskapazität ab 2026
Noch bis Ende 2026 soll in Kiel mit dem Bau einer neuen Anlage begonnen werden. Geplante Kapazität: 250 Tonnen Giant Grouper pro Jahr. Die bestehende Anlage im nahe gelegenen Strande läuft bereits seit April 2026 kommerziell, über die Schwestergesellschaft Honest Catch. Für 2027 rechnet Oceanloop mit einer Produktion von rund 40 Tonnen aus dieser Anlage.
Der neue Kieler Standort soll mehr sein als eine reine Fischfarm. Oceanloop plant dort auch Forschung, Softwareentwicklung, Laborleistungen und die Ausbildung von Anlagenbetreibern. Der Standort soll als Referenzanlage für weitere Projekte dienen.
Gran Canaria: 2.000 Tonnen ab 2029
Das größere Projekt liegt in Spanien. Auf Gran Canaria soll eine Anlage mit 2.000 Tonnen Jahreskapazität entstehen. Der Baubeginn ist für 2029 geplant. Oceanloop hat dort bereits eine Tochtergesellschaft und arbeitet an Planung und Standortentwicklung.
Gran Canaria bietet Zugang zu Meerwasser, Potenzial für erneuerbare Energie und gute Anbindung an europäische Absatzmärkte. Die Anlage soll Brüterei, Aufzucht, Verarbeitung und digitales Farmmanagement verbinden.
Warum ausgerechnet Giant Grouper
Der Giant Grouper, wissenschaftlich Epinephelus lanceolatus, ist eine der größten Zackenbarscharten. Auf asiatischen Märkten gilt er als Premiumprodukt. Bislang wird er hauptsächlich in Südostasien und China gezüchtet und nach Europa importiert.
Oceanloop will daraus eine europäische Premiumkategorie entwickeln. Das Argument: kontrollierte Produktion vor Ort, kurze Lieferketten, rückverfolgbare Herkunft. Die Technologie soll aber nicht auf diese eine Art beschränkt bleiben. Das Unternehmen forscht auch an landbasierter Garnelenzucht und will seine Systeme künftig über Lizenzen, Joint Ventures und Partnerschaften international vermarkten.
Was hinter der Technologie steckt
Oceanloop betreibt sogenannte Recirculating Aquaculture Systems, kurz RAS. Das sind geschlossene oder weitgehend geschlossene Kreislaufanlagen, in denen Wasser aufbereitet und wiederverwendet wird. Der Vorteil: weniger Wasserverbrauch, kein Eintrag von Fischkot oder Medikamenten ins Meer, standortunabhängige Produktion.
Die Systeme von Oceanloop sind softwaregesteuert. Sensoren überwachen Wasserqualität, Fütterung und Tiergesundheit. Daten aus dem laufenden Betrieb sollen genutzt werden, um Energieverbrauch und Produktionsleistung weiter zu optimieren. Das Unternehmen positioniert sich damit als Technologieanbieter, nicht nur als Fischzüchter.
Was das für Gründer bedeutet
Oceanloop ist kein typisches Software-Startup. Das Unternehmen hat jahrelang biologische und technische Grundlagenarbeit geleistet, bevor es überhaupt an Skalierung denken konnte. Der kommerzielle Verkauf startete erst im April 2026.
Relevant für andere Gründer ist das Finanzierungsmodell. Die Kombination aus Eigenkapital durch Spezialinvestoren und Fremdkapital über die Europäische Investitionsbank wird bei kapitalintensiven Hardwareprojekten zunehmend genutzt. EIB-Finanzierungen für Wachstumsphasen sind beantragbar, aber aufwändig und setzen eine gewisse Reife des Unternehmens voraus.
Wer in ähnlichen Feldern unterwegs ist, also Hardware, Food Tech oder Infrastruktur, sollte prüfen, ob öffentliche Förderinstitutionen als Fremdkapitalgeber in Frage kommen. Das ersetzt keine Eigenkapitalrunde, kann aber den Verwässerungseffekt begrenzen.
Fazit
Oceanloop geht von einer kleinen Pilotanlage in zwei Schritte: 250 Tonnen in Kiel, 2.000 Tonnen auf Gran Canaria. Ob der Plan aufgeht, hängt von Technik, Markt und Bauzeiten ab. Die Finanzierungsstruktur ist solide, die Investoren sind branchenkundig. Den Giant Grouper als europäisches Premiumprodukt zu etablieren, ist ein ambitioniertes Ziel ohne Präzedenzfall in Europa.


