KI-Phishing: Klickrate verdreifacht, Filter versagen fast komplett
Lokale KI-Modelle machen Phishing-Mails so überzeugend, dass die Erfolgsquote auf zehn Prozent steigt. Gängige Sicherheitssysteme erkennen die Angriffe kaum noch.

Forscher der TU Berlin, des französischen Inria-Instituts und der Ruhr-Universität Bochum haben gemessen, was viele IT-Sicherheitsleute befürchten: KI macht Phishing-Angriffe deutlich gefährlicher. In ihrer Studie stiegen die Klickraten bei personalisierten Phishing-Mails von knapp vier auf rund zehn Prozent. Das entspricht einer Verdreifachung. Das eingesetzte Sicherheitssystem versagte dabei fast vollständig: Von knapp 4.000 KI-generierten Mails schlug der Filter nur bei einer einzigen an.
Was die Angriffe so effektiv macht
Der Kern des Problems ist die Personalisierung. Klassische Phishing-Mails sind generisch. Sie wirken verdächtig, weil sie keinen Bezug zur Empfängerin oder zum Empfänger haben. KI-Modelle ändern das grundlegend.
Die Forschenden nutzten für ihre Versuche keine großen, teuren Sprachmodelle, sondern kleine, lokal betriebene Modelle wie Llama und Mistral. Diese laufen auf handelsüblicher Hardware ohne Cloud-Anbindung. Angreifer hinterlassen damit kaum digitale Spuren.
Die Modelle analysierten öffentlich verfügbare Informationen über Zielpersonen und schrieben daraus individuelle Mails. Name, Berufsfeld, Unternehmen, aktuelle Ereignisse: All das fließt in den Text ein. Das Ergebnis klingt nicht wie Spam, sondern wie eine legitime Nachricht von einem Bekannten oder Geschäftspartner.
Warum das für kleine Unternehmen besonders relevant ist
Große Konzerne haben spezialisierte IT-Sicherheitsteams. Kleine Unternehmen mit null bis zwanzig Mitarbeitern haben das in der Regel nicht. Oft gibt es keine dedizierte IT-Verantwortung, keinen strukturierten Umgang mit verdächtigen Mails und kein Budget für professionelle Sicherheitslösungen.
Trotzdem sind kleine Unternehmen kein unattraktives Ziel. Sie haben Bankzugänge, Kundendaten und oft wenig technische Hürden. Ein einziger Klick auf einen präparierten Link kann reichen: für einen gestohlenen Login, eine Überweisung auf ein falsches Konto oder eine Ransomware-Infektion.
Die Studie zeigt, dass klassische Filter bei KI-generierten Mails weitgehend wirkungslos sind. Wer sich allein auf den Spam-Filter seines E-Mail-Anbieters verlässt, ist nicht ausreichend geschützt.
Was Angreifer konkret tun
KI-Phishing, auch Spear-Phishing genannt, funktioniert in mehreren Schritten. Zuerst sammeln Angreifer Informationen über das Ziel. LinkedIn-Profile, Unternehmenswebsites und Pressemitteilungen liefern oft genug Material. Dann generiert das Sprachmodell eine individuelle Mail, die nicht wie eine Massenanfrage wirkt, sondern wie ein gezieltes Anschreiben.
Weil lokale Modelle wie Llama ohne Internetverbindung laufen, lassen sich solche Angriffe dezentral und ohne nachvollziehbare Server-Infrastruktur durchführen. Das erschwert die Rückverfolgung erheblich.
Was Unternehmen konkret tun können
Technische Maßnahmen
Für kleine Unternehmen empfehlen Sicherheitsexperten den Einsatz von Zwei-Faktor-Authentifizierung für alle relevanten Accounts. Selbst wenn ein Passwort durch einen Phishing-Angriff erbeutet wird, kommt der Angreifer damit allein nicht weiter. Ein zweiter Faktor, etwa eine SMS oder eine Authenticator-App, sichert den Zugang zusätzlich ab.
Das Konzept der Zero-Trust-Architektur folgt einem einfachen Grundsatz: Kein Nutzer und kein System bekommt automatisch Vertrauen, nur weil er sich im internen Netzwerk befindet. Jeder Zugriff wird überprüft. Für kleine Unternehmen bedeutet das enge Rechtevergabe, getrennte Zugänge für verschiedene Mitarbeitende und regelmäßige Überprüfung, wer Zugang zu welchen Systemen hat.
Schulung ist kein optionaler Zusatz
Technik allein reicht nicht. Wer seine Mitarbeitenden nicht schult, schließt die Haustür ab und lässt das Fenster offen. Phishing-Simulationen, bei denen intern gefälschte Mails verschickt werden, helfen dabei, das Bewusstsein zu schärfen. Viele Anbieter stellen solche Tests auch für kleine Unternehmen bereit, teils zu überschaubaren Kosten.
Dabei geht es nicht darum, Mitarbeitende zu bestrafen, die klicken, sondern darum zu verstehen, wo im Team das Risiko am größten ist, und dort gezielt nachzuschärfen.
Fazit
Die Studie von TU Berlin, Inria und Ruhr-Universität Bochum liefert konkrete Zahlen zu einer Bedrohung, die viele bisher unterschätzen. KI-personalisierte Phishing-Mails umgehen Standardfilter fast vollständig und sind messbar gefährlicher als bisherige Angriffe. Für kleine Unternehmen heißt das: Zwei-Faktor-Authentifizierung einrichten, Zugriffsrechte einschränken und Mitarbeitende regelmäßig sensibilisieren.


